Dr. phil. Juliane Scholz

ehemalige Wissenschaftliche Mitarbeiterin

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Bereich: Vergleichende Kultur- und Gesellschaftsgeschichte des modernen Europa

Zur Person

Geboren 1983 in Bad Saarow.
Von 2003 bis 2009 Magisterstudium der Kulturwissenschaften, Medien- und Kommunikationswissenschaft und Psychologie an der Universität Leipzig.
2009: Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig.
2010: Wissenschaftliche Hilfskraft am BMBF-Projekt „Rechtskulturelle Prägungen Ostmitteleuropas in der Moderne: Produktionseigentum, Geistiges Eigentum, Bodeneigentum“ am Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas der Universität Leipzig (GWZO)
Seit Oktober 2010 Aufnahme in die Klasse „Transnationalisierung und Regionalisierung vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart“ der Graduate School „Global and Area Studies“ an der Universität Leipzig.
2010 bis 2013 Promotionsstipendium der „Studienstiftung des Deutschen Volkes e.V.“.
Oktober 2013 bis März 2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig.
Im Juli 2014 Promotion zum Dr. phil. mit der Dissertation zum Thema „Geschichte des Drehbuchautors in den USA und in Deutschland“

Arbeitsgebiete

Vergleichende Kultur- und Gesellschaftsgeschichte der Moderne (Europa, USA)

  • Professionalisierung
  • Mediengeschichte
  • mediale Repräsentationen von Kultur und Gesellschaft
  • Kulturtransfer (Exil, Migration)
  • geistiges Eigentum

Promotionsprojekt

Sozial- und Kulturgeschichte des Drehbuchautors in den USA und Deutschland (1920-1970) (Arbeitstitel)

Das Dissertationsprojekt behandelt die Sozial- und Kulturgeschichte von Drehbuchautoren in den USA und Deutschland von 1920 bis 1970 im Rahmen der Kommerzialisierung des Films und der Konzentration der Filmindustrie. Es untersucht den Zusammenhang zwischen der Organisation und Institutionalisierung des Films einerseits, den Anforderungen an das Screenwriting und den sozialen, beruflichen, kulturellen und rechtlichen Bedingungen der Tätigkeit und Lage des Drehbuchautors („Szenarist“) andererseits. Gefragt wird, warum und wie sich eine anfänglich heterogene Gruppe von Drehbuchautoren oder „Szenaristen“, die sich aus Journalisten, Dramatikern, Romanciers und Amateuren rekrutierte, langfristig zu einer profilierten Berufs- und Statusgruppe angestellter und freiberuflicher Kreativkräfte entwickelte.
Der zu untersuchenden Prozess der Verberuflichung und Professionalisierung beginnt damit, dass im frühen 20. Jahrhundert, aufgrund der Arbeitsteilung und Standardisierung der Arbeit im Film, traditionelle Berufs- und Autorenbilder, die auf künstlerische Autonomie und Kreativität verweisen, zunächst abgewertet werden. Vor diesem Hintergrund lautet die Leitfrage der Arbeit, wie sich der Drehbuchautor zwischen den 1920er und 1960er Jahren schrittweise zu einem neuartigen Kultur- und Autorberuf mit spezifischen professionellen und rechtlichen Merkmalen entwickelt. Im Hinblick darauf konzentriert sich die Forschungsarbeit auf ausgewählte, soziale, kulturelle, rechtliche, organisatorische und institutionelle Programme, Projekte und Strategien. Insbesondere werden Organisationen der Drehbuchautoren (wie die 1921 gegründete Screen Writers Guild und der 1919 geschaffene Verband deutscher Filmautoren) und spezielle institutionelle Regelungen für Beruf, Tätigkeit, Einkommen und Status analysiert. Unter dem Gesichtspunkt der Professionalisierung interessieren Programme und Strategien, die zur Anhebung des Status und Verrechtlichung und zur Autonomisierung der Profession führen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Frage, warum und wie Drehbuchautoren Funktionen, Positionen, Rollen und Beziehungen durch spezifische – komplementäre oder alternative – Strategien im Arbeits-, Berufs-, Vertrags-, Verband- und Kulturrecht stärken wollen (Verrechtlichung); und wie sie urheberrechtsbezogene Strategien verwenden, um Nutzungs- und Verwertungsrechte eigentumsförmig oder urheberrechtlich zu institutionalisieren (Propertisierung bzw. Propertization). Insbesondere der historische Vergleich beider Filmländer zeigt, wie auf Grundlage zunächst ähnlicher ökonomischer, sozialer und kultureller Kontexte die Professionalisierung für den Fall der USA als erfolgreiches Projekt mit einem starken gewerkschaftsähnlichen Berufsverband durchgeführt werden konnte, währenddessen in Deutschland die Interessenvertretung der Drehbuchautoren bis heute schwach ausgeprägt ist und sich die Berufsgruppe rechtlich wie sozial in einer schlechteren Position als ihre US-Kollegen befindet. Der komparatistische Blick auf die Professionalisierung des Drehbuchautors wird zudem durch Fragen der Geschlechterforschung und der Migration von Drehbuchautoren im Rahmen der Exilforschung erweitert.

Betreuer der Arbeit
Prof. Dr. Hannes Siegrist (Universität Leipzig)

Publikationen

  • Professionalisierung des Drehbuchautors. Hollywood und das kommunistische Europa im Vergleich, in: Müller, Dietmar; Siegrist, Hannes (Hrsg.), Professionen, Eigentum und Staat. Europäische Entwicklungen im Vergleich – 19. und 20. Jahrhundert, Göttingen 2014, S. 298-327.
  • Deutsche Drehbuchautoren in Hollywood (1933-1945), in: Isabella Löhr; Matthias Middell; Siegrist, Hannes (Hrsg.), Kultur und Beruf in Europa, Stuttgart 2012 (=Europäische Geschichte in Quellen und Essays, 2. Bd.), S. 61-67.
  • Rezension zu Glauser, Andrea: Verordnete Entgrenzung. Kulturpolitik, Artist-in-Residence-Programme und die Praxis der Kunst, Bielefeld 2009, in: Comparativ. Zeitschrift für Globalgeschichte und vergleichende Gesellschaftsforschung 22. Jg. (2012) H. 4, S. 148f.
  • Wechselseitige Bezugsrahmen einer „doppelten Bewältigung“ des Nationalsozialismus – Der deutsche Spielfilm in der Nachkriegszeit als Medium der Konstruktion des kollektiven Gedächtnisses. Ein historischer Vergleich, zugl. Magisterarbeit Univ. Leipzig, Ravensbrück 2008.
Letzte Änderung: 13. März 2017