Qualifikationsarbeiten

Promotionsprojekte – Betreuung am Institut für Philosophie

 

Nadav Arviv, Zeitgenössischer Moralischer Konstitutivismus: Die Herausforderung des Rationalen Egoismus

Konstitutivistische Moraltheorien huldigen der intuitiven Idee, dass Moral autonom ist, ihre Forderungen also nicht aus irgendeiner normativen Tatsache entspringen können, die dem Handelnden äußerlich wäre (einem Gesellschaftsvertrag, dem Wort Gottes, etc.). Vielmehr entsprängen die Forderungen der Moral aus Prinzipien, die für absichtliches Handeln konstitutiv sind und diesem Handeln daher selbst innewohnen. Solche Theorien rühmen sich, spielend mit skeptischen Herausforderungen umgehen zu können. Konstitutivisten vertreten die Auffassung, das „Warum moralisch sein?“ des Skeptikers sei begrifflich verfehlt, weil es keinen Sinn ergebe zu fragen: „warum sollte ich das tun, worin was (auch immer) ich tue besteht?“. In dieser Hinsicht stehen konstitutivie Prinzipien des Handelns als letzte Gründe oder letzte Rechtfertigungen des Handelns da; in diesem Sinne sind sie rationale Prinzipien und die Forderungen, die sie vorbringen, rationale Forderungen.

Die Dissertation untersucht die Herausforderung des rationalen Egoismus, der sich zeitgenössische konstitutivistische Moraltheorien stellen. Ihr Zweck ist, (1.) die Herausforderung klar zu formulieren, so wie sie sich in vorherrschenden zeitgenössischen Versionen des moralischen Konstitutivismus, nämlich dem kantianischen und dem neo-aristotelischen Konstiutivismus, stellt, (2.) deren jeweilige Antwort auf diese Herausforderung kritisch zu diskutieren, (3.) dafür zu argumentieren, dass der neo-aristotelische Konstitutivismus eine vollständigere, befriedigendere Antwort liefert und (4.) zu schließen, dass der kantiansche Konstitutivismus und der rationale Egoismus letztlich in einem skeptischen Bild der Natur praktischer Vernunft übereinstimmen, einem Bild, das der neo-aristotelische Konstitutivismus vermeidet.

 

Sebastian Böhm, Der unendliche Wert des Individuums

Ein klassischer Einwand gegen Hegel ist der Vorwurf, er könne die Wirklichkeit des einzelnen Individuums nicht denken, dessen Eigenrecht verlöre sich in den allgemeinen Bestimmungen des Geistes. Dies ist erstaunlich, spricht Hegel doch gerade vom unendlichen Wert des Individuums. Wie ist dieser unendliche Wert zu verstehen? Allgemeiner: Wie ist autonome Individualität möglich? Diesen Fragen soll mit Kant und Hegel nachgegangen werden, insbesondere die Berechtigung und Reichweite der hegelschen Kantkritik ist hierbei zentral.

 

Sebastian Bürkle, Selbstbewusste Erkenntnis

In der Dissertation wird gefragt, wie Erkenntnistheorie möglich ist. Diese Frage wird in der gegenwärtigen Forschung zumeist übergangen. Sofern die Frage doch gestellt wird, sieht sich die gegenwärtige Erkenntnistheorie vor ein Dilemma gestellt, das mit dem Umstand verbunden ist, dass sie wesentlich Selbsterkenntnis sein soll: Entweder kann verständlich gemacht werden, wie die Erkenntnistheorie objektiv-wahre Selbsterkenntnis sein kann, aber dann kann nicht verstanden werden, wie derjenige, der Erkenntnistheorie betreibt, Erkenntnis von sich Selbst erwirbt. Oder es kann verständlich gemacht werden, wie es sich bei der Erkenntnistheorie um Selbsterkenntnis handelt, aber dann kann nicht mehr verstanden werden, wie das Resultat der Erkenntnistheorie eine objektiv-wahre Erkenntnis zu sein vermag.

In Hegels Phänomenologie des Geistes wird eine Antizipation der gegenwärtigen Problematik erkannt, die sowohl das Dilemma sieht, als auch auf diese eine eigenständige und heute vergessene Antwort gibt. Diese Antwort soll entwickelt werden, indem in einem ersten Schritt der gegenwärtige Diskurs am Leitfaden des Gangs von Hegels Phänomenologie rekonstruiert und kritisiert wird. Sodann wird in einem zweiten Schritt Hegels eigener Vorschlag zur Lösung des Dilemmas geprüft. Dieser besteht darin, die Selbsterkenntnis als Er-Innerung zu denken und sie somit zugleich als selbstbezüglich und als objektiv-wahr zu konzipieren.

 

Nicole Antonette del Rosario, The Kantian Pedagogic Tension as a Paradox of Autonomy

At the heart of my project is an attempt to address a critical problem whose roots extend to the very beginning of the history of ethics: the question of whether or not virtue can be taught. I engage a particular iteration of the problematic, namely the apparent contradiction between moral education and moral autonomy, which is referred to in the philosophy of education as the “Paradox of Moral Education.” Specifically, the project explores the paradox as it is expressed as a radical incongruity between Kant’s philosophy of moral education and his moral philosophy, which I call the “Kantian Pedagogic Tension.” My work demonstrates that the tension which arises between the two is a manifestation of the more fundamental problem of the Paradox of Autonomy and, understood as such, can be resolved by rethinking what it means for autonomy to function as the cornerstone of moral agency.
My work puts forward a singular response to all four matters—the Paradox of Autonomy, the Kantian Pedagogic Tension, the Paradox of Moral Education, and the question of the teachability of virtue—which are at play with each other: that the unity of law and freedom characteristic of Kantian moral autonomy provides a sufficient framework to dispel these tensions. That is to say, my approach to resolving the paradoxes is to demonstrate that there are no paradoxes at all. I argue that the centrality of freedom as autonomy to the concept of moral agency neither precludes the possibility nor diminishes the importance of moral education in the formation of moral agents. It is my contention that the Kantian Pedagogic Tension only arises as a result of a commitment to a particular understanding of laws of autonomy, namely the widespread conception of it as characterized by its origin, and that an alternative interpretation of it, specifically as characterized by its form, can undermine the contradiction. Interpreting autonomy in the latter manner makes the concept of moral education not only possible but also redeems its necessity. This way, moral education avoids being an absurd process by which one heteronomously shapes autonomy and instead is a continuous, singular practice of freedom.
My project takes one step towards telling the socio-historical story of the development of Kantian moral autonomy, which the apriority of Kant’s moral philosophy is understood as interdicting. The unity of freedom, self-consciousness, and reason in Kant’s thought, however, requires that we rethink not only the function of moral education and the nature of freedom but also the constitution of self-consciousness and reason. In awarding moral education an integral role in the realization of a moral agent’s autonomy, one necessarily also tells a socio-historically situated developmental story of self-consciousness and reason as these three burgeon in a singular movement.

 

Coretta Ehrenfeld, Philosophische Analysen zu Konzept und Praxis des Transnationalen

Im Promotionsvorhaben werden die Bedingungen, Formen, Möglichkeiten und Grenzen des Transnationalen untersucht. Zum einen wird damit beabsichtigt, eine ausführliche Analyse des Begriffs des Transnationalen sowie seiner einzelnen Dimensionen Transkulturalität, Translokalität, Transstaatlichkeit, Transnationalismus und Postnationalität vorzulegen. Zum anderen soll mit der Analyse von Konzept und Praxis des Transnationalen das inhaltliche und argumentative Potential des Transnationalitätsbegriffs ausgelotet werden. Für beide Ziele gilt im Promotionsvorhaben die Annahme, dass zu einer Weiterentwicklung des Transnationalitätskonzepts die Frage nach transnationalen Bewusstseinsformen sowie die Frage nach der Handlungsmächtigkeit und/oder Subjektivität der Akteure (agency) dringend gestellt werden müssen. Eine These lautet dabei, dass der Begriff des Bewusstseins sich als Mittelbegriff zwischen transnationaler (individueller) Praxis und Transnationalität als Konzept erweisen könnte. Die zentralen Fragen, die mit der Arbeit beantwortet werden sollen, sind: Wie ist der Zusammenhang zwischen den verschiedenen Dimensionen des Transnationalen? Wie formiert sich und wie wirkt transnationale agency? Welche Rolle(n) spielt transnationales Bewusstsein? Wie ist das transnationale Modell im Globalisierungsdiskurs zu verorten? Lassen sich die Erkenntnisse für eine “translokale Argumentation” fruchtbar machen, und wie gestaltet sich Transnationalität als Argument?

 

Till Ermisch, Schellings Begriff der negativen und positiven Philosophie

Das Ziel der Arbeit ist es, Schellings Begriff der negativen und positiven Philosophie zu definieren. Anhand der gewonnen Unterscheidung ist der Begriff der negativen Philosophie in seiner Funktion als Kritikfigur an den zentralen philosophischen Positionen der Neuzeit (vor allem an den Philosophien Kants und Hegels) vorzustellen und überdies aufzuzeigen, inwieweit der Begriff auch in den daran anschließenden Diskussionen um Hegel in der neueren Zeit eine aufklärende Rolle spielen kann. Im Gegenzug ist der Begriff der positiven Philosophie als Projekt einer aufhebenden Alternative zur negativen Philosophie vorzustellen und zu bewerten, inwieweit sich dieser in der zeitgenössischen Debatte als fruchtbar erweisen kann.
Mein Dissertationsprojekt ist dem Gebiet der theoretischen Philosophie zuzuordnen und der Tradition der systematisch-analytischen Philosophie verpflichtet. Die Themen der Arbeit lassen sich mit folgenden Stichwörtern charakterisieren: Erkenntnistheorie, Naturphilosophie, Religionsphilosophie und Phänomenologie.
Etwaige historische Bezüge werden im Rahmen der Arbeit lediglich insoweit miteinbezogen, als diese dazu dienen, die Kontinuität bestimmter systematischer Probleme und Denktraditionen zu verdeutlichen. Den systematischen und historischen Rahmen der vorzunehmenden Überlegungen bildet vornehmlich die europäische Philosophie des 17., 18. und 19. Jahrhunderts.

 

Katrin Felgenhauer, Anthropologie der Macht – Im Anschluss an die Philosophie Helmuth Plessner.  Eine anthropologiekrische Analyse neuzeitlicher Machtheorien zur Begründung performativer Strategien der Partizipation

Im Anschluss an die Philosophie Helmuth Plessners will das Promotionsvorhaben die Stellung „des“ Menschen innerhalb vier verschiedener Theorieansätze der Macht (Machiavelli, Hobbes, Nietzsche, Foucault) untersuchen und so nach der Performativität von Macht fragen, das heißt danach, inwiefern Anthropologien soziale Realität konstituieren, indem sie Machtspielräume begrenzen, eröffnen und festlegen. Das Phänomen der Macht in dieser Weise als „Grenzgänger“ zwischen Theorie und Praxis zu verstehen und die Implikationen einer performativen Machtheorie für die gesellschaftspolitische Praxis zu beleuchten, ist das zentrale Anliegen des Vorhabens.

 

Mirko Fischer, Die posthegelianische Debatte über die philosophische Christologie

Das Promotionsvorhaben versteht sich als ein philosophiehistorisches Projekt, das im Umkreis einer signifikanten Lücke in der deutschen Philosophiegeschichtsschreibung intervenieren möchte, auf welche stößt, wer nach den Spuren einer Rezeption jener Debatten sucht, die im Anschluss an die Philosophie Hegels von Philosophen und protestantischen Theologen über die Frage des ‚Gottmenschentums‘, die ‚Personalität Gottes‘, die ‚Unsterblichkeit der Seele‘ und vor allem über die preußische Staatsform (Stichwort: christlicher Staat) geführt worden sind. Die Arbeit lässt sich thematisch an einer Schnittstelle von Politischer Philosophie und Theologie bzw. philosophischer Theologiekritik verorten. Sie möchte den Nachweis erbringen, dass die politisch motivierte Religionskritik der Linkshegelianer ohne eine Rückbindung an die seinerzeit geführten religionsphilosophischen Debatten nicht angemessen begriffen werden kann. Dazu sollen die religionskritischen Überlegungen von Strauß, Bauer, Feuerbach und Stirner vor dem Hintergrund dieser Debatten interpretativ erschlossen und hinsichtlich ihrer ‚inneren‘ Systematik (Strauß’ hermeneutisch-mythentheoretische Fundierung, Bauers geschichts-philosophische Wende, Feuerbachs anthropologische Wende, Stirners sprachkritische Wende) rekonstruiert werden. Darüber hinaus soll nach analogen Denkfiguren in den Theologischen Jugendschriften Hegels gesucht und der Einfluss der linkshegelianischen Religionskritik auf das Werk von Marx, insbesondere hinsichtlich ihres theoretischen Status, diskutiert werden.
Die Arbeit möchte die Debatte über die ‚Folgen‘ von Hegels Philosophie inhaltlich voranbringen, insbesondere im Hinblick auf die Frage nach den Gründen für den von den Linkshegelianern eingeleiteten und von Marx vollzogenen Übergang von der Theorie zur Praxis.

 

Anna Flocke, Kultur als Verstehensleistung

Der Mensch zeichnet sich durch die Fähigkeit aus und scheint sich darin von Tieren zu unterscheiden, dass er in der Lage ist, andere Wesen als intentional Handelnde zu verstehen. Diese Fähigkeit entwickelt sich im Laufe der Ontogenese – und zwar in Wechselwirkung und Auseinandersetzung des jungen Menschen mit seiner kulturellen Umgebung. Kultur wird hier in Anschluss an den Philosophen Moritz Lazarus verstanden als Totalität aller menschlichen Erzeugnisse sowie seiner Lebensweisen. Der Mensch ist in der Lage Kultur hervorzubringen; seine Welt ist nicht mehr bloß eine „natürliche“ Welt, sondern eine durch und durch kulturell geprägte und hervorgebrachte Welt. Die Dissertation von Anna Flocke setzt sich mit dem Wechselverhältnis dieser zwei genuin menschlichen Fähigkeiten des Menschen – seiner Fähigkeit den anderen als intentional Handelnden zu verstehen und seiner Fähigkeit Kultur hervorzubringen – auseinander und zeigt, dass diese intrinsisch miteinander verbunden sind. Die Fragen der Dissertation sind die nach den begrifflichen, evolutionären und entwicklungspsychologischen Bedingungen von Kultur sowie der Möglichkeit ihrer Aneignung durch den Einzelnen. Zudem werden die Funktionsprinzipien bestehender Kulturen aufgezeigt. In der bisherigen Forschung werden diese Fragen getrennt von einander untersucht – und zwar im Rahmen philosophischer, psychologischer oder soziologischer Wissenschaftszweige. Die Dissertation „Kultur als Verstehensleistung“ wendet sich gegen die Vorstellung, man könne diese Fragen getrennt voneinander thematisieren und führt die Forschungsergebnisse der unterschiedlichen Disziplinen zusammen. So erst gelingt es, ein umfassendes Verständnis des Menschen als kulturellem Wesen zu entwickeln. Die Autoren, die für die Arbeit von besonderer Relevanz sind, sind Michael Tomasello (Psychologie), Ernst Cassirer (Philosophie) und Alfred Schütz (Sozialwissenschaften).

 

Michael Frey, Materialität und Sozialität des selbstbewussten Subjekts

Das selbstbewusste Subjekt, der Mensch, ist als Lebewesen materiell respektive körperlich. Durch seine Materialität beziehungsweise Körperlichkeit ist dieses Lebewesen stets auf etwas bezogen, das von ihm verschieden ist. Seine Wirklichkeit hängt also davon ab, dass es etwas gibt, von dem es sich unterscheidet und mit dem es interagiert: seine Welt oder andere Subjekte. Das selbstbewusste Subjekt ist also etwas Einzelnes. Gleichzeitig besitzt das selbstbewusste Subjekt aber das Vermögen, vollkommen allgemeine Normen zu verwirklichen. Die Wirklichkeit dieser Normen scheint nun jedoch in keiner Weise an Materialität geknüpft zu sein; sie scheint durch nichts bedingt zu sein, was von ihnen verschieden ist. Denn durch ihren Charakter als vollständig allgemein schliessen sie jegliche Form von Alterität aus. Das selbstbewusste Subjekt ist also gleichzeitig die Wirklichkeit des Allgemeinen, das immateriell zu sein scheint, weil es jegliche Form von Alterität ausschliesst.
Es scheint folglich ein Dilemma vorzuliegen: Entweder das selbstbewusste Lebewesen tritt als materielles, körperliches Einzelnes auf, womit es sich notwendig durch etwas konstituiert, das von ihm verschieden ist oder es ist die Wirklichkeit vollständig allgemeiner Normen, wodurch es immateriell und fern von jeglicher Sphäre der Alterität zu sein scheint. Es stellt sich also die Schwierigkeit, wie ein und dasselbe Subjekt einerseits materiell und andererseits Urheber vollständig allgemeiner Normen sein kann.
In meiner Dissertation will ich zeigen, dass dieses Dilemma sich auflösen lässt, wenn wir das selbstbewusste Subjekt, den Menschen, in der richtigen Weise als soziales Lebewesen begreifen. Ich möchte verstehen, wie durch die richtige Auffassung davon, dass dieses Subjekt notwendig durch interpersonelle Verhältnisse zu anderen solchen Subjekten, sprich durch Sozialität respektive durch eine innere Pluralität, bestimmt ist, klar wird, dass die Wirklichkeit dieses sozialen Lebewesens die Verwirklichung einer normativen Ordnung darstellt, durch die die Begriffe „Einzelheit“, „Materialität“ und „Alterität“ einerseits mit den Begriffen „Allgemeinheit“, „Normativität“ und „Identität“ andererseits versöhnt werden.

 

Florian Ganzinger, Denken des Seins. Eine Morphologie der metaphysischen Logik

Die Dissertation beschäftigt sich mit der Frage, ob und wie reines Wissen möglich ist. Die Philosophie von Kant, Hegel sowie Frege ist von der Einsicht bestimmt, dass reines oder metaphysisches Wissen nur auf Grund von logischem Wissen möglich ist. Hiermit erfassen sie die Idee einer metaphysischen Logik, die behauptet, dass das Nachdenken über das Sein des Seienden nichts anderes ist als das Denken des Denkens überhaupt. In meiner Arbeit sollen die Sinne untersucht werden, in denen sich diese abstrakte Idee verstehen und konkretisieren lässt..

Diese Untersuchung wird sich deshalb als eine Morphologie darstellen, die die Idee der metaphysischen Logik anhand ihrer konkreten Ausgestaltungen zu entwickeln sucht. Zu diesem Zweck analysiert sie Freges deduktive, Kants transzendentale und Hegels spekulative Gestalt der metaphysischen Logik. Bei dieser Analyse wird eine Gestalt zunächst in ihrem Prinzip begriffen und rein immanent kritisiert, um zu einen konkreteren Begriff der metaphysischen Logik zu gelangen. Letztlich soll erwiesen werden, dass allein die spekulative Gestalt sowohl die Widersprüche der anderen Gestalten vermeiden kann als auch in sich selbst konsistent ist. Erst die spekulative Logik zeigt also, wie eine metaphysische Logik möglich ist.

 

Johann Gudmundsson, Zur Ontologie des Guten

Ein Standardeinwand gegen den Wertrealismus besagt, dieser postuliere mit Werten oder der Eigenschaft der Güte metaphysisch inakzeptable Entitäten. Neoaristotelische Positionen treten diesem Einwand entgegen, indem sie zeigen, dass das Gute ein notwendiger Bestandteil unserer Repräsentation der (lebendigen) Wirklichkeit ist. Damit weisen sie in die richtige Richtung, allerdings scheitern sie daran, dass sie versuchen, den Begriff des Guten aus grundlegenderen Begriffen herzuleiten. Daraus ergibt sich das Desiderat, den Begriff des Guten auf eine Weise zu erläutern, in der er sowohl grundlegend als auch phänomenal angemessen ist. Das Projekt geht diesem Desiderat nach, indem es die mittelalterliche Transzendentalienlehre als konsequente Fortentwicklung der aristotelischen Metaphysik hinsichtlich ihrer Leistungskraft zur Erläuterung des Begriffs des Guten untersucht.

 

Susanne Herrmann-Sinai, Praktische Vernunft und ihre Wirklichkeit. Hegels Kritik an Kant im Ausgang von Kants praktischer Philosophie

In meiner Arbeit argumentiere ich dafür, dass wir, um Hegels Kritik an Kants praktischer Philosophie in ihrer ganzen Reichweite zu verstehen, zunächst Hegels Kantkritik in dessen Wissenschaft der Logik begreifen müssen. Erst dann können wir Logik und Philosophie des Geistes bei Hegel auf eine Weise auseinander halten, die zugleich klar zwischen ihren Fragestellungen und gegebenen Antworten unterscheidet. Innerhalb der Logik beziehe ich mich auf die Begriffslogik und ihre Urteils- und Schlusslehre sowie das Ideenkapitel, innerhalb der Philosophie des Geistes vor allem auf die Kapitel zum subjektiven und objektiven Geist. Durch die Separation von Logik und Geist innerhalb von Hegels Systems lässt sich begreifen, inwiefern Hegel zwar die Fragestellung Kants teilt, wie reine Vernunft praktisch sein kann, zugleich aber dessen Fehler vermeidet, nicht zeigen zu können, wie sie für uns wirklich ist. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Frank Irmler, Methoden im Philosophie- und Ethikunterricht – eine kritische Untersuchung der Ziele, Inhalte und Verfahren eines wertereflektierenden Unterrichtes

Die Forschungsarbeit ist motiviert durch die Konzeptionen aktueller Lehrwerke für den Ethik- und Philosophieunterricht. Diese beabsichtigen, den Ansatz der Kompetenzorientierung zu realisieren. Fachdidaktisch ist dies insofern problematisch, als es im Wesentlichen zwei unterschiedliche, mehr oder weniger gut begründete Auffassungen zum Verständnis und zur Umsetzung der Kompetenzorientierung gibt. Diese Konzeptionen sollen zunächst rekapituliert und kritisch kommentiert werden. Dabei ist zu klären, welchen Beitrag der Ethik- und Philosophieunterricht für das Bildungs- und Erziehungswesen leisten kann und leisten soll.

Diese bildungsphilosophische Erörterung soll didaktische Prinzipien liefern, welche es erlauben, die bestehenden Verfahren für den Ethikunterricht (phänomenologische, dialektische, hermeneutische, analytische und spekulative Methode) kritisch zu prüfen. Schlussendlich werden aus diesen Ergebnissen die Kriterien entwickelt, welche zur Beurteilung der Qualität der Lehrwerke konsultiert werden können. Der entstehende Kriterienkatalog wird zur Beurteilung der gängigen Lehrwerke verwendet werden. Dabei wird sich herausstellen, ob die Lehrwerke den fachdidaktischen Anforderungen genügen und welche Veränderungen vorgenommen werden müssten, um den didaktischen Prinzipien, den Ansprüchen und Zielen des Ethik- und Philosophieunterrichts zu genügen.

 

Boris Kaloff, Intersubjektives Lernen: Der Begriff des Lernens aus philosophischer und emiprischer Perspektive

In der zeitgenössischen kognitiven und Entwicklungspsychologie ist, neben anderen Disziplinen, die These verbreitet, dass den Menschen eine einzigartige Art des Lernens auszeichnet, die andere Tiere nicht zu besitzen scheinen. Diese Art des Lernens hat eine bestimmte interpersonelle Komponente und sie erfordert das Verständnis des anderen als eines mentalen Akteurs, dessen Handlungen von Intentionen regiert werden. Die spezifisch menschliche Form des Lernens wird als Soziales Lernen bezeichnet. Ein weiterer Aspekt sozialen Lernens als einem Mittel zur Genese generalisierbaren Wissens ist Kommunikation. Handlungen die dem Beobachter anderenfalls als teleologisch undurchsichtig erscheinen würden, können durch Kommunikation ihrer Funktion verständlich gemacht werden. Das Dissertationsprojekt zielt auf eine konzeptuelle Ausarbeitung der humanspezifischen Formen des Lernens und den ihnen unterliegenden kognitiven Fähigkeiten aus philosophischer Perspektive.

 

Ken Pierre Kleemann, Das Problem der positiven Philosophie oder über die bewusstseinsphilosophischen Reste in der intersubjektiven Theorie von Jürgen Habermas

Arbeitstitel haben etwas prekäres, zeigen sie doch mehr eine Vermutung an als einen eindeutigen Weg. Die Forschung über Probleme und Anschlussmöglichkeiten einer Theorie haben zumeist eine Tendenz mit der Grundlage einer Systematik zu operieren, aber den Gehalt der gemachten Annahmen unkritisch zu übernehmen. Diese Problemlage der Findung verbesserungswürdiger Anschlussmöglichkeiten als auch die sinn-kritische Hinterfragung der angenommenen Entwicklung der eigenen theoretischen Verortung machten die theoretische Arbeit von Habermas nicht nur zum Objekt eines derartigen Ansatzes, sondern selbst zum Ausdruck eines derartigen Bestrebens. Die Fusionierung von so genannter angelsächsischer und kontinentaler Philosophie macht es nicht nur möglich analytisch an einem intersubjektiven Menschenbild zu arbeiten, sondern dieses Vorgehen selber in gesellschaftstheoretische Erwägungen zu überführen und damit zeitgleich eine narrative Ebene der Gesellschaftskritik zu erhalten. Ein interessanter Ansatz tritt in den Fokus, der doch von Habermas gerade wegen dieses Ansatzes selbst verworfen wird. Am Ende steht die Demokratie als rechtliche Verfahrensweisen vor der Philosophie. Dieses Ende der Philosophie; dieser Widerspruch führte selbst erst auf die Hinterfragung der Gehalte der Grundlage dieser Systematik. Der bewusstseinsphilosophische Abwehrkampf, die Auflehnung gegen einen doppelten Positivismus, der einerseits ein mentalistisches Menschenbild predigen sollte und andererseits die bestehenden Verhältnisse fetischisierend kaschieren sollte, wurde nun selbst zum Problem eines tradierten Bildes.
Die Dissertation versucht somit diesem Bild der Moderne und damit dieser Vorstellung der Geschichte der Philosophie eine sinn-kritische Spur zu geben. Durch eine kontextuelle-historische Analyse wird versucht über Habermas als „monographische Persönlichkeit“ die Netzwerke, Korpora und Kanonifizierungen der fünfziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts im deutschsprachigen universitären Raum darzustellen und durch die Theoriedynamik der Arbeiten von Habermas das problematische Bild zu extrahieren. Dieses wird anschliessend mit den selben kontextualen Methoden auf die Geschichte der Philosophie selbst angewandt und ermöglicht die kritisch-narrative Darstellung der Genese des Feindbildes eines doppelten Positivismus aus dem Selbstverständnis der akadmischen Philosophie, insbesondere des neunzehnten Jahrhunderts und der sich nicht auf die namentliche Strömung beschränkenten „Neu-kantische Wende“. Nur durch die philosophische Hinterfragung des zu oft geteilten Hintergrundkonsens lässt sich schließlich Möglichkeiten und Anschlussfähigkeiten aufzeigen und über eine zeitgemäße positive Philosophie reden.

 

Martin Palauneck, Praktisches Selbstbewusstsein bei Aristoteles und Hegel

In meiner Doktorarbeit untersuche ich Aristoteles‘ und Hegels Konzepte eines praktischen, sozialen Selbstbewusstseins. Beide Autoren gehen davon aus, dass sich in unseren Praktiken und Institutionen ein Wissen über die menschliche Lebensform manifestiert. Menschliches Handeln ist demnach wesentlich selbstbewusstes Handeln. In meiner Arbeit konzentriere ich mich auf die Frage, welche logische Form dieses Wissen über die menschliche Lebensform besitzt. Für Aristoteles lässt sich dieses Selbstbewusstsein in Tugendsätzen ausdrücken, das heißt in generischen Sätzen, wie sie beispielsweise von M. Thompson und Ph. Foot als „naturhistorische Urteile“ beschrieben werden („S sind F“). Hegel kritisiert die aristotelische Auffassung als unzureichend: Die Normativität von Tugendsätzen besteht in einer einseitigen Beziehung des Allgemeinen auf das Individuum. Entweder entspricht ein konkretes Individuum den jeweiligen Urteilen, oder es gilt als privativ. Tatsächlich verkennt dieses Modell die Tatsache, so Hegel, dass es stets Einzelne sind, die solche Urteile formen und anwenden. Dadurch zeigt sich aber, dass der Einzelne eine unhintergehbare Autorität über das Allgemeine besitzt. Als Konsequenz dieser Einsicht schlägt Hegel vor, dass das Wissen über die eigene Lebensform nicht nur in Tugendsätzen, sondern auch in der Form unbedingter Rechte formuliert werden muss. Meine Doktorarbeit hat erstens die exegetische Aufgabe, die Kritik an Aristoteles aus Hegels oftmals unzugänglichen Texten herauszuarbeiten. Zweitens versuche ich, Hegels Einsichten für die moderne analytische Handlungstheorie fruchtbar zu machen, indem ich die Gemeinsamkeiten zu den Ansätzen der einschlägigen zeitgenössischen (neoaristotelischen) Autoren suche.

 

Sascha Rammler, Strukturanalogien von Risikomodellen in der Akzeptanz moderner Technologien: Formale und natürlichsprachliche Explikationen

Voraussetzung für einen gelungenen Meinungsbildungsprozess in nicht-fachmännischen Technikfolgenabschätzungen und Technikfolgenbewertungen ist die Übersetzung von wissenschaftlichen Risikomodellen in einfachere Sprachformen mittels struktureller Analogien. Dabei muss stets in geeigneter Weise die Adäquatheit von solchen Übersetzungsergebnissen kritisch bewertet werden. Es ist grundsätzlich zu erwarten, dass bei nicht rein formalen Risikostrukturmodellen irrelevante Inhaltsaspekte auftreten, deren Explikation eine Aufgabe der Technikphilosophie darstellen kann. In der Arbeit sollen Methoden entwickelt werden, um irrelevante inhaltliche Implikationen zu explizieren und zu kontrollieren.

 

Benjamin Reimann, Die Ausrichtung der Kognitionswissenschaften. An der Schwelle zu einer Erneuerung aristotelischer Methodik zur interdisziplinären Erforschung der menschlichen Kognition in Folge der Frage ‚Warum wir kooperieren‘

Die Erforschung der menschlichen Kognition hat sich als interdisziplinäres Forschungsfeld etabliert und auch gerade hier in Leipzig tragen viele Forschungszentren zum Erkenntnisgewinn der kognitiven Anthropologie bei. Die Philosophie beschäftigt sich dabei zumeist analytisch mit konkreten begrifflichen oder methodischen Fragen und als Philosophische Anthropologie betont sie, dass es eine holistische, nicht reduktive Sicht auf den Menschen benötigt, um ihn als solchen verstehen zu können. In meiner Arbeit unternehme ich unterdessen den Versuch, eine differentielle Anthropologie zu entwerfen, die einen interdisziplinären Dialog im Feld der Kognitionswissenschaften ermöglicht. Dabei berücksichtige ich den methodisch gerechtfertigten Reduktionismus der Einzelwissenschaften und erarbeite ein Konzept, das es trotz dieser Reduktionismen ermöglicht, produktiv an einem gemeinsamen Anliegen innerhalb der Kognitionsforschung interdisziplinär zu arbeiten. Konkret bringe ich dabei die Thesen Michael Tomasellos in einen Dialog mit zentralen psychologischen Thesen des Aristoteles. Ziel dabei ist es, die Frage Tomasellos ‚Warum wir kooperieren‘ – in einer aristotelischen Leseweise – als Leitfrage in der kognitiven Anthropologie zu untermauern.

 

Nadine Schumann, How do Minds understand other Minds – Zur methodologischen Konfiguration der 2.-Person-Perspektive in Bezug auf die Möglichkeit epistemischer Objektivität

Das Forschungsprojekt ist interdisziplinär angelegt. Es sollen die unterschiedlichen Ansätze zu Fremdverstehen und Intersubjektivität aus Philosophie, Entwicklungspsychologie, Neurowissenschaft und Evolutionsbiologie zusammengetragen und diskutiert werden. Ziel dieser Arbeit soll sein, die Relationen zwischen Beobachter-, Erlebnis- und Du-Perspektive herauszukristallisieren, um zu zeigen, wie die Beobachterperspektive im interaktiven Verstehensprozess überhaupt zustande kommt. Ergebnis kann ein objektiveres Repräsentationsformat sein, in welchem die 2. Person-Perspektive als methodologisches Brückenformat fungiert. Besteht eine Disposition zur Perspektivenübernahme, so hat dies wissenschaftliche Auswirkungen. Der wissenschaftlichen, scheinbar objektiven Beobachterperspektive, (der Perspektive der 3. Person) geht die Teilnehmerperspektive (die Du-Perspektive der 2. Person, oder die Wir-Perspektive der 1. Person Plural) voraus, an welche wissenschaftliche Erkenntnis als soziale Praxis immer gebunden bleibt. Daraus folgt, dass eine rein physikalisch gedachte Natur, in der keine Subjekte vorkommen, immer ein theoretisches Konstrukt bleiben muss, aus dem Phänomene wie z.B. Bewusstsein und Intersubjektivität nicht abgeleitet werden können. L etztendlich soll eine alternative Methode entwickelt werden, welche, unter Berücksichtigung der Perspektivenpluralität, die Integration von Interpretations- und Verstehensprozessen leistet, um so „objektivere“ Erkenntnisse sicherzustellen.

 

Thomas Jussuf Spiegel, Quietism, Naturalism, and the End of Philosophy (Arbeitstitel)

The project explores philosophical quietism as a metaphilosophical stance that has unjustly been overlooked, as well as its methodological competitor naturalism, the current philosophical orthodoxy. The starting observation is that both quietism and naturalism seem to threaten philosophy as an established intellectual practice. Quietism seems to do this because it is taken to be a rejection of philosophy as such, naturalism seems to threaten it insofar as it declares philosophy „continuous with science“ (Quine) such that philosophy is demoted to doing merely ancillary work for the natural sciences. The work aims to show, among other things, that quietism correctly understood does not do away with philosophy, whereas naturalism, taken to its conclusion, does so.
In the first chapter, I offer a reconstruction of the debate surrounding quietism and a clarification of its content, focusing mainly on John McDowell´s and Huw Price´s recent quietist projects. It turns out that quietism does not reject all philosophy (as it often assumed), but only rejects philosophical theories of a specific kind. Chapter two deals with philosophical naturalism. Firstly, I again offer a reconstruction of its content, as is necessary because there is no clear definition to be had. Secondly, demonstrate that naturalism is incompatible with quietism since naturalism necessarily entails philosophical theories of the kind quietism rejects by definition. Thirdly, I offer an argument showing that naturalism is incoherent. The arguments up to this point have only negative conclusions. The third chapter, in contrast, centers on the question what kind of philosophy is still viable if quietism is true, supplying a positive characterisation of quietism´s content. I will motivate a view according to which philosophy offers elucidation instead of theoretical explanation, utilizing Gilbert Ryle´s notion of conceptual cartography.

 

Sebastian Stephan, Erfahrung und Realität

Das Dissertationssprojekt setzt sich in einem ersten Teil zum Ziel, Kriterien für Realitätsannahmen zu finden und zu rechtfertigen, nach welchen Kriterien die Überzeugung, wir besäßen gemeinhin eine informative Wahrnehmung von einer realen Außenwelt, vernünftiger ist als die skeptizistische Ansicht, was einem real erscheine, könne genauso gut simuliert sein und somit keineswegs Wahrnehmung einer tatsächlich realen Welt. Es wird davon ausgegangen und verteidigt, dass Realitätsannahmen die Funktion besitzen, die Erfahrung zu erklären.

In einem zweiten Teil sollen die im ersten Teil zum Zwecke der Erfahrungserklärung etablierten Kriterien für Realitätsannahmen herangezogen werden, um eine Ontologie für die Realität zu entwerfen. Mit den gefundenen Kriterien könnte, so die Hoffnung, beispielsweise entscheidbar sein, ob für die vorstellungsunabhängige Wirklichkeit Kräfte und Kraftfelder allein oder zudem Körper, die diese Kräfte ausüben, anzunehmen sind, oder gar Qualitäten wie Farben oder Töne; ob solches von der Wissenschaft Angenommene, von dem wir in der Wahrnehmung keine Anschauung erlangen können, z.B. Elektronen oder eine im Bereich von Massen gekrümmte Raum-Zeit, als etwas Reales zu denken ist oder lediglich als wissenschaftliches Modell; oder ob den Dingen als das, was sie jeweils sind, einzig kategorische oder auch dispositionale oder nur dispositionale Eigenschaften zuzusprechen sind.

 

Mayada Tarboush, Die Grundprobleme der Erkenntnis bei Karl Popper

Es geht um die Wahrheitsidee und die Wahrheitskriterien. Ich werde die Frage was ist die Wahrheit versuchen zu beantworten. Außerdem möchte ich das Induktionsproblem untersuchen und wissen ob es Popper gelungen ist, dieses Problem zu lösen. Ich werde fragen, ob die Falsifikation als eine Lösung für das Induktionsproblem gilt? Schließlich möchte ich wissen, inwieweit das Wissen objektiv sein kann, und wie sich unser Wissen sich.

 

Jana Thesing, Kants endlicher Denker. Eine systematische Analyse rationalistischer Einflüsse in Kants theoretischer und praktischer Philosophie

Wie ist endliches Denken möglich? Die Brisanz, die in dieser Formulierung steckt, wird in Debatten der angloamerikanischen analytischen Philosophie gerne verschleiert. Auch zeitgenössische Beiträge, die explizit den Einsichten Kants Raum geben wollen, für dessen Projekt diese Frage zentral ist, deklinieren lediglich die Transzendentale Analytik durch, um nüchtern eine Objektbezogenheit zu attestieren. Dabei bestimmt Kants Verhältnis zu dieser Frage seine ganze Philosophie und die Form seines Transzendentalen Idealismus. Es ist das Ziel meines Dissertationsprojekts herauszuarbeiten, welche Bedeutung endliches Denken für Kants theoretische Philosophie und praktische Moralphilosophie hat. Meine These ist, dass Kants Formulierung dieses Begriffs zu Spannungen in seiner Philosophie führt, die innerhalb des kantischen Rahmens nicht aufzulösen sind.
Eine Analyse von zentralen Begriffen der Rationalisten erlaubt die Offenlegung desjenigen Gegenbegriffs, der auch implizit in Kants endlichem diskursiven Denker enthalten ist: der unendliche Intellekt. Dieser systematische Vergleich mit einem privativ endlichen Denkvermögen erhellt somit die Problematik, in der Kant sich befindet, und eröffnet zudem den Ausblick auf ein Grundanliegen des Deutschen Idealismus

 

Frederic Thomas, Kritik und Reflexion. Praxen begrifflicher Fähigkeiten

Wenn Horkheimer und Adorno recht haben, dann muss die Idee von der Normativität der Sprache um einen gesellschaftstheoretischen Anspruch ergänzt werden. An ihrer These, derzufolge die soziale Praxis Sprache notwendig auf die Idee eines „guten Allgemeinen“ verweist – oder präziser: eine Idee von Praxis unter dem normativen Ideal gesellschaftlicher Freiheit, orientiert sich die Dissertation. In einem ersten Schritt soll die besondere Gestalt von Adornos und Horkheimers These zugänglich gemacht werden. Es zeigt sich aber, dass deren Akzentsetzung bloß programmatisch angezeigt wird.Von dort aus geht der wesentliche Teil der Dissertation der Frage nach, inwiefern die relevante Idee guter Praxis als keine bloß akzidentielle, sondern notwendige Möglichkeit in unserem Sprechen zu rekonstruieren ist. Dass sich Hegels begriffliche Erläuterung intersubjektiver Praxis an der Freiheit orientiert, ist in der philosophischen Debatte unstrittig. So besteht mein systematischer Vorschlag darin, Hegel in großer Nähe zur Idee des guten Allgemeinen zu rücken. Hegels Perspektive ist aber nur dann aussichtsreich, wenn wir zwei Linien, die innerhalb der weitläufigen Debatten um Hegel traditionell unberührt nebeneinander diskutiert werden, zugleich aufnehmen: den praxisphilosophischen Zugriff auf Freiheit und aktuelle sprachphilosophische Modellierungen. Die thematischen Grundbegriffe wie „zweite Natur“, „Gewohnheit“, „Paradox der Autonomie“ und „In-Besitz-Nehmen der Sprache“ werden exemplarisch an der Fähigkeit zu sprachlich vermittelten Vollzügen der Reflexion und der Kritik durchgespielt.

 

Daniel Tramp, Erklären und Begründen – Logik natürlicher Ereignisse und freier Handlungen

Das Promotionsprojekt beschäftigt sich mit den Bedingungen der Möglichkeit der Unterscheidung von Erklären und Begründen. Dabei sind die folgenden Fragen leitend: Wie erklären wir natürliche Ereignisse?  Wie begründen wir eine Handlung? Unter welchen Bedingungen ist es notwendig zwischen Begründen und Erklären zu unterscheiden? Was sind Gründe, was sind Ursachen – und wie unterscheiden wir das eine vom anderen? Zur Beantwortung dieser Fragen wird ein adäquater Handlungsbegriff erarbeitet und methodisch grundgelegt. Denn nur vor einem solchen Handlungsbegriff kann eine etwaige  Unterscheidung von Erklären und Begründen verstanden werden. Es soll eine Struktur erarbeitet werden, die solchen Begriffen, wie ‚Absicht‘, ‚Begehren‘, ‚Grund‘, ‚Ursache‘, ‚Möglichkeit‘ bzw. ‚Notwendigkeit‘, dann auch ‚Ereignis‘ und ‚Vollzugsform‘, einen systematischen Platz zu zuweisen vermag. Ziel des Projekts ist es durch diese erarbeitete Struktur eine Schneise in das Dickicht des Diskurs um Handlungsbegriff, Handlungserklärungen und Handlungsbegründung zu schlagen.

 

Anton Vesper, The mediator as a critical designer of acceptance in problem-solving discussions

In einem ersten Schritt erstellt Anton Vesper eine systematische Aufbereitung der pragma-dialektischen Argumentationstheorie (siehe insbesondere van Eemeren & Grootendorst: 1984, 1992, 2004) in Bezug auf deren Potentiale für die Akzeptanzforschung. Es ergeben sich vielfältige Aufgabenfelder und Fragestellungen für die Akzeptanzforschung, darunter z.B. die philosophische und theoretische Bestimmung des Begriffes „Akzeptanz“. In diesem Bereich sind grundlegende Erkenntnisse bereits gewonnen und publiziert worden. Um auch praktisch verwertbare Ergebnisse in Bezug auf Diskurse rund um moderne Technologien zu erhalten, konzentriert sich Anton Vesper dann in einem weiteren Schritt – aufbauend auf den vorgenannten Erkenntnissen – auf die Rolle eines Mediators in „problem-solving discussions“ über moderne Technologien. Ein Mediator kann als „kritischer Designer von Akzeptanz“ in einer solchen Diskussion bezeichnet werden, dessen Aufgabe dann z.B. ist, „Determinanten der Akzeptanz“ sichtbar zu machen.

 

Trevor Wedman, Gesellschaftliche Grundlagen der Normativität

Ziel des Projekts ist es, die rechtspositivistische Lehre von Kelsen und Hart anhand der neueren Entwicklungen der Sozialontologie zu kritisieren. Aus der Kritik zeigt sich, dass die von den Rechtspositivisten geachtete Trennung von Normativität und gesellschaftlicher Tatsache aufgehoben wird. Wird diese Trennung aufgehoben, ist der Rechtsbegriff nicht mehr notwendig durch ein souveränes Wollen und die daraus abgeleitete Normenhierarchie zu definieren: Die institutionelle Abhängigkeit des Rechts muss neu bewertet werden. Die Konsequenz dieses theoretischen Schrittes ist aber nicht ein von Institutionen  befreiter Rechtsbegriff,  vielmehr muss die Stellung der Institution als wesentlicher Bestandteil gesellschaftlicher Kohäsion und somit des Rechts neu affirmiert werden.

 

Peter Wiersbinksi, Der moralische Relativismus und seine Widerlegungen

In der Dissertation soll ein umfassendes Argument gegen den moralischen Relativismus entwicklt werden. Moralischer Relativismus lehrt, dass es nicht nur eine einzige wahre Moral gibt, sondern viele. Relativisten haben ihre Theorie oft als die »beste Erklärung« der kulturellen moralischen Vielfalt präsentiert, die Anthropologen beschreiben. Ebenso oft wurde von ihren Gegnern eingewandt, dass die Erklärung mit unerwünschten Konsequenzen erkauft wird, die umso schwerer wiegen, als nicht sicher ist, dass Universalisten das Phänomen moralischer Vielfalt nicht ebenso gut erklären können. Die Widerlegung des Relativismus, die Peter Wiersbinski entwickelt, reagiert auf die jüngste dialektische Wende in dieser Diskussion. Relativisten wie Wong und Velleman stellen fest, dass wir nicht einen Schluss auf die beste Erklärung vollziehen, sondern zuweilen unmittelbar erfahren, dass für die Angehörigen einer anderen Kultur andere moralische Urteile wahr sind als für uns. Universalisten sind durch diesen Zug genötigt, von der Strategie Abschied zu nehmen, dem Relativisten die Beweislast zuzuschieben. Sie müssen ein substanzielles Argument gegen die Idee einer Vielheit von Moralitäten entwickeln. Wiersbinski unterscheidet zwischen non-kognitivistischem Relativismus und kognitivistischem Relativismus. Gegen den Non-Kognitivismus wendet er ein, dass er unser Selbstverständnis als moralische Denker untergräbt und daher auf eine unplausible Irrtumstheorie verpflichtet ist. Gegen den kognitivistischen Relativismus führt er eine spezifizierte Version des davidsonschen Arguments aus der radikalen Interpretation ins Feld: Wenn es moralische Subjekte gäbe, die unter einem anderen Standard des moralischen Urteilens stehen als wir selbst, dann könnten wir diese Subjekte nicht einmal als Handelnde erkennen. Beide Argumente erhellen die Verknüpfung von moralischem und praktischem Selbstbewusstsein und die wesentliche subjektive Einheit, die diesem Selbstbewusstsein eigen ist, ohne für eine bestimmte universalistische Theorie Partei zu ergreifen.

 

Jonas Zahn, Praktische Normativität als Ausdruck vernünftigen Lebens

Wie ist die Möglichkeit praktischer Gründe bzw. Normativität zu erklären? In der gegenwärtigen Debatte gibt der sog. Konstitutivismus folgende Antwort: Die Quelle praktischer Gründe bzw. Normativität ist das Vermögen zu handeln. Wie ist der Begriff des ethisch bzw. moralisch Guten zu verstehen? In der gegenwärtigen Debatte gibt der sog. Neoaristotelismus bzw. ethische Naturalismus folgende Antwort: Das ethisch bzw. moralisch Gute muss als Form der sog. natürlichen Güte verstanden werden, deren Grundlage eine bestimmte metaphysische Auffassung des Lebendigen ist. Ziel des Dissertationsprojekts ist es, beide Debatten miteinander zu verknüpfen und einen konstitutivistisch verstandenen ethischen Naturalismus zu entwickeln. Eine solche Position ist attraktiv, weil sie verspricht, tiefgreifende, interne Probleme der Debatten um den Konstitutivismus und den ethischen Naturalismus zu überwinden.

 

Yiwen Zhan, Normativity in Hegel’s Logic of the Concept

The aim of my doctoral project is to present a reading of Hegel’s Science of Logic, above all, the Logic of the Concept. The special significance of this part of Hegel’s Logic is that it yields a crucial understanding of the nature of the Logic itself. Furthermore, a successful reading of the Logic of the Concept is not only necessary for a proper grasp of Hegel’s own Logic, but also helpful for our reflection on contemporary understandings towards the nature of philo-sophical logic in general. In doing so, I try to provide a Hegelian argument for answering the perennial question about logic that causes much debate also within today’s philosophy: Where does the normativity of the logic come from? Or: In which sense is the logic normative? The difficulty of this kind of question is due to the ordinary contrast between ought and being, or mind and world, or subjectivity and objectivity. But it leads to desperate consequences if we always presuppose such contrast in comprehending the normativity of logic. To overcome this, I will examine through Hegel’s multiple discussions on logic and concept, especially his systematic representation and interpretation of the forms of judgment, syllogism, and objectivity, respectively; And finally, I will try to show that a Hegelian answer to the normativity problem lies in his idea of the self-determination of the concept, i.e., the idea that the norm must be constitutive of the conceptual judgment – the judgment that exhibits a spon-taneous and self-conscious achievement of knowledge, i.e., the knowledge of agents. In the end, I wish this argument could also shed some light on the distinction between theoretical and practical knowledge, the distinction that is only comprehensible after acquiring the idea of the self-determination of the concept.

Letzte Änderung: 10. Mai 2017