Drittmittelprojekte

Die anthropologische Differenz aus empirischer und begrifflicher Perspektive (SMWK-Projekt 2012-2014)

Projektleitung: Prof. Dr. Andrea Kern und Prof. Dr. Henrike Moll (MPI Leipzig/Assistant Professur, Dep. Psychologie, University of Southern California, Los Angeles)

Der Mensch ist ein Tier. Eine ehrwürdige Tradition geht jedoch davon aus, dass er nicht nur ein Tier ist; dass der Mensch sich also grundlegend von den anderen Tieren unterscheidet. Doch was macht diesen Unterschied aus? Liegt der Unterschied in einem bestimmten Merkmal? Dieses Merkmal kann nur in einer Fähigkeit bestehen, also in etwas, das Menschen können und die anderen Tiere nicht. Verschiedene Kandidaten sind vorgeschlagen worden: die Fähigkeit zur Sprache, zur Kooperation, zum Werkzeuggebrauch usw. Der Kandidat, der in der Tradition die meisten Anhänger gefunden hat, ist jedoch: die Vernunft. Diese Herangehensweise hat jedoch ein grundlegendes Problem. Egal, welcher Kandidat vorgeschlagen wird, es finden sich immer wieder Tierarten, die Verhaltensweisen an den Tag legen, die den Besitz von etwas nahelegen, das der betreffenden Fähigkeit sehr nahekommt. Was folgt daraus? Sollten wir die Idee eines tiefen Unterschiedes zwischen dem Menschen und den anderen Tieren aufgeben? Assimilationalisten ziehen diese Konsequenz. Sie glauben, dass sich der Mensch bestenfalls im Grad der Ausprägung bestimmter Fähigkeiten von den anderen Tieren unterscheidet, aber nicht grundlegend. Darauf besteht nun gerade (eine bestimmte Gruppe) derjenigen, die an der Idee eines tiefen Unterschieds festhalten. Diese Differentialisten verorten den grundlegenden Unterschied von Mensch und anderen Tieren in der bestimmten Weise, wie Menschen ihr Leben führen, nämlich geleitet von Gründen, aus Vernunft. Für diese Theoretiker stellt sich jedoch die Frage, wie genau diese besondere Fähigkeit der Vernunft zu den tierischen Fähigkeiten hinzutritt. Es ist wiederholt argumentiert worden, dass das mysteriös bleibt. Ein Ausweg bestünde darin, die Vernunft nicht als eine weitere Fähigkeit zu betrachten, die zu tierischen Fähigkeiten hinzutritt, sondern als die besondere Form, die tierische Fähigkeiten im Menschen annehmen. Die Differenz des Menschen gegenüber den anderen Tieren liegt dann in der Weise, wie die Fähigkeiten des Menschen eine Einheit bilden. Das unterscheidet sich beim Menschen grundlegend von der Art und Weise, wie tierische Fähigkeiten eine Einheit bilden. Die Arbeitshypothese des Projekts lautet daher, dass Vernunft keine weitere Fähigkeit ist, die beim Menschen dessen tierische Fähigkeiten ergänzt und die den anderen Tieren fehlt; sie ist vielmehr die Form, die menschliche Fähigkeiten im Gegensatz zu denen der anderen Tiere haben.

Wissenschaftliche Mitarbeiter

Dr. Christian Kietzmann
Telefon: +49 341 97-37056
Raum: H2 1.02
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Peter Wiersbinski
peterwiersbinski[at]googlemail.com
Telefon: +49 341 97-35803
Raum: H2 0.01
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Anna Flocke
anna.flocke[at]uni-leipzig.de
Telefon: +49 (0) 341 97-35834
Raum: H2 1.03
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Jonas Zahn
Telefon: +49 341 97-37056
Raum: H2 1.02
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Veranstaltungen

„From Animal Self to Human Self(Internat. Workshop – Plakat / Flyer)
19. – 21. September 2014 an der Universität Leipzig

„The Second Person“ (Internationaler Workshoph – Plakat / Flyer)
17.-19. Oktober 2013 an der Universität Leipzig

„The Human Animal“ (Internationaler Workshop – Plakat / Flyer)
19./20. Dezember 2012 an der Universität Leipzig

„Knowledge as Capacity“ (Philosophischer Workshop – Plakat / Flyer)
12./13. Oktober 2010 an der Universität Leipzig

 

Letzte Änderung: 20. April 2015