Forschungs- und Lehrbereiche

Politische Theorie

Der Bereich Politische Theorie wird am Institut in Forschung und Lehre in seiner ganzen Breite vertreten. Seine Gegenstände sind also einerseits die klassischen Texte der Geschichte des politischen Denkens (von Aristoteles über Baruch Spinoza und Max Weber bis Iris M. Young) und die grundlegenden Kategorien sozialwissenschaftlicher Reflexion (wie Macht, Staat, Recht, Gewalt, Demokratie oder Revolution); andererseits behandelt er die konkreten Phänomene und Prozesse (wie Exklusion, Entdemokratisierung, Repräsentation oder Normalisierung), zu deren Analyse und Kritik eine theoriegeleitete und zeitdiagnostisch orientierte Politikwissenschaft beitragen kann.
Die Methoden und Stichworte für solche Übungen in politischem Denken können aus einer Vielzahl von, nicht immer nur sozialwissenschaftlichen, Quellen kommen (wie der frühneuzeitlichen und modernen Politischen Philosophie, der Politischen Soziologie, dem Post-Marxismus, der Diskursanalyse, der Dekonstruktion oder der Politischen Anthropologie). Zwei Hauptinteressen, auch verbunden mit dem Forschungsprofilbereich „Contested Order“, sind das Nachzeichnen der sich verändernden, historischen und gegenwärtigen Formen und Praktiken von Staatlichkeit, Regierung und Demokratie und die Explikation der Bedingungen, unter denen sich (politische und soziale) Ordnungen konstituieren, umkämpft werden und auch wieder zerfallen. In allen Fällen geht es also um die einfache und ganz allgemeine Frage, wie Politik „gemacht“ wird.

Internationale Beziehungen

Der Lehrstuhl für Internationale Beziehungen (IB) wurde 1992 eingerichtet. Programmatisch geht der Lehrstuhl davon aus, dass sich im Zeitalter heutiger Globalisierung nicht nur die Überlebensfähigkeit, sondern auch eine gesteigerte Bedeutung der IB als Teilbereich der Politikwissenschaft ergibt. Weil staatliche Grenzen durchlässig geworden sind, transformieren sich IB zu Internationaler Politik (IP). Dabei wird IP nicht nur im zwischenstaatlichen und transnationalen Raum, sondern auch in nationalen Kontexten verhandelt. Sie ist ohne Zugrundelegung der Internationalen Politischen Ökonomie nicht erklärbar. Globalisierung legt IP nahe, nach „großen Theorien“ zu streben. Diese sind in ihrem Erklärungsanspruch so umfassend dimensioniert, dass sie über traditionelle IB-Theorien hinausgehen und sie mit anderen Theorien, etwa mit Transformations-, Friedens-, Konflikt- und Entwicklungstheorien, zusammenbinden. Zwischen den Metatheorien der IP – Rationalismus und Konstruktivismus – sind Brückenschläge genauso möglich wie zwischen Mikro-, Meso- und Makroanalysen. IP in Leipzig baut auf hohe area-Kompetenz, gleichgewichtige Verbindung von Empirie und Theorie und rigoros angewandte qualitative Methodik. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich die Forschungstätigkeit des Lehrstuhls auf politökonomische Analysen der IP, Friedens- Konflikt-, Gewalt-, Transformations- und Regionalismusforschung sowie das Lernen von Organisationen. Empirisch stehen der „globale Süden“ (hier insbesondere El Salvador, Kolumbien, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Costa Rica, Belize, Jamaica, Algerien und Indien), aber auch südosteuropäische Transformationsstaaten wie Bosnien-Herzegowina und Mazedonien im Fokus.

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Politisches System der Bundesrepublik Deutschland/Politik in Europa

Der Bereich Politisches System der Bundesrepublik Deutschland/Politik in Europa forscht zur Entstehung und Entwicklung politischer Institutionen (besonders Verfassungen), zu Parteien und zu Systemen. Das besondere Augenmerk gilt der Wechselbeziehung zwischen Institutionen und Akteuren. Dazu zählen das strategische Verhalten kollektiver Akteure innerhalb bestimmter institutioneller Konfigurationen, die Transformation politischer Systeme sowie Prozesse der Europäisierung. Empirische Schwerpunkte sind das politische System der Bundesrepublik Deutschland und die Bundesländer – darunter Sachsen – unter besonderer Berücksichtigung der Prozesse der deutschen Einheit und der europäischen Integration, die Mitgliedstaaten der Europäischen Union und speziell die ost- und ostmitteleuropäischen Staaten. Zudem vereint der Lehrbereich Expertise zu Parteien, zum deutschen Föderalismus und zum Bundesrat. Methodisch werden Einzelfallstudien, monochroner und diachroner Vergleich sowie Prozessanalysen durchgeführt, die sich je nach Fragestellung auf Dokumentenanalysen, Einzel- und Gruppeninterviews, quantitative Analysen sowie teilnehmende Beobachtung stützen. Ziel ist die Verbindung theoriegeleiteter empirischer Forschung und regionenbezogener Expertise.
Inhaltliche Schwerpunkte der vom Arbeitsbereich angebotenen Lehrveranstaltungen sind das politische System Deutschlands, Innenpolitik/Regierungslehre, Systemvergleich, Parlamente und Parteien, Politik in Europa, Europäisierung und Rechtspolitik.

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Multilevel Governance

Der Bereich Multilevel Governance befasst sich in Lehre und Forschung mit Governance im Nationalstaat und jenseits des Nationalstaats. Der Begriff der Governance bezieht sich – in Gegenüberstellung zum klassischen Regieren – nicht nur auf Akteure des politischen Systems, sondern umfasst eine Reihe anderer Akteure, wie Nichtregierungsorganisationen oder Expertengremien. Dies beinhaltet, dass neben Hierarchie auch andere Formen des Regierens betrachtet werden. Die Mehrebenenperspektive geht davon aus, dass die unterschiedlichen Arenen und Ebenen sich wechselseitig beeinflussen und auf vielfältige Weise miteinander in Beziehung stehen. Interessenkonstellationen unterscheiden sich je nach Arena und Ebene. Die Kompetenzen, Politik zu gestalten und Entscheidungen zu treffen, sind heute immer häufiger zwischen der nationalen und europäischen Ebene aufgeteilt und oft kommen noch die subnationale, internationale und globale Ebene hinzu. Damit eröffnet das Mehrebenensystem den an der Politikgestaltung beteiligten Akteuren je nach Politikfeld und untersuchtem Prozess zusätzliche Handlungsoptionen oder begrenzt diese.
Diese Besonderheiten der Multilevel Governance sind Ausgangspunkt einer theoriegeleiteten wissenschaftlichen Analyse. Dabei beschäftigen uns in Lehre und Forschung reale Probleme moderner Gesellschaften, die aus dem Zusammenwirken der unterschiedlichen Ebenen und Arenen entstehen. Ein besonderer Fokus liegt auf dem EU-Mehrebenensystem und der Sozial-, Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik. Analytisch-konzeptionell verwenden wir akteur- und strukturzentrierte Ansätze, die als allgemeiner Theorierahmen anschlussfähig für qualitative und quantitative Forschungen sind.

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Didaktik der Gemeinschaftskunde

Die Lehramtsstudiengänge in ihrem fachwissenschaftlichen Teil liegen in der Verantwortung aller Teilbereiche des Instituts für Politikwissenschaft. Für den Bereich Fachdidaktik gelten darüber hinaus spezifische Anforderungen, die sich aus der Schnittstelle zwischen Fachwissenschaft und Pädagogik ergeben. Hier werden den Studierenden zum einen Grundlagen der Didaktik der Gemeinschaftskunde vermittelt und sollen sie zum anderen dazu in die Lage versetzt werden, Inhalt und Funktion der Politischen Bildung und das Verhältnis von Schule und Gesellschaft (u.a. mit avancierten Ansätzen der zeitgenössischen Politischen Theorie) zu reflektieren.
Die fachdidaktische Ausbildung ist generell so konzipiert, dass die Studierenden solide fachwissenschaftliche Kenntnisse erwerben und die Verbindung von Theorie und Praxis durch die Einbeziehung studentischer Erfahrungen aus den schulpraktischen Übungen und Praktika zur Geltung kommt. Anknüpfend an Projekte aus den zurückliegenden Jahren (zur Antidiskriminierungspädagogik und Diskursanalyse zu Politikverdrossenheit) entstehen außerdem lehramtsbezogene Forschungskonzepte, die u.a. die Politikverständnisse von Lehrerinnen und Lehrern des Fachs Gemeinschaftskunde zum Gegenstand haben.

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Politische Kommunikation

Das Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft führt speziell für die am Institut für Politikwissenschaft angesiedelten Studiengänge jeweils im Sommersemester zwei Seminare zu Themen der politischen Kommunikation durch. Die Lehre umfasst auch die Betreuung von Abschlussarbeiten, die sich im Kontext der Lehrveranstaltungen ergeben. Politikwissenschaftsstudierende können darüber hinaus ein Wahlfach „Kommunikations- und Medienwissenschaft“ (30 LP) belegen, in dem Fragen der politischen Kommunikation unter verschiedenen Aspekten – z.B. aktuell in Vorlesungen „Politische Kommunikation“ und „Internationale Medienpolitik“ ‒ beleuchtet werden. Das Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft beteiligt sich außerdem an der Koordination der Lehre und der akademischen Selbstverwaltung am Institut für Politikwissenschaft. Als Schnittstelle wirkt die Professur Kommunikationsmanagement. Der Inhaber dieser Professur ist Ansprechpartner für Dozent/innen, Studierende, Studienbüro und Prüfungsausschuss des Instituts für Politikwissenschaft und soll gemeinsame Forschungsprojekte im Themenfeld zwischen beiden Instituten seitens des Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaft initiieren und koordinieren.

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Letzte Änderung: 4. April 2017