Geschichte

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Schon 1410 wurde an der Universität Leipzig die erste Vorlesung gehalten, die sich dem Thema Politik widmete. Seither hat die wissenschaftliche Beschäftigung mit Politik an der Universität Tradition. 1745 verwendete Georg Heinrich Zincke, Professor für Kameralwissenschaften an der Universität Leipzig, erstmals den Begriff „Staatswissenschaften“. Wissenschaftler in den Disziplinen Statistik, Geschichte, Soziologie, Nationalökonomie und Staatsrechtslehre erforschten politische Zusammenhänge und bemühten sich darum, Politik zu rationalisieren. Während der politischen Umbrüche im 19. Jahrhundert lehrte in Leipzig bereits eine ganze Reihe von Universitätsprofessoren zu wissenschaftlicher Politik. Ein eigenständiges Fach entstand jedoch erst spät.

Die 1907 in Leipzig gegründete Zeitschrift für Politik war ein wichtiger Katalysator für die Entwicklung der Politikwissenschaft. Aber auch politische Interessen förderten die Etablierung des Fachs. Dem Antrag des Dekans der Juristenfakultät Richard Schmidt auf Gründung eines Instituts für politische Auslandskunde folgte das sächsische Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts 1923. Anfang des 20. Jahrhunderts etablierte sich in Leipzig ein Netzwerk aus Wissenschaftlern, die die Idee einer sozialwissenschaftlichen Staatslehre entwickelten. Wichtig für diese Konzeption war insbesondere Hermann Heller, der als einer der Begründer der Politikwissenschaft in Deutschland gilt und diese Konzeption später unter anderem an der Deutschen Hochschule für Politik in Berlin überregional verbreitete.

Prägend für die Herausbildung der Politikwissenschaft als eigenständige Wissenschaftsdisziplin waren wechselnde politische Einflüsse von außen. Bereits früh hatte ein Zielkonflikt zwischen Anhängern einer emanzipierten Wissenschaft, die unabhängig beobachtet, und jenen, die eine praxisorientierte Nähe zur Politik suchten, die Entwicklung der Politikwissenschaft geprägt. Dieser Zielkonflikt blieb bestehen. Wissenschaftler und Studierende trugen selbst aktiv nicht nur zur Etablierung der Disziplin Politikwissenschaft, sondern auch zur Etablierung und dem Bestand unterschiedlicher politischer Systeme bei – ein Umstand, der zur kritischen Betrachtung der eigenen Rolle von Wissenschaft und Universität verpflichtet. Dies betrifft beispielsweise das Wirken Richard Schmidts an der Universität Leipzig, die Zeit des Nationalsozialismus und der DDR.

Das Institut für Politikwissenschaft der Universität Leipzig in seiner jetzigen Form wurde am 3. Dezember 1993 gegründet. Vorsitzender der Gründungskommission war Prof. Dr. Wolfgang Schluchter (Universität Heidelberg), den die Universität Leipzig 1993 mit der Caspar-Borner-Medaille ehrte.

Mehr zum Thema erfahren Sie u.a. in diesen Publikationen:
Dieter Koop, Politikwissenschaft, in: Ulrich von Hehl/Uwe John/Mandfred Rudersdorf: Geschichte der Universität Leipzig 1409-2009, Band 4, Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2010, S. 826-845.
Dieter Koop, Wissenschaft und Politikverständnis im Wissenschaftlichen Kommunismus, in: Michael Th. Greven und Dieter Koop (Hrsg.), War der Wissenschaftliche Kommunismus eine Wissenschaft? Vom Wissenschaftlichen Kommunismus zur Politikwissenschaft, Opladen: Leske und Budrich 1993, S. 35-48.

20jähriges Institutsjubiläum am 02.12.2013 (zur Seite)

Letzte Änderung: 20. September 2017