Arbeitsbereich Multilevel Governance

Die ehemalige Professurinhaberin Prof. Dr. Miriam Hartlapp hat die Universität Leipzig zum 1. April 2017 verlassen. Sie ist nun an der Freien Universität Berlin tätig. Die Professur wird durch Dr. Renate Reiter vertreten.

Team

Professurinhaber/in
N.N.

Professurvertretung
Dr. Renate Reiter

Wissenschaftliche Mitarbeiter/innen
Lisa Helene Anders
Wolfgang Günther

Ehemalige Mitarbeiter/innen
Prof. Dr. Miriam Hartlapp (Freie Universität Berlin)

Aktuelle Veranstaltungen

11.12.2017, 13.15 – 14.45 Uhr, NSG 420

Koch oder Kellner? Die Europäische Union in der Gesundheitspolitik

Zwar verfügt die EU im Feld der Gesundheitspolitik nur über sehr wenige eigene Kompetenzen, doch hat sie seit den 1990er Jahren über unterschiedliche Mechanismen zumeist indirekt Einfluss auf die nationalen Gesundheits-politiken erlangt. Dies betrifft z.B. die Anpassung nationaler Gesundheitspolitiken an den Kontext der ökonomischen Integration (Binnenmarkt) über Urteile des EuGH oder Anpassungen über den koordinativen Regulierungsmodus der Offenen Methode der Koordinierung (OMK). Wie funktionieren derartige Integrationsmechanismen in der Gesundheitspolitik? Und inwiefern wird insbesondere der Europäischen Kommission damit zum Akteur in den nationalen Gesundheitspolitiken? Darüber spricht und diskutiert Prof. Thomas Gerlinger, Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften.

10.01.2018, 17.15 – 18.45 Uhr, NSG 126

Die Kommunen in der Europäischen Union – das Beispiel der Stadt Leipzig

Welche Rolle spielen die Kommunen in der EU? Welche Rolle spielen sie für die EU? Und wie vertreten sie ihre Interessen in der Union? Dazu und zum Engagement der Stadt Leipzig im Eurocities-Verband spricht und diskutiert Dr. Heiderose Heßke, stellvertretende Referatsleiterin im Referat Internationales und Europa der Stadt Leipzig.

17.01.2018, 13.15 – 14.45 Uhr, NSG 420

Wie können wir Europäisierung der nationalen Gesetzgebung messen und vergleichen?

In welcher Bandbreite und in welchem Ausmaß wird nationale Gesetzgebung heute von europäischer Politik beeinflusst? Trifft der in der politischen und wissenschaftlichen Debatte nach wie vor weit verbreitete 80%-Mythos zu, demzufolge ca. 80 Prozent der Gesetzgebung in den EU-Mitgliedstaaten gemeinschaftlichen Ursprungs sind? Wie können wir die Europäisierung der nationalen Gesetzgebung messen und welche Möglichkeiten haben wir, den Einfluss europäischer Politik auf die nationale Gesetzgebung zu quantifizieren? Zu diesen Frage spricht Prof. Dr. Annette Elisabeth Töller (FernUniversität in Hagen).

Forschung

Der Bereich Multilevel Governance befasst sich mit Governance im Nationalstaat und jenseits des Nationalstaats. Der Begriff der Governance bezieht sich – in Gegenüberstellung zum klassischen Regieren – nicht nur auf Akteure des politischen Systems, sondern umfasst eine Reihe anderer Akteure, wie Nichtregierungsorganisationen oder Expertengremien. Dies beinhaltet, dass neben Hierarchie auch andere Formen des Regierens betrachtet werden. Die Mehrebenenperspektive geht davon aus, dass die unterschiedlichen Arenen und Ebenen sich wechselseitig beeinflussen und auf vielfältige Weise miteinander in Beziehung stehen. Interessenkonstellationen unterscheiden sich je nach Arena und Ebene. Die Kompetenzen, Politik zu gestalten und Entscheidungen zu treffen, sind heute immer häufiger zwischen der nationalen und europäischen Ebene aufgeteilt und oft kommen noch die subnationale, internationale und globale Ebene hinzu. Damit eröffnet das Mehrebenensystem den an der Politikgestaltung beteiligten Akteuren je nach Politikfeld und untersuchtem Prozess zusätzliche Handlungsoptionen oder begrenzt diese.
Diese Besonderheiten der Multilevel Governance sind Ausgangspunkt einer theoriegeleiteten wissenschaftlichen Analyse. Dabei beschäftigen uns reale Probleme moderner Gesellschaften, die aus dem Zusammenwirken der unterschiedlichen Ebenen und Arenen entstehen. Ein besonderer Fokus liegt auf dem EU-Mehrebenensystem und der Sozial-, Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik. Analytisch-konzeptionell verwenden wir akteur- und strukturzentrierte Ansätze, die als allgemeiner Theorierahmen anschlussfähig für qualitative und quantitative Forschungen sind.

Laufende Forschungsprojekte

Sicherstellung der Krankenversorgung in benachteiligten Räumen
DFG-ANR-Projekt; Laufzeit: 2015-2018; Leitung: Dr. Renate Reiter

Die Sicherstellung einer flächendeckenden und hochwertigen medizinischen Versorgung ist eine Kernaufgabe öffentlicher Daseinsvorsorge im entwickelten Wohlfahrtsstaat. In vielen europäischen Staaten wird seit geraumer Zeit auf eine Verschlechterung der Versorgungslage in benachteiligten Räumen hingewiesen. Die Gesundheitssysteme in Westeuropa stehen hier vor ähnlichen Herausforderungen (v.a. demographischer Wandel, epidemiologische Entwicklung, medizinisch-technischer Fortschritt, sozialer Wandel). Versorgungsprobleme werden in der nationalen Gesundheitspolitik jedoch unterschiedlich thematisiert und bearbeitet. Das vergleichende Forschungsprojekt untersucht für den Zeitraum seit 2000 bis heute, welche politischen Strategien ausgewählte westeuropäische Wohlfahrtsstaaten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweden) mit einem jeweils typischen institutionellen Rahmen (zentralistisch – dezentral; Krankenversicherungssysteme – Nationale Gesudheitsdienste) zur Bewältigung der hier definierten Probleme entwickelt haben und wie diese Policies auf der nationalen und regionalen Ebene umgesetzt werden.

Das Forschungsinteresse richtet sich zum einen auf die Analyse und Erklärung der jeweiligen nationalen Zieldefinition und Instrumentenwahl. Hier wird eine Typologie der Problemwahrnehmung und Politikformulierung zu dem Versorgungsproblem erarbeitet. Außerdem werden kausale Wirkungszusammenhänge zwischen Merkmalen der nationalen Gesundheitssysteme, Muster der Präferenzbildung nationaler Schlüsselakteure im Gesundheitswesen und der politischen Strategieauswahl überprüft. Darüber hinaus wird erforscht, ob ein Wandel der Gesundheitssysteme erkennbar wird, etwa durch Herausbildung neuer regulativer und institutioneller Strukturen (Hybridisierung), oder ob die Problemlösung im gewachsenen regulativ-institutionellen Rahmen verbleibt (Pfadabhängigkeit). Die Untersuchung beruht methodisch auf der qualitativen Inhaltsanalyse von Dokumenten sowie auf Experteninterviews. Die Analyse von Strategien auf der nationalen Ebene wird um regionale Fallstudien ergänzt. Neben dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn verspricht das Projekt politisch-praktischen Nutzen durch das Ausloten der Chancen eines zwischenstaatlichen Politiktransfers (Policy-Learning).

Weitere Informationen finden Sie auf der Projekt-Website

Varianten des sozialen Regulierungsstaates. Regulierung sozialer Dienstleistungsmärkte und wohlfahrtsstaatlicher Wandel in Deutschland und Frankreich

Habilitationsprojekt von Renate Reiter

Schon seit Ende der 1980er Jahre bildet der Rückzug des Staates aus der direkten Erbringung von öffentlichen Daseinsvorsorgeaufgaben einen innerhalb der OECD verbreiteten Reformtrend (Vickers/Wright 1989; Schmitt 2014; Dahme/Wohlfahrt 2015). In diesem Zusammenhang sind die Errichtung von entsprechenden Märkten, z.B. für Energieversorgung oder für Post- oder Telekommunikationsdienstleistungen, und deren Regulierung durch den Staat seit den 1990er Jahren mehrfach zum Gegenstand der vergleichenden politik-, verwaltungs- und sozialwissenschaftlichen Forschung geworden. Demgegenüber stand der Bereich der sozialen Daseinsvorsorge bislang kaum im Fokus des Interesses der vergleichenden Staatstätigkeits- und Wohlfahrtsstaatforschung. Indes handelt es sich um einen besonders interessanten Bereich, denn hier befindet sich der Staat – im Gegensatz zur Situation bei mancher Funktion der technischen Daseinsvorsorge (z.B. Energie) – nach wie vor auf dem Rückzug aus der eigenständigen Aufgabenerbringung (Klenk/Reiter 2012; vgl. auch: Klenk/Pavolini 2015). Dabei spielt im Bereich der Sozialdienstleistungen vielfach nach wie vor die Familie eine zentrale Rolle, oder der Staat überträgt entsprechende Aufgaben (z.B. medizinische Versorgung, Altenpflege, Kinderbetreuung, soziale Beratung) an dritte, d.h. freigemeinnützige oder privat-kommerzielle Akteure. Im Zuge entsprechender Policy-Reformen definiert er die ‚Spielregeln‘ insbesondere für die nicht-staatlichen und außer-familiären Leistungserbringer vielerorts neu und legt häufig marktliche Prinzipien als Grundlage für die Erbringung von Leistungen fest (Bode 2010a, 2010b; Klenk/Reiter 2012). Verbunden mit der Privatisierung des öffentlichen Sozialsektors ist mithin ein Formenwandel des Wohlfahrtsstaates in der Regulierung seiner Aufgaben. Die Untersuchung geht von dieser Beobachtung aus und wendet sich in vergleichender Perspektive mit speziellem Blick auf Deutschland und Frankreich sowie auf die beiden sozialen Dienstleistungssektoren der Krankenhausversorgung und Altenpflege den folgenden Fragen zu:

  1. Wie stellt sich der Formenwandel des Wohlfahrtsstaates im Bereich soziale Dienstleistungen in den beiden Untersuchungsländern seit Beginn der 1990er Jahre konkret dar?
  2. Wie hat sich speziell die Regulierung sozialer Dienstleistungsmärkte (Krankenhausmarkt, Pflegemarkt) durch den Staat in Deutschland und Frankreich seit Beginn der 1990er Jahre entwickelt?
  3. Was erklärt nationale und sektorale Spezifika der Regulierungsentwicklung oder nationale und sektorale Regulierungsvarianten?
  4. Was erklärt intersektorale Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Ländervergleich?
  5. Welche Konsequenzen sind mit dem Regulierungswandel für die Entwicklung des Wohlfahrtsstaates in beiden Ländern verbunden?

Die Involvierung des Staates in den Arbeitsbeziehungen anhand der Allgemeinverbindlicherklärung von Tarifverträgen
Dissertationsvorhaben von Wolfgang Günther

Im internationalen Vergleich sind zwei Wege zu einer hohen Tarifbindung feststellbar: Länder mit einem hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad und Ländern, in denen der Staat Tarifverträge durch eine Allgemeinverbindlicherklärung (AVE) ausweitet, verfügen über einen stabilen und hohen tariflichen Abdeckungsgrad (Traxler et al 2001). Anders als die Bedingungen starker Gewerkschaftsorganisation ist die Institution der AVE bis auf rechtliche Diskussionen und Überblicksdarstellungen noch gering erforscht. Dieses Projekt will über eine funktionalistische Erklärung der Bedeutung der AVE hinausgehen und aus einer historisch-institutionalistischen Perspektive die Interessenkonflikte von Staat, Gewerkschaften und Arbeitgebern bei der Entstehung und dem Wandel dieser Institution untersuchen. Die Annahmen sollen mit vergleichenden Fallstudien und Prozessanalyse überprüft werden. Damit knüpft das Projekt an Literatur um die Rolle des Staates in Kapitalismusmodellen, zu Forschungen zu Machtressourcen und Arbeitgeberinteressen sowie zu Entstehung und Wandel von Institutionen an.

Lehre

Der Lehrbereich bietet Vorlesungen und Seminare v.a. zu den Themen Regieren in Mehrebenensystemen, Politikfeldanalyse und Europa an. Diese sind elementar für die Studiengänge B.A. Politikwissenschaft, M.A. Politikwissenschaft, M.A. European Integration in East Central Europe sowie die Lehramtsstudiengänge Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung/Wirtschaft für Mittelschule bzw. Gymnasium. Außerdem leistet der Lehrbereich Lehrexporte in dne Studiengang M.A. European Studies.

Wintersemester 2017/18

BA Politikwissenschaft Modul ‚Europäisierung und Transformation‘

Dr. Renate Reiter: Mi, 17-19 Uhr Vorlesung „Politik in Europa“, NSG 126

Dr. Renate Reiter: Mo, 15-17 Uhr Seminar „Policy-Making im EU-Mehrebenensystem“, NSG 213

Wolfgang Günther: Einzeltermine Seminar „Europäische Sozialpolitik“, GWZ 4116

BA Politikwissenschaft ‚Methodenmodul‘

Lisa Anders, M.A.: Do, 11-13 Uhr Seminar „Forschungsdesign in der Politikwissenschaft“, NSG 427

MA Politikwissenschaft Modul ‚Organisation der Macht‘, zugleich MA European Integration in East Central Europe Modul ‚Regieren im Mehrebenensystem‘

Dr. Renate Reiter: M0, 11-13 Uhr Kolloquium/Seminar „Interessenvermittlung in der EU”, NSG 126

MA Politikwissenschaft Modul ‚Konstitution der Macht‘, zugleich MA European Integration in East Central Europe Modul ‚Probleme und Praktiken der europäischen Wirtschaftspolitik

Dr. Renate Reiter: Mi, 11-13 Uhr Seminar „Europäische Wirtschaftspolitik und politische Ökonomie der europäischen Integration“, NSG 428

MA Politikwissenschaft ‚Methodenmodul‘

Lisa Anders, M.A.: Do 17-19 Uhr Kolloquium „Europäische Öffentlichkeit und die Politisierung der EU“, NSG 102

MA European Integration in East Central Europe Modul ‚Politische Prozesse in Europa‘

Lisa Anders, M.A./Dr. Martin Ahbe: Einzeltermine (Brüssel-Exkursion) Seminar „Die europäische Integration in der Praxis“

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Letzte Änderung: 3. November 2017