M.A. Birgit Kolboske

Doktorandin

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Bereich: Vergleichende Kultur- und Gesellschaftsgeschichte des modernen Europa

Zur Person

seit 2014
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprogramm zu Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft | http://gmpg.mpiwg-berlin.mpg.de/de/mitarbeiterinnen/wissenschaftliche-mitarbeiterinnen/birgit-kolboske |https://www.mpiwg-berlin.mpg.de/de/users/kolboske
2011–2014
Koordination der Vorbereitungsphase des Forschungsprogramms »Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft (1948–2002)»
seit 2002
Allgemein beeidigte Dolmetscherin/ Übersetzerin für die Berliner Gerichte und Notare
Arbeit als freie Übersetzerin & Lektorin: u.a. Editionsprojekt »Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945«, Max-Planck-Gesellschaft, Heinrich-Böll-Stiftung, DFG, Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie verschiedene Film-Untertitelungen; NTM. Zeitschrift für Geschichte der Wissenschaften, Technik und Medizin.
1996–1997
Technische Universität Berlin: Aufbaustudium Semiotik
1988–1995
Freie Universität Berlin: Lateinamerikanistik, Linguistik und Politologie
September 1995: M.A. in Lateinamerikanistik und Linguistik

Forschungsinteressen

Geschlechtergeschichte, Feminismus, Kulturgeschichte (insbesondere Lateinamerikas), Wissen-schaftsgeschichte, Nationalsozialismus und Antisemitismusforschung

Mitgliedschaften

Mitglied im Arbeitskreis Historische Frauen- und Geschlechterforschung (AKHFG)
Mitglied im Bund deutscher Übersetzerinnen
Mitglied im Verband Freier Lektorinnen und Lektoren

Promotionsprojekt

Harnack-Prinzip in Gender Trouble?
Frauen und Gleichstellung in der Max-Planck-Gesellschaft, 1948–1998

Exemplarisch für das stark von Hierarchien und daraus resultierenden Abhängigkeitsverhältnissen geprägte deutsche Wissenschaftssystem steht eine der erfolgreichsten deutschen Forschungsorga-nisationen: die Max-Planck-Gesellschaft (MPG). Sie steht im Zentrum des Dissertationsvorha-bens, in dem ich ihren soziokulturellen und strukturellen Wandlungsprozess unter dem Genderaspekt in den ersten fünfzig Jahren ihres Bestehens (1948–1998) analysiere.
Dabei werden die vorherrschenden Geschlechterverhältnisse und hierauf bezogene Karrierever-läufe ebenso untersucht wie die langwierigen Transformationsprozesse weg von in der Regel in-transparenten Wirkungszusammenhängen informeller Netzwerke hin zu einer modernen und an Gleichstellungspolitik orientierten Forschungsinstitution. Das Bedingungsgefüge der Max-Planck-Gesellschaft wird dabei zeitgeschichtlich kontextualisiert, das doing gender kultur- und wissen-schaftshistorisch auf zwei Gebieten untersucht: dem Bereich, zu dem lange Zeit nur sehr wenige Frauen Zugang hatten: der Wissenschaft; und jenem, in dem die meisten von ihnen die meiste Zeit gearbeitet haben: im Büro.
Wenn sich – wie im Fall der Sekretärin – die Genderstruktur eines Berufsfeldes umkehrt, wird landläufig davon ausgegangen, dass die Arbeit einfacher geworden ist. Seit dem späten 19. Jahr-hundert wird Büroarbeit als Frauenarbeit betrachtet: Schreibmaschinen und Automatisierung hat-ten ihre Feminisierung und damit verbundenen Prestigeverlust zur Folge. (Das gegenläufige Bei-spiel dazu sind die »Rechnerinnen« aus denen »Operator« wurden). Über weite Teile des Untersu-chungszeitraums hinweg sind die Arbeitswelten in der MPG klar gendersegregiert gewesen:
Männer forschen und Frauen unterstützen sie dabei — vor allem als Sekretärinnen. Ein Ziel mei-ner Untersuchung ist, die radikale Transformationen dieses Berufsbilds von »wissenschaftsunter-stützend« zur »Wissenschaftsmanagerin« darzulegen.
Wissenschaftliche Karrieren werden in der Max-Planck-Gesellschaft durch das »Harnack-Prinzip« geregelt, dem Strukturprinzip der persönlichkeitszentrierten Forschung. Insofern liegt ein Fokus der Untersuchung auf den gleichstellungspolitischen Aushandlungsprozessen, die Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre dazu beigetragen haben, die tradierte Geschlechterordnung der MPG aufzubrechen und so schlussendlich zu einem Kulturwandel geführt haben: Die Erkenntnis, dass die »besten Köpfe« durchaus auch auf den Schultern von Frauen sitzen können.

Betreuerin: Prof. Dr. Maren Möhring

Publikationen (Auswahl)

Herausgegeben

  • zusammen mit Ulla Weber (Hg.): 50 Jahre später—50 Jahre weiter? Kämpfe und Errungenschaften der Frauenbewegung nach 1968. Eine Bilanz. München 2019
  • zusammen mit Axel C. Hüntelmann, Ina Heumann, Susanne Heim, Regina Fritz und Roman Bir-ke (Hg.): Wissen, Macht, Geschlecht. Ein ABC der transnationalen Zeitgeschichte. Berlin: Edition Open Access 2016.
  • zusammen mit Jürgen Renn und Dieter Hoffman: »Dem Anwenden muss das Erkennen vorausgehen«. Auf dem Weg zu einer Geschichte der Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Gesellschaft. Berlin: Edition Open Ac-cess 2015.

Monographie

  • Guerillaliteratur – Genre und Gender. Über Gattung und Geschlechterverhältnis in der Literatur des lateiname-rikanischen Widerstandes. Berlin: epubli 2015 [1995].

Aufsätze

  • zusammen mit Jürgen Renn, Florian Schmaltz, Alexander von Schwerin und Sascha Topp: “Die Anfänge eines Forschungsriesen. Damals. Das Magazin für Geschichte 2 (2018), 10–13.
  • »G. Gleichstellung.« In: Birgit Kolboske, Axel C. Hüntelmann, Ina Heumann, Susanne Heim, Regina Fritz und Roman Birke (Hg.): Wissen Macht Geschlecht. Ein ABC der transnationalen Zeitge-schichte. Berlin: Edition Open Access 2016, 33–40.
  • zusammen mit Jürgen Renn und Horst Kant: »Stationen der Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Gesellschaft.« In: Dieter Hoffmann, Birgit Kolboske und Jürgen Renn (Hg.): »Dem Anwenden muss das Erkennen vorausgehen«. Auf dem Weg zu einer Geschichte der Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Gesellschaft. Berlin: Edition Open Access 2015 [2014], 5–120.
Letzte Änderung: 24. April 2020