M.A. Christoph Honold

Doktorand

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Bereich:Kulturphilosophie/Kulturtheorie

Zur Person

Seit 2020 Stipendiat bei der Studienstiftung des deutschen Volkes
Seit 2019 Doktorand bei Prof. Dr. Dirk Quadflieg, Lehrstuhl für Kulturphilosophie am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig
2017 Master of Arts in Kulturwissenschaften mit einer Abschlussarbeit zu den „Möglichkeiten der politischen Begehrensartikulation nach Laclau und Lacan“
2015-2019 Studium der Kulturwissenschaften (M.A.) und Germanistik (B.A.) an der Universität Leipzig
2011-2015 Studium der Vergleichenden Kulturwissenschaft, Philosophie und Betriebswirtschaft (B.A.) an der Universität Regensburg und der Jagiellonen-Universität Krakau

Forschungsinteressen

Sozial- und Rechtsphilosophie, Politische Theorie, Ästhetik, Psychoanalyse, Handlungstheorie
Philosophiehistorische Schwerpunkte: Deutscher Idealismus, Marxismus, Kritische Theorie und die französische Philosophie des 20. Jahrhunderts.

Promotionsprojekt

Das lebendige Maß. Arbeitskraft als Form praktischer Normativität

Das Promotionsprojekt übernimmt zunächst die Ausgangsthese, dass sich unsere Gesellschaft als funktional ausdifferenzierte Gesellschaft der bürgerlichen Moderne verstehen lässt, deren soziales Integrations- und Organisationsprinzip durch Arbeitsteilung zum Ausdruck kommt.
In der Arbeitsteilung manifestiert sich in dem Maß, wie an die Stelle der Abhängigkeit des Menschen zur Natur eine „freie“ Abhängigkeit der produzierenden Gesellschaftsmitglieder untereinander tritt, mit Hegel gesprochen eine „zweite Natur“, in der die Bedingungen der Möglichkeit individueller Selbstbestimmung irreduzibel mit den Bedingungen der gesellschaftlichen Reproduktion verschränkt liegen. Das Forschungsprojekt will zeigen, dass das klassische liberale Versprechen, wonach die Gesellschaftsmitglieder durch ihre Teilnahme am „System der Bedürfnisse“ (Hegel) sich als praktisch selbstwirksame Subjekte anerkannt erfahren, ein normatives Selbstverständnis der bürgerlichen Gesellschaft impliziert, welches sich auch heute unter postfordistischen Bedingungen als unabgegolten erweist.
Damit bringt das Forschungsprojekt sich in Opposition zu den jüngeren Vertretern kritischer Gesellschaftstheorie nach Jürgen Habermas, für die die normativen Bindungskräfte des gesellschaftlichen Zusammenlebens heute nur noch im Rückzug auf die Sphäre einer kommunikativen Vernunft („Raum der Gründe“) zu finden sind, die auf dem „normfreien“ (Habermas) Stoffwechsel der Gesellschaft mit der Natur aufsitzt.
Diese Beweislast nutzt das Projekt, um entlang des Begriffs des Lebens in den Schriften Kants, Fichtes und Hegels zu entfalten, inwiefern geistige Selbstbestimmung und natürliche Selbsterhaltung ihren theoretischen Konnex im Begriff der Arbeitskraft haben, der die Form der normsuspendierenden und -setzenden Reflexivität des gesellschaftlichen Lebensvollzugs explizit macht.
Jenseits ökonomistischer Vereinfachung und sozialromantischer Arbeitsontologie wird in kritischer Aneignung Marx‘ begründet, dass sich die „Verselbständigung des ökonomischen Systems“ (Habermas) und die dementsprechende Entpotenzierung der transformativen Kraft der Arbeit nicht etwa von oben, aus der Außenperspektive auf die gesellschaftliche Reproduktion, sondern nur immanent aus dem historischen Selbstwiderspruch der Arbeit angemessen problematisieren lässt, mit dem auch das normative Selbstverständnis der bürgerlichen Moderne widersprüchlich geworden ist. Damit wird das Problem der Freiheit als eine historische Krise der Gesellschaft sichtbar und adressierbar.

Betreuer: Prof. Dr. Dirk Quadflieg

 

 

Letzte Änderung: 31. Juli 2020