Wissenschaftstheorie und Logik

Themenlisten im SS 2013 (von Prof. Dr. Thomas Bartelborth)

 

Modul: Rationales Argumentieren
Vorlesung: Rationales Argumentieren (Wissenschaftstheorie I) (Mi. 11.15-12.45; Raum HSG HS 9)
Die Vorlesung bietet eine Einführung in die moderne Wissenschaftsphilosophie, in der mit den Hilfsmitteln der Logik die Ziele und Verfahren der Wissenschaften untersucht werden. Ausgehend von einer Analyse der Argumentationen und Begründungen im Alltag sollen vor allem die Begründungsverfahren für wissenschaftliche Theorien im Zentrum der Vorlesung stehen. Dabei kommen unter anderem auch die folgenden Themen zur Sprache: Wie gelangen wir zu unseren Begriffen? Wie zu unseren Daten? Welche speziellen Probleme der Begriffsbildung gibt es in den Sozialwissenschaften? Wann bestätigen Daten eine Theorie und in welchem Ausmaß? Was zeichnet eine gute wissenschaftliche Erklärung aus? Was sind Theorien, welche innere Struktur weisen sie auf, und wie können Sie sich entwickeln? Welche Bedeutung haben theoretische Terme? Können wissenschaftliche Theorien unter bestimmten Umständen bewiesen oder falsifiziert werden? Wann dürfen wir auf eine Kausalbeziehung schließen? Gibt es eine Konkurrenz zwischen Verstehen und Erklären?

(Zu der Veranstaltung gibt es einen Moodle2-Kurs: hier. Einschreibung in den Kurs erfolgt mit einem Passwort, das in der Vorlesung bekanntgegeben wird.)
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Übung: Rationales Argumentieren (Mo. 15.15-16.45 Uhr; SG S 425)
Anhand von vorgegebenen Texten und Aufgaben werden die Themen aus den beiden Vorlesungen (Logik + Wissenschaftstheorie) eingeübt und weiter vertieft.

(Zu der Veranstaltung gibt es einen Moodle2-Kurs: hier. Einschreibung in den Kurs erfolgt mit einem Passwort, das in der Vorlesung bekanntgegeben wird.)
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HS Die Logik rationalen Entscheidens
(im Modul Darstellungsformen der Logik) (Mo. 11-13 Uhr, Raum GWZ 5015)
(im Modul: Darstellungs- und Anwendungsformen der Logik)

Die Fragen danach, was unter „Rationalität“ zu verstehen ist und inwieweit rationales und moralisches Verhalten übereinstimmen bzw. differieren, sind klassische Fragen der Philosophie. Die rationale Entscheidungstheorie und die Spieltheorie formulieren dazu spezielle präzise Antworten, die  auch deskriptiv gewendet als Erklärungsansätze in praktisch allen Sozialwissenschaften zur Analyse einzelner Entscheidungen, aber auch sozialen Handelns zum Einsatz kommen. Die Erklärungskraft dieser Ansätze wird in neuerer Zeit durch unterschiedliche Weiterentwicklungen der Ansätze auf der Grundlage experimenteller Resultate gestärkt. Trotzdem müssen wir immer wieder die wissenschaftstheoretische Frage aufwerfen, wie weit uns diese Ansätze tragen und ob die normative Konzeption von Rationalität tatsächlich überzeugen kann, die in den Ansätzen verfolgt wird. Weiterhin werden die Verbindungen zum Bayesianismus untersucht, der in der gegenwärtigen Erkenntnistheorie und Wissenschaftstheorie eine zentrale Rolle einnimmt.

 

Themenliste
1. Grundkonzepte der Entscheidungstheorie (Nida-Rümelin/Schmidt Kap. 1; Resnik Kap. 1)
2. Nutzen und Wahrscheinlichkeit (Nida-Rümelin/Schmidt Kap. 2; Resnik Kap. 3 + 4.1-4.3)
3. Probleme des Nutzenbegriffs (Nida-Rümelin/Schmidt Kap. 3; Resnik Kap. 4.4)
4. Entscheidungen unter Unwissenheit ( Resnik Kap. 2; Nida-Rümelin/Schmidt Kap. 4; Diekmann 69-89)
5. Einführung in die Spieltheorie mit Beispielen in Normalform (Diekmann S. 9-44)
6. Strategien, Teilspielperfektheit und soziale Normen (Diekmann S. 46-68)
7. Nullsummenspiele und gemischte Strategien (Diekmann 90-104)
8. Soziale Dilemmata und Paradoxien (Diekmann 105-133)
9. Wie entsteht soziale Ordnung? (Diekmann 134-166)
10. Evolutionäre Spieltheorie (Diekmann 167-178)
11. Spiele mit unvollständiger Information (Diekmann 179-199)
12. Die experimentelle Spieltheorie (Diekmann 200-227)

 

Literatur:
Diekmann, Andreas, 2009, Spieltheorie. Einführung, Beispiele, Experimente, Rowohlt.
Nida-Rümelin, J./ Schmidt, T., 2000, Rationalität in der praktischen Philosophie, Akademie Verlag.
Resnik, M. D., 1987, Choices. An Introduction to Decision Theory, Minneapolis.
Rieck, Christian, 2006, Spieltheorie, Christian Riek Verlag.
Elster, Jon, 1993, Some unresolved problems in the theory of rational behaviour, Acta Sociologica 36 (3): 179-190.
Riechmann, T., 20072, Spieltheorie, Vahlen.
Binmore, Ken, Game Theory. A Very Short Introduction, Oxford UP 2007.
Holler, M.J./Illing, G., 2006, Einführung in die Spieltheorie, Springer Verlag.
Dixit, A., and Nalebuff, B. (1991). Thinking Strategically. New York: Norton.
(auf deutsch: Spieltheorie für Einsteiger)
Ross, D., 2006, Game Theory, SEP.
Luce, R.D./Raiffa, H., 1985, Games and Decisions, Dover.
Gintis, Herbert, 2000. Game Theory Evolving. Princeton, NJ: Princeton University Press.
Gintis, Herbert, 2009, The Bounds of Reason: Game Theory and the Uni?cation of the Behavioral Sciences. Princeton University Press.
Gintis, Herbert, 2007, A framework for the unification of the behavioral science, BEHAVIORAL AND BRAIN SCIENCES (2007) 30,1–61.
Spohn, W., 1978, Grundlagen der Entscheidungstheorie, München.
Wiese, H., 2002, Entscheidungs- und Spieltheorie. Springer-Verlag.
Colin F. Camerer, Behavioural studies of strategic thinking in games, in: TRENDS in Cognitive Sciences Vol.7 No.5 May 2003, 225-231.
Amos Tversky/Daniel Kahneman, Judgment under Uncertainty: Heuristics and Biases Science, New Series, Vol. 185, No. 4157. (Sep. 27, 1974), pp. 1124-1131.
Woodward, James, 2009, Why Do People Cooperate as Much as They Do?, in: Chrisosotomos Mantzavinos (ed.), Philosophy of the Social Sciences. Philosophical Theory and Scientific Practice, Cambridge UP.

 

 



HS Wissenschaftliche Erklärungen, Do. 15.45-16.45 Uhr (GWZ 2115)

(im Modul Probleme der philosophischen Logik 2)

Das wichtigste Ziel der empirischen wissenschaftlichen Forschung ist das Erklären möglichst vieler Phänomene. Auf diese Weise versuchen wir zu verstehen, wie es zu Krankheiten kommt oder zu Arbeitslosigkeit oder vielen anderen Dingen. Das Erklären ist meist eine wichtige Voraussetzung, um dann auch Eingreifen zu können in das Geschehen, z.B. um Krankheiten zu verhindern oder zu heilen. Wie gut die Erklärungen mit Hilfe einer Theorie sind, entscheidet zudem mit darüber, ob wir die Theorien akzeptieren sollten. Deshalb haben Wissenschaftstheoretiker versucht zu bestimmen, was eine möglichst gute Erklärung ausmacht. Die logischen Empiristen hofften noch, das im wesentlichen mit den Mitteln der Logik auf der rein sprachlichen Ebene angeben zu können. Doch das hat sich zunehmend als Fehlschlag erwiesen. Deshalb sind inzwischen wieder die metaphysischen Aspekte des Erklärens stärker in den Vordergrund gerückt. Man erklärt Ereignisse anhand ihrer Ursachen und führt sie auf das Wirken ganz bestimmter dispositionaler Eigenschaften zurück. Diesen neuen Entwicklungen ist das Seminar gewidmet. Außerdem soll es darum gehen, Kriterien für die Erklärungsstärke zu formulieren. Dabei sind empiristische Konzeptionen der Vereinheitlichungskraft durch erklärende Theorien hilfreich.

Literatur zur Vorbereitung: J. Woodward, Scientific Explanation, Stanford Encyclopedia of Philosphy (frei herunterzuladen)

 

Themenliste:

1.              Die Bedeutung des Erklärens (Bartelborth 2007 Kap. I; 1996 Kap.I.A)

2.              Die DN-Konzeption des Erklärens (Bartelborth 2007 Kap. II.1-II.7; Woodward 2003 Kap. 2)

3.              Die Pragmatik des Erklärens (Bartelborth 2007 Kap. II.8; Bird 2005)

4.              Naturgesetze (Bartelborth 2007 Kap. III.1/3/5; Woodward/Hitchcock 2003: Carroll, J.W., 2003, Laws of Nature, SEP.)

5.              Dispositionen (Bartelborth 2007 Kap. III.2/6; Fara, M., 2006, Dispositions, SEP)

6.              Propensitäten und statistische Erklärungen (Bartelborth 2007 Kap. III. 4-7; Woodward 2003, Kap. 3; Strevens 2000)

7.              Kausale Erklärungen (Bartelborth 2007 Kap. IV. und 2012; Schaffer 2003)

8.              Erklären anhand von Mechanismen (Phyllis McKay Illari and Jon Williamson (2012), Elster 1998)

9.              Erklären in den Sozialwissenschaften (Bartelborth 2007 Kap. V.; Little 1993; Elster 1998)

10.              Vereinheitlichendes Erklären (Bartelborth 2007 Kap. VI. und Bartelborth 2008; Strevens 2004)

 

Literatur:

Bartelborth, Thomas, 2002: Explanatory Unification, in: Synthese 130: 91-207.

Bartelborth, T., 2007, Erklären, de Gruyter.

Bartelborth, Thomas, 2008, Dimensionen der Erklärungsstärke in modernen Erklärungstheorien,
in: Philosophia Naturalis Bd. 45, Heft 2, 139-166.

Bartelborth, Thomas, 2012, Die erkenntnistheoretischen Grundlagen induktiven Schließens, E-Book 2012, URN=http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:15-qucosa-84565.

Bird, A., 2005, Explanation and Metaphysics, Synthese 143, 89-107. (s. seine Homepage)

Carroll, J.W., 2003, Laws of Nature, SEP.

Elster, J. (1998), A plea for mechanisms, ch. 3 (pp. 45-73) in Peter Hedstrøm and

Richard Swedberg (eds.) Social Mechanisms: An Analytical Approach to Social Theory.

Cambridge: Cambridge University Press. (im Netz zu finden)

Fara, M., 2006, Dispositions, SEP.

Halpern, Joseph Y. /Pearl, Judea, 2005: „Causes and Explanations: A Structural-Model Approach. Part I: Causes & Part II: Explanations, in: British Journal for the Philosophy of Science 56 (4), I: 843-887 & II: 889-911.

Hitchcock, Christopher/Woodward, James, 2003: Explanatory Generalizations, Part 2: Plumbing Explanatory Depth, in: Nous 37: 181-99.

Little, D., 1993, On the Scope and Limits of Generalizations in the Social Sciences, Synthese 97. (auch auf der Homepage von Little zu finden)

Schaffer, J., 2003, Causation, the metaphysics of, SEP.

Strevens, M., 2000, Do Large Probabilities Explain Better? Philosophy of Science 67, 366–90. (s. seine Homepage)

Strevens, M., 2004, The Causal and Unification Accounts of Explanation Unified – Causally. Noûs 38, 154–179. (s. seine Homepage)

Phyllis McKay Illari and Jon Williamson (2012): What is a mechanism: thinking about mechanisms across the sciences, European Journal for Philosophy of Science 2:119-135, 2012. (s. Homepage von Jon Williamson)

Woodward, J., 2003, Scientific Explanation, SEP: Stanford Encyclopedia of Philosphy.

Woodward, J., and C. Hitchcock. 2003. “Explanatory Generalizations, Part 1: A Counterfactual Account” Nous 37: 1-24.

Artikel von SEP: Stanford Encyclopedia of Philosphy sind frei herunter zu laden!

 

 

 


Modul: Wissenschaftliches Arbeiten (Do. 13-15 Uhr, Raum GWZ 2.1.16)
(zusammen mit Peter Steinacker und Ingolf Max)

Einzelne Themen und Termine werden noch bekanntgegeben.

 

Letzte Änderung: 1. Oktober 2019