Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten

Wie erkenne ich (politik)wissenschaftliches Arbeiten?

Das wissenschaftliche Arbeiten kumuliert zwar in der persönlichen Ausarbeitung eines Themas, aber ist keine Darstellung der eigenen Meinung als solche. Es geht beim wiss. Arbeiten darum, sich Wissen anzueignen, Literatur zu ausgesuchten Themen zu bearbeiten, Zusammenhänge und Vergleiche herzustellen. Dabei sollte man sich einigen Grundsätzen verpflichtet fühlen, die Voraussetzungen für wissenschaftliche Arbeit sind.
Es gelten folgende Prinzipien:

  • Nachprüfbarkeit und Wahrhaftigkeit: Bei der Arbeit mit Quellen und Sekundärliteratur muss unbedingt belegt werden, woher die übernommenen Gedanken, Argumente und Aussagen stammen. Alles andere ist geistiger Diebstahl. Vorsicht beim Zitieren!
  • Vollständigkeit: Auch wenn Gelesenes dem erhofften Ergebnis widerspricht, ist es nicht wissenschaftlich diese Widersprüche nicht aufzuzeigen.

  • Übersichtlichkeit: Es ist Ziel wissenschaftlichen Arbeitens, Erkenntnisse zu einem komplexen Sachverhalt einem Leser zugänglich zu machen. Daher muss der Aufbau der Arbeit verständlich und widerspruchsfrei sein. Die Argumentation sollte klar und stringent erfolgen. Klassische Widersprüche finden Sie in der Tabelle zu Fehlschlüssen.

Format einer Hausarbeit

Soll eine Hausarbeit wissenschaftlichen Kriterien genügen, müssen bei ihrer Ausarbeitung auch bestimmte formale Grundsätze eingehalten werden. Dies soll dem Leser nicht nur die inhaltliche Verständlichkeit erleichtern, sondern auch zeigen, dass der Autor seine Argumentation sicher und in seiner Beweisführung nachvollziehbar darstellt. Eine Hausarbeit sollte deshalb folgende Bestandteile (in dieser Reihenfolge) enthalten: Titelblatt, Inhaltsverzeichnis, Verzeichnis über verwendete Tabellen und/oder Abbildungen, Textteil, Verzeichnis über nichtgeläufige Abkürzungen, die im Text verwendet wurden, Anhang, Quellenangaben, Literaturangaben. Für den reinen Textteil, der ca. 15 Seiten umfassen sollte, empfiehlt es sich, einen 1,5-fachen Zeilenabstand einzuhalten, einen ausreichenden Rand von 2 – 2,5 cm zu lassen und eine gut lesbare Schrift (z.B.: Arial oder Times New Roman) bei einer Schriftgröße von 12 pt. zu verwenden. Fußnoten sollten in arabischen Zahlen durchnummeriert und in Schriftgröße 10 pt. verfasst werden.

Die Crux mit der These?

Es geht nicht ohne These! Eine These ist – ein kontroverser Satz (ein zu beweisender, strittiger Satz – nicht einen Absatz! Fassen Sie Ihre These erst einmal in einfache Worte) und – die von Ihnen vorgeschlagene Erklärung oder Lösung zu einer Problemstellung.
Sobald Sie eine These haben, wissen Sie, was Sie (beweisen) wollen. Die Struktur Ihrer präsentierten Arbeit ist nicht das Abbild Ihres erarbeitenden Vorgehens. Ihre These wird schriftlich bzw. mündlich an den Anfang gestellt, ist aber, wovon sie am Ende sagen können wollen: Aus all dem folgt, was ich zu Beginn als These aufgestellt habe.

Bei empirischen Arbeiten ist das etwas anders, denn hier ist auch eine widerlegte Anfangsthese (Hypothese) ein Ergebnis. In Ihren Arbeiten wird es aber meist darum gehen, ein Argument durchzuhalten.

Wie finde ich eine These?

Der Suche nach einer These geht die Suche nach der Problemstellung voran. Hilfreich ist es, zwei gültige Sätze zu formulieren, die nicht miteinander in Einklang gebracht werden können: denn das bedarf einer Erklärung (z.B. Ihre These). Sie suchen also nicht nach einer Erklärung für “die Geschlechterproblematik”, sondern nach einer Erklärung für den Widerspruch (=Problemstellung) zwischen z.B. einem normativen Anspruch (niemand soll aufgrund des Geschlechts diskriminiert werden) und der empirischen Tatsache (dass es trotzdem geschieht). Die Erklärung, die Sie bei der Sichtung des Materials am meisten überzeugt, ist Ihre präsentierte These.

Eine gute These erfüllt folgende Kriterien:

  • Sie ist präzise und prägnant
  • Sie ist strittig
  • Sie ist Ihrem Zeitrahmen und Arbeitsaufwand angemessen
  • Sie verwendet keine undefinierten Begriffe

Form: Einstieg, Hauptteil, Schluss

Die Wissenschaftlichkeit einer Arbeit zeigt sich erstens in der Einhaltung bestimmter Formalia und zweitens in ihrem Inhalt. Sie spiegelt sich in der möglichst klaren, sachlichen Sprache, die gliedernde Ausdrücke verwendet (einerseits/andererseits, daraus folgt, erstens, anschließend, usw.). Vermeiden Sie poetische oder journalistische Ausdrücke, die unpräzise, schrill oder konfus sind.

Mit der Einleitung stellen Sie die Problematik dar, formulieren die These der Arbeit und geben einen Überblick über den Aufbau.

  • Die Problematik sollte folgende Tests bestehen: a) na und? b) was weiß ich, wenn ich das weiß?
  • Die These soll kontrovers sein und eine (auch partielle) Antwort auf die Problematik darstellen. Die These ist Ihre: Fassen Sie nicht nur die Thesen und Darstellungen von Autoren zusammen und vermeiden Sie Zitate aus Lexika!
  • Der Aufbau der Arbeit sollte artikuliert sein, und zwar so, dass er nachvollziehbar ist, d.h., es reicht nicht, zu behaupten, „man muß so und so vorgehen“: Begründen Sie solche Behauptungen!
  • Plagiat: Alle Ideen, Sätze, zusammenhängende Wörter müssen Sie entweder selber formuliert haben oder aber zitieren bzw. bibliographische Angaben machen. Alles andere gilt als Plagiat!

Im Hauptteil werden technische Termini definiert und die Argumentation ausgeführt. Die Gliederung des Hauptteils sollte erkennbar und sinnvoll sein. Sie kann z.B. chronologisch oder typologisch sein oder anderen logischen Kriterien folgen.
Der Schluss fasst die Ergebnisse möglichst pointiert zusammen und stellt eventuell einen Anschluß für die weitere Arbeit her, indem er die offen gebliebenen Fragestellungen formuliert.

Inhalt: Definitionen

Definitionen gehören zur wissenschaftliche Verständigung. Definiert werden müssen alle Begriffe, die eine zentrale Rolle in der Argumentation spielen, sowie technische Termini. Das ist nötig

  • weil viele Begriffe in der Alltagssprache anders als in der Wissenschaft verwendet werden, z.B. liberal, sozial, Natur.
  • weil Begriffe neben der denotativen (sachlichen) ein konnotative (wertende) Bedeutung haben, z.B. Demokratie, Patriarchat, Normalität, Diktatur.

Fußnoten und richtiges Zitieren

Fußnoten dienen nicht nur zur Kenntlichmachung fremder Gedanken und damit zur Darlegung der genutzten Quellen und Literatur. Vielmehr bieten sie auch die Möglichkeit, Exkurse, Bemerkungen und Verweise zu Sachverhalten zu machen, die zwar nicht unmittelbar in den fließenden Text passen, aber trotzdem naheliegende Zusatzinformationen geben. Hauptsächlich sind sie aber der Ort, an dem Zitate belegt werden oder man auf Literatur/Quellen verweist, auf die man seine Argumentation stützt.
Werden wörtliche Zitate verwendet, ist es notwendig nicht nur den Urheber des Zitates kenntlich zu machen, sondern auch bestimmte Zitierregeln einzuhalten. So steht ein wörtliches Zitat immer in Anführungszeichen. Werden Textstellen ausgelassen, ist dies mit […] zu kennzeichnen, wie auch eigene Ergänzungen mit einer eckigen Klammer darzustellen sind. Am Ende des Zitates steht eine hochgestellte Zahl, die auf die Fußnote verweist, wobei es egal ist, ob diese vor oder nach dem Satzzeichen steht. Allerdings sollte auf eine einheitliche Verfahrensweise geachtet werden.

Beispiel: “Oft wird beschworen, dass sich […] eine Amerikanisierung der deutschen Politik und insbesondere der Wahlkämpfe [durch professionelle public-relation-Arbeit der Parteien] einschleiche.”(1)
Der Beleg für das verwendete Zitat ist am Ende der jeweiligen Seite anzugeben. (1) Alemann (2001), S. 116.

Der Textbeleg beginnt dabei immer mit einem Großbuchstaben und endet mit einem Punkt. Bezieht sich der nächst folgende Beleg auf dasselbe Material kann dies durch die Abkürzung “ebd.” (ebenda) gekennzeichnet werden. (Ebd., S. 220f.)

Das “f” (für “folgende”) im Anschluß an die Seitenzahl deutet darauf hin, dass sich die benutzte Textstelle auch noch auf die Seite 221 in diesem Beispiel erstreckt. Ein “ff” steht für Textstellen, die sich im genutzten Material über mehrere Seiten ziehen.

Verwendet man sinngemäße Zitate oder möchte man z.B. auf eine Diskrepanz in der Argumentation eines anderen Autors hinweisen, steht am Anfang des Anmerkungsapparates ein “Vgl.” für “Vergleiche”.
Beispiel: Baberowski, Jörg: Erzählte Revolution. Orlando Figes und die “Tragödie eines Volkes”, in: Neue Politische Literatur, 44 (1999), H. 4, S. 481-495.

Bei Artikeln aus Tageszeitungen wird anstelle des Erscheinungsjahres und der Heftnummer das vollständige Datum der Ausgabe angegeben.

Für Artikel in Sammelbänden folgt nach dem Titel des Aufsatzes der Name des Herausgebers des Bandes und der Titel mit Erscheinungsort, Auflage sowie Erscheinungsjahr mit der entsprechenden Seitenzahl.
Beispiel: Fritze, Lothar: Unschärfen des Totalitarismusbegriffs. Methodologische Bemerkungen zu Carl Joachim Friedrichs Begriff der totalitären Diktatur, in: Jesse, Eckhard (Hrsg.): Totalitarismus im 20. Jahrhundert. Eine Bilanz der internationale Forschung [Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Bd. 336], Bonn2 1999, S. 305-319.

Möchte man auf Internetquellen verweisen, ist es notwendig, auch das Datum des Zugriffes mit zu nennen. Beispiel: Thumfart, Alexander: Politische Kultur in Ostdeutschland, in: www.das-parlament.de/2001/39/beilage/2001_39_40_003_6494.html, zugegriffen am 16.07.2002.

Sollte neben der Literaturliste auch eine Bibliographie verlangt werden, ist diese nach den gleichen Kriterien wie oben anzufertigen. Im Unterschied zur Literaturliste, in der nur die Literatur und Quellen angegeben werden, die für die Ausarbeitung genutzt worden sind, gibt eine Auswahlbibliographie alle Werke an, die weiterführende Informationen zum Thema der Arbeit geben. Der Sinn einer Bibliographie liegt also darin, einen möglichst weiten Rundblick über die verfügbaren Publikationen zum besprochenen Thema zu bieten, ohne dass man selbst diese Gesamtlage intensiv gesichtet und bearbeitet haben muß. Dabei sind die verwendeten Quellen und Publikationen durchaus ein Teil der Bibliographie.
Beispiel: Bereits ab Mitte der 50er Jahre stiegen die Spannungselemente zwischen der DDR und der CSSR, bzw. ihrer jeweiligen Machteliten, wieder an(3)
In der Fusszeile: (3) Vgl.: Ivanicka, Edita: Die Krise der Beziehung der CSSR zur DDR im Zusammenhang mit der Intervention von 1968, in: Hoensch, Jörg/ Lemberg, Hans (Hrsg.): Begegnung und Konflikt. Schlaglichter auf das Verhältnis von Tschechen, Slowaken und Deutschen 1815-1989, Essen 2001, S.271-284.

Titelaufnahme

Grundsätzlich müssen nicht nur Zitate, sondern alle Materialien auf die zurückgegriffen wird, erwähnt werden. Dazu gehören also auch verwendete Quellendokumente, Abbildungen/Statistiken, verwendete Aussagen sowie Forschungserkenntnisse und -theorien anderer. Bei verwendeten Abbildungen und Tabellen ist die Quelle direkt unter der Abbildung bzw. Tabelle kenntlich zu machen. Eine Auflistung der verwendeten Materialien findet sich dann am Ende der Arbeit im Literatur- und Quellenverzeichnis. Bei der Titelaufnahme, die in alphabetischer Ordnung erfolgt, ist ebenfalls auf bestimmte Formalitäten zu achten. Bei Monographien und Sammelbänden ist der Verfasser oder Herausgeber, der Titel, der Erscheinungsort, die Auflage (außer bei der ersten), der Erscheinungsort und das Erscheinungsjahr zu nennen. Beispiel: Alemann, Ulrich von: Das Parteiensystem der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 2001. Jesse, Eckhard (Hrsg.): Totalitarismus im 20. Jahrhundert. Eine Bilanz der internationale Forschung [Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Bd. 336], Bonn, 2. Aufl. 1999.
Bei Aufsätzen in Fachzeitschriften und Sammelbänden werden ebenfalls der vollständige Name des Autors, der Titel des Beitrag (wenn vorhanden auch der Untertitel), der Name der Fachzeitschrift mit Ausgabe und Jahrgang sowie Seitenzahl angegeben.
Das Muster bildet sich also nach folgendem Prinzip:
Name, Vorname des Autors: Titel des Aufsatzes. Untertitel des Aufsatzes, in: Name der Fachzeitschrift, Jahrgang. (Erscheinungsjahr), Heftnummer, S. XXX-XYY.

Letzte Änderung: 21. Februar 2013