Aus den zentralen Begriffen der Entwicklungskommunikation bzw. der Communication for Social Change setzt das Forschungszentrum drei Schwerpunkte: Partizipation, Empowerment und Mediation. Da zur Zeit unter struktureller und sozialer Ungleichheit innerhalb der deutschen Gesellschaft Debatten um die Grundlagen des Zusammenlebens stattfinden (vgl. Foroutan 2019: 12), spielen Aushandlungsprozesse eine große Rolle bei der Frage, wie diese Gesellschaft gestaltet werden soll.

Das Forschungszentrum EC4SC beschäftigt sich mit der Frage, wie Kommunikation so eingesetzt werden kann, dass sie eine gesellschaftliche Transformation in Richtung einer nachhaltigen Gesellschaft fördern kann. Zu dieser leitenden Frage haben wir in der Zwischenzeit drei Schwerpunkte herausgearbeitet:
Um die Gestaltung einer nachhaltigen Gesellschaft allen zugänglich zu machen und Institutionen partizipativer zu gestalten, liegt einer der Schwerpunkte des Zentrums auf Partizipation. Im Schwerpunkt Empowerment & Ownership geht es darum, die Individuen, Gruppen und Organisationen dazu zu ermächtigen und zu motivieren, ihre eigenen Belange zu artikulieren. Selbstverständlich treten in Aushandlungsprozessen auch Konflikte auf. Aus diesem Grund liegt der dritte Schwerpunkt des Zentrums auf der Mediation. Dabei soll zwischen den verschiedenen Anliegen und Perspektiven vermittelt werden, um eine erfolgreiche Kommunikation sicherzustellen. Unser Anliegen als Forschungszentrum ist es, die dafür förderlichen und hinderlichen Aspekte zu untersuchen.

Das Zentrum EC4SC orientiert sich an dem Begriff Partizipative Kommunikation. Partizipative Kommunikation kann definiert werden als die Art der Kommunikation, in der alle Gesprächspartner den gleichen Zugang zu Kommunikationsstrukturen haben und die Möglichkeit haben, ihre Standpunkte, Belange und Erfahrungen ausdrücken zu können. Die aktive Einbeziehung von Interessengruppen und die Suche nach einem breiteren Konsens über erstrebenswerte Veränderungen erhöht das Verantwortungsbewusstsein der Beteiligten und verbessert dadurch die Nachhaltigkeit.

Der partizipatorische Ansatz setzt die grundsätzliche Haltung voraus, dass Personen, über deren Lebenssituation, Strukturen oder Arbeitsweise geforscht wird, direkt und von Anfang an in die Forschung einbezogen werden sollen (vgl. von Unger 2014). Vor allem marginalisierte Gruppen sollen ihre Interessen expressiv einbringen können. Gesellschaftliche Akteure sollen daher durch Maßnahmen zur Selbsbefähigung (Empowerment) gestärkt und motiviert werden, sich mit ihrem vorhandenen Wissen einzubringen und sich als Co-Forschende zu beteiligen.

Der zweite Schwerpunkt des Forschungszentrums liegt darin, Individuen, Organisationen und Communities zu ermächtigen und darin zu stärken, ihre eigenen Belange und Interessen zu vertreten und dadurch Kontrolle über ihre eigene Geschichte in der medialen Öffentlichkeit zu haben. Oft haben Marginalisierte kaum Kontrolle über die Narrative, die innerhalb der medialen Öffentlichkeit über sie erzählt wird. Es sind von Eliten bestimmte Inhalte, die marginalisierte Gruppen darstellen. Empowerment bedeutet hier, dass Individuen oder Gruppen selbst die Kontrolle über diese Narrative und die mediale Darstellung bekommen, indem sie sich in der Produktion von medialen Inhalten, Repräsentation und Selektion beteiligen (vgl. Melkote & Steeves 2015: 417).

Empowerment-Strategien sollen Marginalisierung aufheben und die Gleichheit aller Menschen sicherstellen. Wir stellen daher Wissen zur partizipativen Einbeziehung von Minderheiten und Marginalisierten für eine erfolgreiche Inklusion und Teilhabe in Form von Workshops und Schulungen zur Verfügung.

Ursprünglich stammt der Begriff Empowerment aus der Psychologie und Sozialpädagogik und bedeutet so viel wie Selbstbemächtigung oder Selbstkompetenz. (vgl. BMZ) Empowerment-Strategien und -Maßnahmen stellen einerseits Zugänge zu Wissen und Informationen zur Verfügung. Auch Medien können ein Teil davon sein. „Communication for Empowerment is an approach that puts the information and communication needs and interests of disempowered and marginalized groups at the centre of media support.” (Kannengießer 2013). Außerdem geht es um die Förderung und Integration von vorhandenem Wissen und Fähigkeiten der Beteiligten Individuen aus der Interessengruppe. Der Grundsatz von jeglichen Empowerment-Ansätzen ist das Selbstmanagement („Ownership”). Dieser Grundsatz impliziert das Recht der Interessengruppen der Projekte, sich an der Planung und Produktion von Inhalten zu beteiligen.

Mediation

Neben Partizipation und Empowerment setzt das Forschungszentrum EC4SC einen dritten Schwerpunkt auf Mediation. Mediatorinnen und Mediatoren stehen als dritte, nicht beteiligte Partei zwischen den an einem Konflikt beteiligten Parteien. Die Grundhaltung der Mediationsperson ist die der Allparteilichkeit. Aus dieser Haltung vermitteln und erhellen Mediationspersonen die konfligierenden Interessen und Bedürfnisse zwischen den Konfliktparteien.

 

Mediation in einer postmigrantischen Gesellschaft

Vor dem Hintergrund einer Postmigrationsgesellschaft (u. a. Foroutan 2019, Ratkovic 2018) bedeutet Mediation eine Vermittlung und Erhellung in gesellschaftlichen Konflikten, die zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen be- und entstehen. Konflikte in Postmigrationsgesellschaften sind mehrstufig bzw. komplex (El-Mafaalani 2019). Jedoch können sie – wenn sie richtig begleitet und erhellt werden – eine Gesellschaft neu konstituieren. Sie können ein „produktives Element” zur Gesellschaftskonstitution werden (genuin Dahrendorf 1987).

 

Relevanz von Mediation

Öffentliche und politische Mediation erhebt den Anspruch, zum gesellschaftlichen Zusammenhalt dank Kommunikation beizutragen. Wie kann Kommunikation so eingesetzt werden, dass sie einen progressiven und nachhaltigen sozialen Wandel in der Gesellschaft generiert und fördert?

Mediation muss die unterschiedlichen Machtgefälle in einem öffentlichen Konflikt ausgleichen. Minderheiten werden gestärkt und starke Rednerinnen und Redner „zurückgeholt” (Empowerment und Recognition, Bush et al. 2009, Lewis und Umbreit 2015). Im Schwerpunktbereich werden diese unterschiedlichen Techniken untersucht (von der Medienberichterstattung bis zu den beteiligten Kommunikatoren vor Ort und den in der Politik). In einem ersten Projekt werden die Möglichkeiten zur öffentlichen Mediation durch journalistische Kommunikatoren untersucht.

Die Koordination des Schwerpunkts wird von Charlotte Knorr, M. A. übernommen.

Partizipation

Empowerment & Ownership

Mediation

Begrifflichkeiten

Da es viele Definitionen von Kommunikation für den sozialen Wandel gibt, erklären wir hier verschiedene Begriffe und unser Verständnis von „Entwicklungskommunikation – Communication for Social Change“ EC4SC.

Das Selbstverständnis des Zentrums EC4SC basiert auf dem ursprünglichen Begriff der Entwicklungskommunikation. Dieser beschreibt die Intention, eine positive und nachhaltige Entwicklung auf individueller und gesellschaftlicher Ebene zu erreichen, und verbindet diesen Ansatz mit dem dialogbasierten Begriff des C4SC. Unser Anliegen ist die Aktivierung des Wissens und der Kompetenzen der Bürgerinnen und Bürger selbst als Ressouce. Wir stellen daher Wissen zur partizipativen Kommunikation und Einbeziehung von Bürgerinnen und Bürger in politischen Gestaltungsprozessen zur Verfügung.

Im Rahmen unserer Eröffnungsfeier haben wir dazu auch drei renommierte Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus dem Bereich der Entwicklungskommunikation interviewt. Prof. Linje Manyozo, Prof. Karin Wilkins und Prof. Thomas Tufte haben mit uns über ihre Forschungsansätze sowie über die Ausrichtung des Zentrums EC4SC gesprochen und erörtert, warum Entwicklungskommunikation einen zentralen Forschungsbereich in Deutschland darstellt.

Die einzelnen Interviews können Sie sich hier ansehen:

Communication for Social Change (C4SC) ist ein Ansatz, der aus der Entwicklungskommunikation (EK) (englisch: Communication for Development, Development Communication) stammt. Die EK lässt sich als Sammelbegriff für vielfältige Formen von Kommunikationsstrategien bezeichnen, die gesellschaftliche Veränderungspotenziale sondieren oder aktivieren.

Für weitere Informationen empfehlen wir die Seite Entwicklungskommunikation, auf der sechs Dossiers innerhalb des Sommersemesters 2017 von den Studierenden entwickelt wurden und welche verschiedene Facetten des Ansatzes „Entwicklungskommunikation” beleuchten.

Der Ansatz Communication for Social Change (C4SC) wird definiert als ein öffentlicher und privater Dialogprozess, durch den Individuen und Communities (Formen von Gemeinschaften, die gemeinsame Interessen, Ziele oder Wertevorstellungen haben) selbst definieren können, wer sie sind, was sie wollen und wie sie die eigen formulierten Ziele erreichen wollen. Diese Definition veränderte das Selbstverständnis bestehende Ansätze der Entwicklungskommunikation, wo von Außenstehenden vordefinierte, unidirektionale Kommunikationsstrategien eine Verhaltensänderung bei Individuen bewirken sollten, hin zu Strategien, die eine stärkere Gewichtung auf die von der Community selbst ausgehenden sozialen und strukturellen Veränderungen legen.
Diese Definition entstand in einer Konferenz im 1997 (und Folgetreffen in den Jahren 1998 und 1999), die von der Rockefeller Foundation gefördert wurde.

Seither wurden neue Kommunikationsmittel und -wege erforscht, die Bevölkerungsgruppen erlauben, eigene Agenden in Bezug auf politische, ökonomische und soziale Entwicklung zu formulieren. Hierbei werden insbesondere die Stimmen der ökonomisch und politisch Marginalisierten verstärkt und in die Medienöffentlichkeit und politische Debatten gebracht.

Die Ziele der Entwicklungskommunikation orientieren sich allgemein an den Sustainable Development Goals (SDG) der „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“. Im September 2015 wurde diese beim UNO-Gipfeltreffen von 150 Staats- und Regierungsleitenden verabschiedet. Die darin festgehaltenen 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung sind richtungsweisend für Ansätze der Entwicklungskommunikation und sollen bei gesellschaftlichen Entwicklungsmaßnahmen Nachhaltigkeit in ökonomischer, sozialer und ökologischer Hinsicht sicherstellen.

Ein wesentlicher Grundstein für C4SC ist die Nachhaltigkeit der angestrebten Veränderungen. Die „World Commission on Environment and Development“ (WCED) fasste 1987 nachhaltige Entwicklung wie folgt zusammen:

"We define [sustainable development] as paths of human progress that meet the needs and aspirations of the present generation without compromising the ability of future generations to meet their needs." – World Commission on Environment and Development (2013: 29).

Nachhaltigkeit bezieht sich zudem auf die ökonomische und soziale Langfristigkeit der Erfolge durch den Konsens aller Beteiligten. Der angestrebte Wandel soll nicht durch Zwang oder Notwendigkeit, sondern informierend, vermittelnd, aufgrund überzeugender Kommunikation und partizipativ, auf der Basis freier Entscheidungen aller Beteiligten erreicht werden.

Dialogische Kommunikation, Partizipation und Empowerment werden als wesentliche Elemente für die Erreichung der Sustainable Development Goals (SDG) gesehen, die auch Kernelemente der C4SC sind. Bürgerinnen und Bürger partizipativ zu beteiligen und sie dadurch zu bemächtigen (Empowerment), sind zentrale Schlüsselbausteine der Agenda 2030.

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