Ernährung geht uns alle an – und hängt auch mit Kommunikation und Medien zusammen. Die Arbeitsgruppe Ernährungskommunikation am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig beschäftigt sich mit verschiedenen Aspekten des Themas. Sie ist eine Säule des Kompetenzclusters für Ernährung und kardiovaskuläre Gesundheit (nutriCARD) der Universitäten Halle, Jena und Leipzig und wird seit 2015 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.

Ernährung ist ein fester Bestandteil des Alltags und mittlerweile auch in den Massenmedien ein omnipräsentes Thema. Jeder von uns trifft tagtäglich eine Vielzahl an Ernährungsentscheidungen – mitunter aus dem Bauch heraus. Es gibt zahlreiche Herausforderungen und sich wandelnde gesellschaftliche, wirtschaftliche, gesundheitliche, soziale und ökologische Rahmenbedingungen.

Ernährung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe kann nur interdisziplinär erforscht und verhandelt werden. Ein wichtiger Aspekt ist die Ernährungskommunikation. Sie befasst sich mit Kommunikationsprozessen in unterschiedlichen Kommunikationsarenen. Ausgehend von medienwissenschaftlichen Fragestellungen über die Vermittlung und Darstellung von Ernährung, werden auch andere funktionale Teilsysteme wie Wirtschaft, Politik und Wissenschaft fokussiert und die Rolle des Verbrauchers hinterfragt. 

Die Arbeitsgruppe Ernährungskommunikation am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig ist eine elementare Säule des Kompetenzclusters für Ernährung und kardiovaskuläre Gesundheit (nutriCARD) der Universitäten Halle, Jena und Leipzig und wird seit 2015 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert. An der Universität Leipzig ist auch das standortübergreifende nutriCARD-Kommunikationsbüro angesiedelt.

Arbeitsschwerpunkte

Über Ernährung wird viel berichtet, doch wer sind die Autoren? In welchen Ressorts arbeiten sie mit welchen Schwerpunkten? Welche Recherchequellen nutzen sie und welches Rollenselbstbild prägt sie und damit auch ihre Berichterstattung? Diese Fragestellungen sollen mit der nutriCARD-Berufsfeldstudie (2019/2020) beantwortet werden.

Projektübergreifend werden auch Bedarfe von Journalisten hinsichtlich Weiterbildung und zusätzlichen Qualifikationen für eine handwerklich qualitative Berichterstattung ermittelt. Diese sollen perspektivisch skizziert und als berufsbegleitendes Programm etabliert werden.

Ziel dieses Projekts ist die Etablierung einer Institution zur kontinuierlichen Prüfung und Sicherung der Qualität der Berichterstattung über Ernährung. Die Qualität wird in einer Art journalistischem Peer-Review bewertet. Dazu wird ein Expertennetzwerk zur Begutachtung der Ernährungsberichterstattung in deutschen Medien aufgebaut. Grundprinzip der Begutachtung ist, dass mindestens zwei Wissenschafts- bzw. Ernährungsjournalisten einen journalistischen Beitrag unabhängig voneinander entlang eines spezifisch entwickelten Kriterienkatalogs bewerten. Auf diese Weise sollen Stärken und Schwächen in der deutschsprachigen Ernährungsberichterstattung ermittelt werden. Die Gutachten werden auf einer Webseite veröffentlicht und stehen als Lehr- und Lernmaterial zur Verfügung. Die auf diesen Themenkreis angepassten Kriterien bauen auf einem Katalog bereits etablierter ähnlicher Projekte auf, insbesondere dem Medien-Doktor „Gesundheit“ und Medien-Doktor „Umwelt“ der TU Dortmund. Das Projekt erfolgt in Kooperation mit Prof. Dr. Holger Wormer.

In Deutschland gibt es derzeit wohl mehr als 1.000 Food-Blogs und zahlreiche Influencer. Einige von ihnen haben mehr als 20.000 Abonnenten und Follower. Bei Instagram und Youtube boomen die Suche nach „food“-Inhalten. Dennoch sind Food-Blogger und -influencer eine unterschätzte und oft vernachlässigte Zielgruppe in der strategischen Kommunikation.

Im Mittelpunkt der quantitativen Studie stehen die Professionalisierung und Motivation der Kommunikatoren sowie die Nutzermotivation sowie -akzeptanz und Glaubwürdigkeit von Foodblogs. Folgende Fragen sind dabei handlungsleitend: Wie werden Food-Blogs und #food-Beiträge wahrgenommen? Sind Blogs und soziale Medien eine relevante Größe für Unternehmen der Ernährungswirtschaft (Issue Monitoring)? Nutzen Verbraucher Food-Blogs lediglich zur Unterhaltung oder sind Blogs und Beiträge mit Hashtags #foodporn & Co. gar der allgemeinen Ernährungskompetenz (nutrition literacy) dienlich?

Mittels einer qualitativen Diskursanalyse wird die öffentliche Auseinandersetzung und dementsprechende Wissensordnung zum Thema Ernährung ermittelt. Ausgehend von zehn im Peer-Review-Verfahren begutachteten und in Fachzeitschriften veröffentlichten Ernährungsstudien mit dem Schwerpunkt kardiovaskuläre Gesundheit soll das Medienecho in deutschen Online-Medien inklusive des Throughputs von Pressemitteilungen sowie die Anschlusskommunikation auf Social Media-Kanälen (Facebook und Twitter) nachvollzogen werden. Dabei sind unter anderem folgende Fragen zu beantworten: Inwieweit werden Forschungsergebnisse in auffindbaren Diskursfragmenten weiterverarbeitet. Wer sind die Diskursteilnehmer und welche Reichweite erzeugen diese? Wie unterscheiden sich die Kommunikationsinhalte und -wege zwischen öffentlichem und Fachdiskurs, laufen beide möglicherweise zusammen? In einem letzten Schritt können die Ergebnisse in ein themenspezifisches Kriterienset für Wissenschaftskommunikation münden.

Forschung greifbar machen für den Verbraucher und ein Alleinstellungsmerkmal für die Ernährungswirtschaft bieten – das ist das Ziel der Modellregion für herzgesündere Ernährung. Mit einem neuen Gastro-Label werden Restaurants, Hotels und Gastronomiebetriebe ausgezeichnet, die sich für herzgesunde Ernährung einsetzen. Dazu werden bestehende Gerichte auf Basis ernährungswissenschaftlicher Forschungsergebnisse (MoKaRi) der der ersten Förderperiode bewertet und optimiert bzw. neue Gerichte in Kooperation mit den Gastronomen auf die Speisenkarten genommen.

Die von nutriCARD zertifizierten Standorte mit gesünderen Speisen werden auf einem Stadtplan (ggf. App-Anwendung) und medial veröffentlicht; es werden spezielle Corporate-Media-Produkte entwickelt. Kooperationspartner dieses Projekts sind die Die Leipzig Tourismus und Marketing GmbH und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga Sachsen). Eine Ausweitung der Modellregion ist perspektivisch angedacht.

Team

  • Dr. Tobias D. Höhn, Diplom-Journalist (Leiter)
  • Marcus Anhäuser, Diplom-Biologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter
  • Mag. Angela Mörixbauer, wissenschaftliche Mitarbeiterin
  • Charmaine Voigt, M. A., wissenschaftliche Mitarbeiterin
  • Bettina Storch, wissenschaftliche Hilfskraft
  • Katja Lütjens, Projektassistenz