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In einer neu veröffentlichten Studie untersuchen Julian Unkel (LMU München) und Mario Haim (Universität Leipzig), inwiefern Google-Suchanfragen im Rahmen der Bundestagswahl (zu AkteurInnen, Parteien, Themen usw.) die wahrgenommenen Themenhoheiten einzelner Parteien von deutschen WählerInnen widerspiegeln.

Demokratische Wahlen erfordern informierte Bürger. Doch während das Internet durch eine größere Auswahl breitere Information ermöglicht, drohen algorithmische Filter, wie z.B. Suchmaschinen, individuelle Informationsrepertoires unauffällig einzuschränken. In diesem Beitrag soll analysiert werden, auf welche Suchergebnisse Menschen stoßen, wenn sie verschiedene Strategien der Informationssuche anwenden, und wie diese Suchergebnisse die Zuschreibung von parteilichen Themenhoheiten widerspiegeln.

Während des Bundestagswahlkampfes 2017 wurde dafür ein Mehrmethodenansatz eingesetzt, wobei erstens das menschliche Suchverhalten, das verschiedene Strategien der Informationssuche abbildet, mit Hilfe von agentenbasierten Tests simuliert wurde, um reale Suchergebnisse aus der Google-Suche abzuleiten. Diese Suchergebnisse wurden anschließend manuell codiert, um Informationsquellen zu identifizieren und Themenhoheiten zuzuordnen. Zweitens wurden Personen befragt, welche politischen Themen sie welcher Partei zuordnen.

Es zeigt sich, dass die Suchergebnisse hauptsächlich von etablierten Medien stammen und die bestehenden Machtverhältnisse zwischen den politischen Parteien widerspiegeln. Das gilt aber nicht für die Themenhoheiten, die sich in den Suchergebnissen klar von jenen der Befragten unterscheiden. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Furcht vor algorithmischen Einschränkungen im Zusammenhang mit Online-Suchmaschinen überbewertet wird. Stattdessen weisen unsere Ergebnisse darauf hin, dass (1) politische Akteure ihre Kernthemen in den politischen Suchergebnissen noch immer zu besetzen wissen, dass (2) Medienverhältnisse (und damit bestehende Verzerrungen) in den Suchergebnissen deutlich ausgeprägt sind, und dass (3) Medienkompetenz verstärkt notwendig ist, insbesondere bei der Nutzung von Suchmaschinen.

Die englischsprachige Studie erscheint in der Fachzeitschrift Social Science Computer Review als Open-Access-Veröffentlichung, ist also frei zugänglich:

Unkel, J. & Haim, M. (2019). Googling politics: Parties, sources, and issue ownerships on Google in the 2017 German Federal Election campaign. Social Science Computer Review, Advance Online Publication. https://dx.doi.org/10.1177/0894439319881634 

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