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Zu jedem in der DDR erschienenen Buch existieren mehrere Gutachten, die den Zensor über den Inhalt, die gesellschaftliche Bedeutung und die ideologischen Gefahren eines Werkes informieren sollten. Sie waren bis 1989 im Druckgenehmigungsverfahren die Grundlage jeder Zensurentscheidung, ob ein Buch überhaupt erscheinen konnte und wenn ja in welcher Form, verändert oder gekürzt. In den Archiven schlummern weit über 100.000 solcher Zensurgutachten, entstanden in den Verlagen oder im Auftrag der Zensurbehörde, der HV Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur, die wichtigste Quelle zu einer kritischen Geheimgeschichte der DDR-Literatur.

Argusaugen der Zensur

Die Konferenz befasst sich mit der Interpretation solcher Gutachten, einer auch 30 Jahre nach der Wende noch unerforschten Textsorte, die ohne Kenntnis der institutionellen Hintergründe, üblichen Sprachregelungen und taktischen Absichten kaum zu verstehen ist. Zudem wurde wissenschaftliche Literatur nach anderen Regeln begutachtet als Lyrik, Romane, Lexika oder Reiseliteratur, und von Verlag zu Verlag herrschten unterschiedliche Gepflogenheiten. Zensurforscher der verschiedenen Disziplinen, Historiker, Literaturwissenschaftler und Buchwissenschaftler analysieren und diskutieren deshalb auf der Konferenz gemeinsam mit Lektoren der berühmten DDR-Verlage über spannende Gutachten und die damit verbundenen Zensurfälle.

Veranstaltungsort: Felix-Klein-Hörsaal im Paulinum der Universität Leipzig

Die Konferenz ist öffentlich, doch wir bitten um Voranmeldung bis 15.09.19 an: janine.hollmann(at)uni-leipzig.de

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