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Umweltkommunikation im Netzwerk

Perspektiven, Interessen und Strategien im Diskurs um das Wattenmeer

 

Dr. Lisa Marzahl

Dr. Lisa Marzahl wurde von der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig im Januar 2019 mit „cum laude“ zum Dr. rer. pol. promoviert. Die Dissertationsschrift wurde von Professor Dr. Ansgar Zerfaß betreut. Zweitgutachterin war Professor Dr. Cornelia Wolf.

Lisa Marzahl widmet sich der Frage, wie Organisationen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft Umweltdiskurse beeinflussen, indem sie ihre Perspektiven, Interessen und Ziele miteinander ausspielen. Die gemeinsame Diskussion eines theoretischen Bezugsrahmens aus Diskurs- und Netzwerktheorie sowie einer qualitativen Fallstudie „Diskurse und Netzwerke um den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer“ liefern entscheidende Erkenntnisse für die »Kommunikation zwischen Organisationen« im Umweltbereich.

In der Fallstudie zeichnet sie die Netzwerkarbeit und das Ausgleichen von Interessen zwischen Organisationen in diesem speziellen Umweltdiskurs nach. Großschutzgebiete wie das Wattenmeer stehen als Kristallisationspunkte anhaltend im Mittelpunkt gesellschaftlicher Auseinandersetzung, wo die Natur und der Ablauf natürlicher Prozesse möglichst Vorrang vor der Nutzung durch den Menschen haben soll. Da es in Deutschland aber kaum noch weiträumige Wildnisgebiete gibt, sondern allen voran traditionelle Kulturlandschaften, bedeutet die Einrichtung eines Nationalparks in den meisten Fällen die Verdrängung menschlicher Aktivitäten und insbesondere eine Einschränkung oder sogar ein Verbot ökonomischer Nutzung. Divergierende Perspektiven, Interessen und Ziele treffen ausgehend von unterschiedlichen Organisationen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft aufeinander.

Die Untersuchung liefert verschiedene Verhältnisse und Beziehungsarten sowie entscheidende Bausteine der Netzwerksteuerung, die für eine Zusammenarbeit von politischen Organisationen, Unternehmen sowie Umwelt- und Naturschutzverbänden entscheidend sind. Im Kern bedeutet es, dass starke Beziehungen, schwache Beziehungen und individuelle Akteure die Verhältnisse zwischen den Organisationen prägen. Ferner zeigen die Ergebnisse, dass Überschneidungen in den Interessen und Zielen der unterschiedlichen Organisationen durch fünf spezifische Bausteine der Netzwerksteuerung entstehen: gemeinsame Interessen, Kommunikation, offene Interessenvertretung, persönlicher und menschlicher Umgang sowie Kompromissbereitschaft sind für die Zusammenarbeit von politischen Organisationen, Unternehmen sowie Umwelt- und Naturschutzverbänden entscheidend.

Lisa Marzahl ist seit 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Strategische Kommunikation der Universität Leipzig und in Studienberatung und -koordination und Lehre tätig. Zudem war sie Mitglied des Organisationsteams der DGPuK-Jahrestagung 2016 „100 Jahre Kommunikationswissenschaft in Deutschland“ und übernahm dort die Leitung der Kommunikationsmaßnahmen. Sie ist Absolventin des Studiengangs Organisationskommunikation der Universität Greifswald und hat zwei Bachelor-Abschlüsse in Kommunikations- und Medienwissenschaft sowie Politikwissenschaft von der Universität Leipzig (2008-2012).

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