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Veranstaltungsort: Zoom

Im interdisziplinären Kolloquium des Instituts für Kulturwissenschaften werden regelmäßig Vorträge von Gästen sowie Projektvorstellungen der Mitarbeitenden des Instituts diskutiert. Die Veranstaltungen sind für Studierende und Interessierte geöffnet.

 

Am Mittwoch, den 16.06., 17-19h c.t., spricht Jörn lamla (Kassel) zum Thema „Digitaler Analogismus. Das kybernetische Subjekt als gesellschaftlicher Existenzmodus“.

In kritischer Auseinandersetzung mit und Abgrenzung von soziologischen Zeitdiagnosen zur digitalen Gesellschaft, die primär eine Ausweitung von modernen Prinzipien der Überwachung, Vernetzung, Ökonomisierung oder funktionalen Codierung als Charakteristikum des Wandels ausmachen, fragt der Vortrag nach tieferen Transformationseffekten, die das kybernetische Denken und Modellieren für die moderne Subjektivität und Gesellschaft zeitigen. In diesem Denken und Modellieren, so lautet die These, realisieren sich ontologische Schemata, die Philippe Descola als Analogismus bezeichnet und von der typisch modernen, produktivistischen Welthaltung des Naturalismus ebenso abgrenzt wie vom Animismus oder Totemismus. Der Begriff des digitalen Analogismus spielt somit nicht darauf an, dass analoge Rückzugs- oder Sehnsuchtsorte gegenüber dem Digitalen vermehrt raumgreifen, wie es Urs Stäheli in seinem Entnetzungsbuch jüngst thematisiert. Vielmehr bezieht Lamla den Begriff auf das gesellschaftlich wirkmächtige Installieren einer analogischen Ontologie, die alle heterogenen und idiosynkratischen Entitäten der Welt zunächst operational vergleichbar machen muss, um sie digital anschließen zu können. Exemplarisch hierfür sind die gegenwärtigen Ambitionen auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz, die durch probabilistische Modellierung, Performanztests und hybride Trainingskonstellationen mit dem realen Verhalten laufend rückgekoppelt wird. Darin zeichnet sich der Übergang zum gesellschaftlichen Existenzmodus des kybernetischen Subjekts bereits ab. Die anthropologische Heuristik Descolas ist für die Analyse solcher Trends von hohem Wert, weil sie die Implikationen, d.h. den Preis sichtbar macht, der mit dem analogischen Identifikationsmodus einhergeht: Der „kybernetische Totalitarismus“ (so schon Jaron Lanier) muss – kulturanthropologisch betrachtet – zwangsläufig alles leugnen und bekämpfen, das seinen „spirituellen Universalismus“ infrage stellen und Kontingenzen seiner ontologischen Schemata sichtbar machen könnte. Diese Hypothese einer hermetischen Schließung soll an Armin Nassehis Buch über Muster verdeutlicht werden, das die gesellschaftliche Ausbreitung analogischer Schemata in der digitalen Gesellschaft einerseits gut sicht- und nachvollziehbar macht, andererseits aber auch selbst jene schroffe Abwehr gegenüber alternativen Ontologien zu erkennen gibt, die für analogische Kosmologien typisch ist. Der Vortrag plädiert dafür, sich davon nicht vereinnahmen zu lassen.

 

Anmeldung

Im Sommersemester 2021 werden die Veranstaltungen des Institutskolloquiums pandemiebedingt online per Zoom durchgeführt. Wenn Sie an einer Veranstaltung teilnehmen möchten, schreiben Sie zur Anmeldung bitte eine eMail an Jan Beuerbach.

Im interdisziplinären Kolloquium des Instituts für Kulturwissenschaften werden regelmäßig Vorträge von Gästen sowie Projektvorstellungen der Mitarbeitenden des Instituts diskutiert. Die Veranstaltungen sind für Studierende und Interessierte geöffnet.

Weitere Termine des Institutskolloquiums finden Sie in unserem Veranstaltungskalender oder im Programm
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