Veranstaltung am

Im interdisziplinären Kolloquium des Instituts für Kulturwissenschaften werden regelmäßig Vorträge von Gästen sowie Projektvorstellungen der Mitarbeitenden des Instituts diskutiert. Die Veranstaltungen sind für Studierende und Interessierte geöffnet.

Am Dienstag, den 19.10., 17-19h c.t., spricht Miriam Nandi (Leipzig) zum Thema „Towards a History and Theory of Anglophone Refugee Literature. Flucht und Exil im zeitgenössichen englischensprachigen Roman Südasiens“.

Flucht und Exil sind seit der traumatischen Teilung Britisch Indiens („Partition“), bei der eine unvorstellbar hohe Anzahl von Menschen (wahrscheinlich zwischen 10 und 20 Millionen) aus ihren Heimatorten in den jeweiligen anderen jungen Staat flohen, zentrale Themen in den Literaturen Südasiens. Gerade auch in der englischsprachigen indischen bzw. pakistanischen Romanliteratur ist das Trauma der Flucht im Zuge der Teilung narrativiert worden (Singh, Sidhwa, Ghosh 1994) und wurde entsprechend von der kulturellen Gedächtnisforschung bzw. insbesondere auch aus Gender-Perspektive in den Blick genommen (Butalia, etc.). Auch die postkoloniale Migration in die Metropolen des globalen Nordens ist vielfach Thema in den anglophonen Literaturen Südasiens und das Thema kann als gut erforscht gelten.
In jüngster Zeit könnte man von einer weiteren ‚Welle‘ von Migrations- bzw. Fluchtnarrativen in der anglophonen südasiatischen Literatur sprechen, die jeweils auf eine sehr unterschiedliche und eigenständige Weise die sogenannte Flüchtlingskrise in den Blick nehmen (Hamid, Adiga, Ghosh 2019, Gurnah). Dieser Diskurs erlebt gerade eine große Aufmerksamkeit in der Forschung, wird dabei jedoch fast ausschließlich mit dem Ereignis ‚2015‘ in Verbindung gebracht. Die globalen synchronen Aspekte dieser Literatur sind unbenommen, dennoch drängt sich die (bislang kaum beantwortete) Frage nach der Historisierung dieser Fluchtnarrative auf. Das geplante Projekt untersucht die Kontinuitäten und Brüche zwischen zeitgenössischen und historischen Fluchtnarrativen in der englischsprachigen Romanliteratur Südasiens unter besonderer Berücksichtigung von Fragen nach dem Spannungsfeld zwischen Nation und Globalität, nach Räumen und Grenzen, Trauma und Erinnerung, Geschlechterdifferenz und dem Gebrauch unterschiedlicher Erzählverfahren (Realismus, Psychologisierung, magischer Realismus, etc.). Flankierend dazu soll untersucht werden, inwieweit kanonische Modelle der postkolonialen Theorie (Said, Bhabha, Spivak), die vor dem Hintergrund der Migrationsliteratur des 20. Jahrhunderts entstanden sind, für die zeitgenössische Fluchtliteratur fruchtbar gemacht werden können. Der geplante Vortrag untersucht diese Fragen exemplarisch anhand von Mohsin Hamids 2017 erschienen Roman Exit West.

 

Anmeldung

Im Wintersemester 2021 werden die Veranstaltungen des Institutskolloquiums pandemiebedingt im Hybridformat durchgeführt. Interessierte können sich online per Zoom dazuschalten. Den Zoom-Link zu unseren Veranstaltungen finden Sie im begleitenden Moodle-Kurs.

Weitere Termine des Institutskolloquiums finden Sie in unserem Veranstaltungskalender oder im Programm
PDF 235 KB
.

Bei Rückfragen schreiben Sie bitte eine eMail an Jan Beuerbach.