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Veranstaltungsort: HS 2010 (EG), GWZ, Beethovenstr. 15, 04107 Leipzig

Vortrag von Stefan Schick im Rahmen des Philosophischen Kolloquiums im Sommersemester 2022.

"Drum dämpfe, dresche, trete immer.
Wo die Frechheit, die Ausgeburt der Leere und des Anspruchs,
ihr Haupt erhebt, dort schlag’ sie kräftig nieder,
mit kaltem Blick und barschem Wort. Am besten freilich: Prügel."

In seinem Repertorium vermerkt Heimito von Doderer unter dem Stichwort „Altern – seine Theorie“:

„Das Leben stellt uns die Wahl frei, ob wir als Philosophen ein für allemal belehrt oder als Tiere“ „auf dem lange und wenig fruchtbaren Wege der Abschleifung und Abwetzung“ „allmählich dressiert werden wollen“.

Würde der Begriff „Leben“ durch „Strafrecht“ ersetzt, so die These des Vortrages, wäre dieser Satz eine konzise Zusammenfassung der Straftheorie P. J. A. Feuerbachs. Denn in der Tat tritt das Rechtssubjekt in Feurbachs Strafrechtskonzeption in einem zweifachen Stellenwert auf: Als Adressat der Strafnormen wird das Rechtssubjekt sinnliches, bestenfalls rational kalkulieren könnendes Lebewesen betrachtet, das durch psychischen Zwang, i.e. Drohungen, von Verletzungen der Rechte Dritter abgehalten werden soll. Andererseits muss das Rechtssubjekt, insofern es vernünftig ist, sich prinzipiell jedoch auch als Konstituent eben jener Strafnormen verstehen können, denen es als sinnliches Wesen unterworfen ist. Insofern es die Vernünftigkeit dieser Normen als Philosoph/in dann tatsächlich einsieht, verlieren die Strafnormen ihren Zwangscharakter. Dieser Doppelaspekt der Straftheorie Feuerbachs wird von Kritikern jedoch häufig abgeblendet. Dies soll im Vortrag korrigiert werden.

Zur Person:

Stefan Schick ist seit April 2021 Lehrkraft für besondere Aufgaben im Fach Philosophie an der Universität Leipzig. Zuvor studierte er Philosophie, Deutsche Philologie und Politikwissenschaften an der Universität Regensburg, wo er 2010 auch promovierte (Thema: Contradictio est regula veri) und sich 2018 habilitierte (Thema: Die Legitimität der Aufklärung). Von 2011 bis 2021 war er akademischer (Ober-)Rat a. Z. an der Universität Regensburg. Im WS 20/21 vertrat er da selbst den Lehrstuhl für Geschichte der Philosophie. Forschungsaufenthalte in Evanston, Chicago, Toronto und Bergen.