Im Vordergrund eine professionelle Videokamera, im Hintergrund verschwommen eine Menschenmenge.
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Nach dem Ende des Taliban-Regimes im Jahr 2001 erlebte Afghanistan einen regelrechten „Medienboom“ mit einer hoch dynamischen Expansion und Differenzierung der Medieneinrichtungen und ihrer Angebote (Zeitungen, Zeitschriften, Hörfunk, Fernsehen, Nachrichtenagenturen, Internet). Dieser Boom löste eine enorme Ausweitung und Differenzierung des journalistischen Arbeitsmarktes aus. Dadurch gelangten viele für den Beruf nur unzureichend qualifizierte Kräfte in den Journalismus, einmal abgesehen davon, dass auch erfahrene Journalisten, selbst akademisch examinierte, den modernen Herausforderungen an die Normen und die Ethik des Berufs häufig kaum hinreichend gewachsen sind. Der Journalismus als Beruf leidet mehr und mehr unter einem Glaubwürdigkeitsverlust in der Bevölkerung und folglich unter einem partiellen Funktionsverlust. Deshalb wird in Afghanistan seit geraumer Zeit eine Reform und Verbesserung der fachlichen und ethischen Journalistenausbildung gefordert. Eine moderne systematische akademische Journalistenausbildung, die theoretische, ethische und Praxis simulierende Elemente verbindet, soll dieser Entwicklung entgegensteuern.

Das Ziel des Projektes ist es, auf der Grundlage des internationalen Forschungsstands für die staatlichen Universitäten in Afghanistan und unter Berücksichtigung der spezifischen Wertorientierungen in Afghanistan (berufliches Rollenselbstbild) sowie der örtlichen/regionalen Bedingungen (Universität, mediale Einrichtungen) und Ressourcen (Lehrkapazitäten; finanzielle, räumliche, technische Möglichkeiten) ein Modell für die duale Ausbildung des Nachwuchses für Leitungsfunktionen im afghanischen Journalismus zu entwickeln. Das Modell mit einem integrierten Volontariatspraktikum soll Varianten für die Ausbildungsziele und -felder (u. a. mono- oder multimedial) und die Graduierungsstufen (etwa als Bachelor- oder konsekutives Masterprogramm) umfassen sowie ferner Optionen für die Weiterbildung von berufstätigen Journalisten und die Qualifikation eines wissenschaftlichen Nachwuchses der Journalistik.

Unsere Kooperationspartnerin ist die Fakultät für Journalistik und Massenkommunikation der staatlichen Universität Nangarhar, der zweitältesten Universität Afghanistans. Vorgesehen ist, dieses Modell nach Abschluss des Vorhabens in der Form eines Pilotprojektes an der Fakultät für Journalistik und Massenkommunikation der staatlichen Universität Nangarhar zu erproben und danach an den übrigen staatlichen Universitäten in Afghanistan, die Journalisten ausbilden, zu übernehmen.

 

Leitung

  • Prof. em. Dr. Arnulf Kutsch (Universität Leipzig)


Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

  • Dr. Kefa Hamidi (Universität Leipzig)
  • Studentische Mitarbeiterin: Margit Schulze
  • 15.09.2015 – 15.09.2017

Das Projekt wird durch die Volkswagen-Stiftung gefördert.