Prof. Dr. Thomas Voss

Prof. Dr. Thomas Voss

Hochschullehrer im Ruhestand

Institut für Soziologie
Geisteswissenschaftliches Zentrum
Beethovenstraße 15
04107 Leipzig

Kurzprofil

Thomas Voss studierte Philosophie und Sozialwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum, war Assistent an der Ludwig-Maximilians-Universität München (dort erfolgten 1984 Promotion und 1990 Habilitation für Soziologie) und seit 1992 Inhaber des Lehrstuhls für Soziologie mit Schwerpunkt Theorie und Theoriegeschichte an der Universität Leipzig (seit 10/2021 emeritiert). Verschiedene Gastaufenthalte im Ausland (u.a. University of Chicago, Universiteit Utrecht, ETH Zürich, Fellow am NIAS).


Seine Forschungsarbeiten behandeln Probleme aus der analytisch ausgerichteten Sozialtheorie, insbesondere Anwendungen der Rational-Choice- und der Spieltheorie. Zudem hat er auch empirisch zu Fragen aus der Organisations-, Wirtschafts- und Arbeitsmarktsoziologie gearbeitet.


Lehrerfahrungen, u.a. an der LMU München, der University of Chicago, der ETH Zürich und der Universität Leipzig, berühren ein breites Spektrum von Gegenständen: Theorie, Methoden/Statistik und spezielle Soziologien.

Berufliche Laufbahn

  • 03/2009 - 10/2015
    ETH Zürich: Regelmäßig Gastvorlesungen über "Die Entstehung von Kooperationsnormen" oder "Institutionen und soziales Handeln"
  • 09/2001 - 06/2002
    Fellow-in-Residence am Netherlands Institute for Advanced Study in the Humanities and Social Sciences (NIAS) in Wassenaar, Niederlande
  • 10/1992 - 09/2021
    C4-Professur für Soziologie (Schwerpunkt: Theorie und Theoriegeschichte), Institut für Soziologie, Universität Leipzig
  • 04/1992 - 09/1992
    Lehrstuhlvertretung C4-Professur für Soziologie, Institut für Soziologie i.G., Universität Leipzig
  • 02/1992
    Ruf auf die C4-Professur für Soziologie (Schwerpunkt Theorie und Theoriegeschichte), Universität Leipzig (Erstplatzierter der Liste)
  • 10/1991 - 03/1992
    Lehrstuhlvertretung C4-Professur für Soziologie und Leitung der Abt. für Soziologie und Sozialplanung, Universität Stuttgart
  • 03/1991 - 04/1991
    Gastforscher an der Universiteit Utrecht, Niederlande, Fachgruppe Soziologie
  • 01/1991 - 09/1991
    Oberassistent a.Z. (C2) und Privatdozent (beurlaubt von 10/1991 bis 09/1992), Institut für Soziologie, LMU München
  • 01/1990 - 07/1990
    Visiting Asst. Professor "Quantitative Methods", Dept. of Sociology, The University of Chicago. Lecture courses: Game Theory, Quantitative Research Methods 3: Regression Analysis (graduate level)
  • 09/1986 - 10/1986
    Visiting scholar: Center for the Study of Public Choice, Dept. of Economics, George Mason University, Fairfax, Va. (USA)
  • 06/1984 - 12/1990
    Akademischer Rat a. Z. (Vollzeit), Institut für Soziologie, LMU München (Lehrstuhl Prof. Dr. Rolf Ziegler)
  • 06/1980 - 05/1984
    wissenschaftlicher Mitarbeiter (Vollzeit), Institut für Soziologie, Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München (Lehrstuhl Prof. Dr. Rolf Ziegler)
  • 04/1975 - 03/1978
    Studentischer Tutor: Übungen zur Statistik und Methodenlehre, Ruhr-Universität Bochum

Ausbildung

  • 12/1990
    Habilitation in der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München mit venia legendi für Soziologie (Dr. rer. pol. habil.)
  • 02/1984
    Promotion zum Dr.rer.pol. (summa cum laude) im Hauptfach Soziologie (Nebenfächer: Philosophie/Logik und Wissenschaftstheorie, Statistik), Ludwig-Maximilians-Universität München
  • 10/1980 - 02/1984
    Promotionsstudium Ludwig-Maximilians-Universität München: Soziologie, Philosophie/Logik und Wissenschaftstheorie, Statistik
  • 04/1980
    Diplom-Sozialwissenschaftler (dipl.rer.soc.): Ruhr-Universität Bochum (RUB).Universitätspreis der RUB ("Preise an Studenten") für die Diplomarbeit
  • 10/1974 - 03/1980
    Studium Sozialwissenschaft (Soziologie, Sozialpsychologie, Methoden und Statistik) und Philosophie: Ruhr-Universität Bochum
  • 04/1966 - 06/1974
    Neusprachliches Gymnasium, Dortmund. Abitur
  • 04/1962 - 03/1966
    Volksschule (Grundschule), Dortmund

Gremien Mitgliedschaften

  • seit 07/1986
    Mitherausgeber Buchreihe "Scientia Nova", R. Oldenbourg/DeGruyter Verlag, München/Berlin
  • 04/1992 - 06/1994
    International Advisory Editor: American Journal of Sociology
  • 09/1998 - 08/2002
    President Research Committee 45 "Rational Choice" der International Sociological Association (ISA)
  • 09/2002 - 08/2006
    Board Member Research Committee 45 "Rational Choice" der International Sociological Association (ISA)
  • 06/2000 - 12/2007
    Mitglied des Beirats: Jahrbuch für Handlungs- und Entscheidungstheorie
  • 01/2010 - 12/2016
    Review Editor: Rationality, Markets, and Morality (Frankfurt School of Finance)
  • seit 06/2020
    Mitglied des Beirats: Hans-Albert-Institut

Thomas Voss forscht zu Problemen der analytischen Sozialtheorie, zur Theoriegeschichte sowie zur Wissenschaftstheorie und Methodologie. Darüber hinaus hat er auch empirisch und theoretisch über Aspekte der Organisations- und Wirtschaftssoziologie gearbeitet.


Die Arbeiten zur Wissenschaftstheorie rekonstruieren die Logik soziologischer Erklärungen aus der Sicht des Methodologischen Individualismus (vgl. z.B. Voss 2017). Seine Beiträge zur Sozialtheorie berühren u.a. Probleme der Anwendung von Theorien des rationalen Handelns auf die Erklärung sozialer Institutionen, insbesondere spieltheoretische Erklärungen von Kooperation, Vertrauen und sozialen Normen (z.B. Voss 2001).


Aus Anlass der Emeritierung erschienen Beiträge (eine "Festschrift"), in denen kritische Auseinandersetzungen, Würdigungen oder Weiterentwicklungen im Zusammenhang mit den von Voss und anderen vertretenen Auffassungen enthalten sind (Krumpal et al. 2021).


Thomas Voss, "Game theoretical perspectives on the emergence of social norms". S. 105–136 in: Michael Hechter, Karl-Dieter Opp (Hrsg.): Social Norms. Russell Sage, New York 2001.

Thomas Voss, “Methodologischer Individualismus: Reduktion oder Direkterklärung?”, S. 153-174 in: Gerhard Wagner (Hrsg.), Die Provokation der Reduktion – Beiträge zur Wissenschaftstheorie der Soziologie, Wiesbaden: Harrassowitz, 2017.

Ivar Krumpal, Werner Raub, Andreas Tutic (Hrsg.): Rationality in Social Science. Foundations, Norms, and Prosociality. Springer, Wiesbaden 2021.

  • Voss, T.
    Roots of sociology as a science: some history of ideas
    In: Gërxhani, K.; De Graaf, N. D.; Raub, W. (Hrsg.)
    Handbook of Sociological Science - Contributions to Rigorous Sociology. Cheltenham, UK: Edward Elgar. 2022. S. 493–511.
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  • Krumpal, I.; Voss, T.
    Sensitive Questions and Trust: Explaining Respondents' Behavior in Randomized Response Surveys
    Sage open. 2020. 10 (3).
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  • Voss, T.
    Von den britischen Klassikern zur Verhaltensökonomik: Eine kurze Geschichte der Rational-Choice-Theorie
    In: Tutic, A. (Hrsg.)
    Rational Choice. Berlin: DeGruyter/Oldenbourg. 2020. S. 3–25.
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  • Voss, T.
    Institutional Design and Human Motivation
    In: Buskens, V.; Corten , R.; Snijders, C. (Hrsg.)
    Advances in the Sociology of Trust and Cooperation. Berlin: DeGruyter. 2020. S. 15–40.
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  • Tutic, A.; Voss, T.; Liebe, U.
    Low-Cost-Hypothese und Rationalität. Eine neue theoretische Herleitung und einige Implikationen.
    Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. 2017. 69 (4). S. 651–672.
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weitere Publikationen

Soziologische Theorie und Theoriegeschichte:

  • Grundzüge der Soziologie I (Vorlesung, BA 1. FS)
  • Grundzüge der Soziologie II (Vorlesung, BA 2. FS))
  • Ausgewählte Themen der Mikrosoziologie (Vorlesung)
  • Ausgewählte Themen der Makrosoziologie (Vorlesung)
  • Soziologische Theoriegeschichte im Überblick (Vorlesung)
  • Theoriebildung und Hypothesenableitung (Vorlesung, MA 1.FS)
  • Seminare zu verschiedenen Fragestellungen: Normen, Institutionen, Klassiker, Soziale Integration und Gruppensolidarität, Kollektive Güter und kollektives Handeln, Grundlagen der Sozialtheorie, Karl Poppers Theorie der "offenen Gesellschaft", Behavioral Game Theory, usw.

Methoden empirischer Sozialforschung und Statistik:

  • Empirisches Forschungspraktikum I/II (Hauptstudium)
  • Angewandte Regressionsanalyse
  • Wissenschaftstheorie

Organisationssoziologie

  • Einführung in die Organisationssoziologie (Seminar, BA)
  • Interorganisationsbeziehungen

Wirtschaftssoziologie (Seminar, BA)

Soziologie des Arbeitsmarktes (Seminar, BA)


  • Die Entstehung sozialer Normen

    Normen sind wichtig, um Kooperations-und Verteilungsprobleme auf verschiedenen Ebenen zu lösen. Sie tragen zur Entstehung und Aufrechterhaltung sozialer Ordnung („Hobbes‘Problem“) bei, können aber ebenso Konflikte, zum Beispiel Verteilungskonflikte, auslösen. In diesem Seminar werden Normen vorwiegend aus der Perspektive ihres Beitrags zur Lösung von Kooperationsproblemen betrachtet.

  • Kollektive Güter und kollektives Handeln

    Die Frage nach den Bedingungen, unter denen Individuen bereit sind, zur Herstellung von Kollektivgütern beizutragen, berührt zentrale Problembereiche der Sozialtheorie und der soziologischen Theorie. Der Grund ist, dass so unterschiedliche Gegenstände wie das sog. „Hobbessche Problem“ der „sozialen Ordnung“, Kooperationsnormen, die Bildung und die Leistungen von Interessengruppen wie Gewerkschaften oder politischer Protest mit der Herstellung von Kollektivgütern verbunden sind.

  • Soziologie des Arbeitsmarktes

    Es werden grundlegende Kenntnisse der Arbeitsmarkttheorie vermittelt und einige spezielle, soziologisch relevante Anwendungen behandelt (zum Beispiel: Diskriminierung von Minoritäten, Geschlechtsspezifische Lohnunterschiede). Die Arbeitsmarktforschung ist interdisziplinär, jedoch naturgemäß stark durch ökonomische Ideen geprägt. Deshalb ist es notwendig, auch ökonomische und besonders neoklassische Überlegungen einzubeziehen.

  • Aspekte der Wirtschaftssoziologie

    Das Seminar beruht auf der Annahme, dass soziologische und ökonomische Perspektiven nicht zwingend in einer Relation der Theorienkonkurrenz stehen, sondern zueinander komplementär sind. Diese Komplementarität ergibt sich daraus, dass beide Disziplinen - jedenfalls teilweise - durch gemeinsame methodologische und theoretische Auffassungen geprägt sind: In beiden Fächern werden (wenn auch häufig eher implizit) handlungstheoretische Vorstellungen der Rational-Choice-Theorie angewendet.

  • Einführung in die Organisationssoziologie

    Der Kurs liefert eine erste einführende Übersicht zu Fragestellungen Theorien und empirischen Befunden der Organisationssoziologie. Behandelt werden u.a. folgende Gegenstände: Organisationen als korporative Akteure, Transaktionskosten, Webers Bürokratiekonzeption, Kontingenztheorie, Neuer Institutionalismus, Evolutionäre Theorien, Gründung und Mortalität von Organisationen.