Framing Big Data: Mediale Deutungsangebote und kommunikative Meinungsbildung zu großen Datenmengen und neuen datenbasierten Prozessen.

Quelle: UPC School

Wie werden aggregierte Daten und neue datenbasierte Prozesse in den Medien geframed?

Das Projekt untersucht, wie große Datenmengen und darauf basierende Prozesse medienkommunikativ gerahmt werden. Es rekonstruiert auf breiter Materialbasis in komparativer Perspektive das Framing von Big Data. Dabei werden drei Ebenen miteinander verknüpft: Erstens werden die Frames in professionellen Kommunikationsformen mit denen in partizipativen Kommunikationsformen verglichen. Die Einflussbeziehungen zwischen diesen redaktionell-journalistisch produzierten bzw. nutzergenerierten Frames werden zweitens im Zeitverlauf nachvollzogen. Die Untersuchung dieser Prozesse erfolgt drittens im Ländervergleich von Deutschland, den USA und Südafrika.

Damit adressiert das Projekt drei wesentliche Leerstellen, um kulturelle Sinnstiftung im Kontext expansiver Datafizierungsvorgänge zu verstehen: Erstens erfasst es im Kommunikationsformvergleich das Repertoire an Deutungen von Big Data. Zweitens exploriert es im Zeitvergleich die dynamische Entfaltung des Diskurses über Big Data. Drittens diskutiert es im Ländervergleich die Varianz an Perspektiven auf Big Data.

Um die drei Forschungsziele zu erreichen, nutzt das Projekt ein Mehrmethodendesign. Die Kombination von Daten und Methoden erlaubt die komparative Erfassung von Medienframes und des zeitlichen Zusammenhangs von journalistischen und nutzergenerierten Beiträgen. Es umfasst die qualitative Voranalyse sozio-politischer Themen- und Darstellungsaspekte. Aufbauend darauf erfolgt die Erhebung der Pressetexte. Mit diesem Material werden Schlüsselereignisse als solche Phasen induktiv identifiziert, in denen das Volumen an thematisch einschlägigen Artikeln signifikant zunimmt. Die so bestimmten Schlüsselereignisse dienen dann als Kriterium für das Sampling der nutzergenerierten Kommunikation. Im Anschluss erfolgt die manuell-inhaltsanalytische Erfassung der verbal und visuell manifestierten Frames im Korpus der Pressetexte und im Korpus der nutzergenerierten Kommunikate.

Im nächsten Schritt werden die Diskurszusammenhänge zwischen beiden Korpora im Zeitverlauf exploriert. Im Ländervergleich werden die Ähnlichkeiten und Unterschiede der Deutungen von und Diskurse um Big Data komparativ diskutiert.

Das Projekt erbringt folgende drei Ergebnisse:

Erstens: Bestimmung des domänenspezifischen Repertoire an Medienframes um Big Data. Dabei berücksichtigt es deren multimodale, Text und Bild umfassende Konstitution in professionellen und partizipativen Kommunikationsformen.

Zweitens: Rekonstruktion der diskursiven Deutungsprozesse zu neuartigen Datenmengen und datenbasierten Prozessen. Es verfolgt die Entwicklung des Themas im Zeitverlauf.

Drittens: Herausarbeitung ländervergleichender Spezifika und Ähnlichkeiten in der Auseinandersetzung mit Big Data. Damit vertieft die komparative Analyse das Verständnis der sich entwickelnden gesellschaftlichen Beschäftigung mit dem diffusen Handlungsfeld Big Data und der Deutung der damit in Verbindung gebrachten Prozesse, Voraussetzungen, Folgen und Verantwortlichkeiten.

An Publikationen sollen mindestens drei begutachtete Aufsätze in führenden internationalen kommunikationswissenschaftlichen Zeitschriften sowie eine Monografie des Projektteams aus dem Vorhaben hervorgehen.  

Projektleitung

Prof. Dr. Christian Pentzold

Prof. Dr. Christian Pentzold

Universitätsprofessor

Medien- und Kommunikationswissenschaft
Zeppelinhaus
Nikolaistraße 27-29, Raum 5.05
04109 Leipzig

Telefon: +49 341 97-35701
Telefax: +49 341 97-35749

Projektmitarbeiter

Dr. Charlotte Knorr

Dr. Charlotte Knorr

Wiss. Mitarbeiterin

Medien- und Kommunikationswissenschaft
Zeppelinhaus
Nikolaistraße 27-29, Raum 5.13
04109 Leipzig

April 2021 bis März 2024

Das Projekt wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.