Datum/Uhrzeit:
Ort: Villa Tillmanns, Wächterstr. 30, Raum 06

Ein Workshop mit Christopher Schuringa.

Vortragende:

Alec Hinshelwood (Leipzig)

Dawa Ometto

Christopher Schuringa (London)

Anna Lena Weyand (Leipzig)

 

Marx begann seinen intellektuellen Werdegang unbestreitbar als Philosoph. Das Thema seiner Dissertation war die antike griechische Philosophie, und darüber hinaus wurde sein Frühwerk entscheidend durch die intensive Auseinandersetzung mit den Werken von Aristoteles, Hegel und Feuerbach geprägt. Was aus Marxfrüher Selbstidentifikation mit der Philosophie im späteren Verlauf seines Werks wurde, ist jedoch umstritten. Einige haben argumentiert, Marx habe versucht, die Philosophie hinter sich zu lassen, sei aber gescheitert, da er sich weiterhin auf „normative“ Konzepte stützte. Andere haben behauptet, er habe erfolgreich einen „epistemologischen Bruch“ vollzogen, durch den die Philosophie einer neuen, bis dato unbekannten Wissenschaft Platz machte.

Im Workshop soll ein anderer Vorschlag zum Verständnis der Beziehung von Marx zur Philosophie diskutiert werden, den Christopher Schuringas demnächst erscheinendem Buch Karl Marx and the Actualization of Philosophy zugrunde liegt. Schuringa zufolge wollte Marx weder die Philosophie aufgeben noch sie in eine neue Wissenschaft verwandeln. Sein Projekt war vielmehr durchgängig das der „Verwirklichung der Philosophie“ – eine Idee, die bereits in seiner Dissertation vorhanden ist. MarxProjekt auf diese Weise zu verstehen, verändert u.a. unser gewohntes Verständnis des Verhältnisses zwischen Hegel und Marx. Marx stand, im Vergleich mit anderen Junghegelianern, viel näher an Hegel, unterwarf ihn aber gerade auch einer viel tiefgreifenderen Kritik: Hegels eigene Konzeption der Philosophie als Einheit von Begriff und Wirklichkeit fordere zwar die Verwirklichung der Philosophie, seine philosophische Arbeit kam diesem Anspruch aber nicht zurecht. Im Lichte der Verwirklichung der Philosophie liegt Hegels Anspruch auf das was Marx als „selbstständige“ Philosophie bezeichnet, in Trümmern. Relevant ist dies für die heutige Tendenz unter Philosophen, Marx zu hegelianisieren. Eine weitere Konsequenz: Marxreifes (wenn auch unvollendetes) Hauptwerk Das Kapital kann wieder auf eine Art und Weise gelesen werden, die einst weit verbreitet war, aber aus der Mode gekommen ist—nicht als kritische Theorie, sondern als Instrument der Revolution selbst. Es stellt sich heraus, dass ein Werk, das die Philosophie verwirklicht, alles andere ist als ein Werk philosophischer Doktrin.

 

Interessierte sind herzlich eingeladen! Anmeldungen bitte per E-Mail an Atul Satija (atul.satija(at)uni-leipzig.de).