Im Folgenden stellen wir Ihnen die Promotionsprojekte von Doktoranden vor, die von Dozierenden am Institut für Philosophie betreut werden.

Schreibende Studentin
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Promotionsprojekte

 Alphabetisch nach Namen sortiert.

Gegenstand der Arbeit ist der Zusammenhang zwischen Selbstbezug und Objektivität im Rahmen einer idealistischen Zurückweisung des Empirismus, insbesondere sophistizierter Empirismen mit idealistischem Anspruch (bspw. John McDowell).

Die Lokalität des Vollzugs als Grundproblem des Geltungsanspruchs von Wissen in der Monadologie G. W. Leibniz'

Das Dissertationsprojekt bemüht sich anhand der leibnizschen Monadologie um eine Argumentation für die Verbegrifflichung lebendiger Spontanität und kreativer Personalitität als lokal-subjektive Praxisformen und Bedingung einer rationalen, im Sinne einer begründeten oder gerechtfertigten Natur- und Geisteswissenschaft. Sie wendet sich damit gegen jeden wissenschaftlichen Anspruch auf eine ultimative Totalperspektive, wie er Leibniz bisweilen zu Unrecht unterstellt wird. Vielmehr laufen Leibniz' Überlegungen zum Substanzbegriff darauf hinaus, gegen eine bloße Wissenschaft more geometrico den Primat des lokalen Vollzugs als Grundbedingung jeder wissenschaftlichen Geltung anzuerkennen. Das Projekt wird von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert.

Zur Person

In der Dissertation wird gefragt, wie Erkenntnistheorie möglich ist. Diese Frage wird in der gegenwärtigen Forschung zumeist übergangen. Sofern die Frage doch gestellt wird, sieht sich die gegenwärtige Erkenntnistheorie vor ein Dilemma gestellt, das mit dem Umstand verbunden ist, dass sie wesentlich Selbsterkenntnis sein soll: Entweder kann verständlich gemacht werden, wie die Erkenntnistheorie objektiv-wahre Selbsterkenntnis sein kann, aber dann kann nicht verstanden werden, wie derjenige, der Erkenntnistheorie betreibt, Erkenntnis von sich Selbst erwirbt. Oder es kann verständlich gemacht werden, wie es sich bei der Erkenntnistheorie um Selbsterkenntnis handelt, aber dann kann nicht mehr verstanden werden, wie das Resultat der Erkenntnistheorie eine objektiv-wahre Erkenntnis zu sein vermag.

In Hegels Phänomenologie des Geistes wird eine Antizipation der gegenwärtigen Problematik erkannt, die sowohl das Dilemma sieht, als auch auf diese eine eigenständige und heute vergessene Antwort gibt. Diese Antwort soll entwickelt werden, indem in einem ersten Schritt der gegenwärtige Diskurs am Leitfaden des Gangs von Hegels Phänomenologie rekonstruiert und kritisiert wird. Sodann wird in einem zweiten Schritt Hegels eigener Vorschlag zur Lösung des Dilemmas geprüft. Dieser besteht darin, die Selbsterkenntnis als Er-Innerung zu denken und sie somit zugleich als selbstbezüglich und als objektiv-wahr zu konzipieren.

Zu Verantwortung und Pflichten von Institutionen in Bezug auf das Weltarmutsproblem

Diese Dissertation befindet sich im Gebiet der praktischen Philosophie und Sozialontologie und versucht die Frage zu beantworten, welche moralischen Verantwortungen und Pflichten in Bezug auf das Weltarmutsproblem den politischen und sozioökonomischen Institutionen zugeschrieben werden können. Aus diesem Grund befasst sie sich mit der Möglichkeit, dass im Kontext der Globalisierung den politischen und sozioökonomischen Institutionen bestimmte moralische Verantwortungen zugeschrieben werden können, aus denen moralische Pflichten für die Lösung des Weltarmutsproblems festgelegt werden können.

Die Arbeit hat zwei Teile, die als „sozioontologisches“ und „ethisches“ Ziel zusammengefasst werden können. Der sozialontologische Teil knüpft an die Diskussion um moralische kollektive Akteure an, wo es darum geht, klarzustellen, inwiefern der Ausdruck „Institutionen“ eine Art moralischer Akteur darstellt, der sich von der Summe der subjektiven Moralitäten aller Mitglieder einer Institution unterscheiden kann. Im ethischen Teil der Arbeit werden die Hauptbegriffe im Rahmen der philosophischen Diskussion um Weltarmut behandelt, nämlich, Verantwortung und Pflicht. Der ethische Teil setzt sich dann mit der aktuellen Debatte auseinander, inwiefern und unter welchen Umständen kollektive Akteure (Institutionen) verantwortlich für die Weltarmut sein können, beziehungsweise ob sie gewisse Pflichten in Bezug auf Weltarmut zu erfüllen haben.

Zur Person

 

The Kantian Pedagogic Tension as a Paradox of Autonomy

At the heart of my project is an attempt to address a critical problem whose roots extend to the very beginning of the history of ethics: the question of whether or not virtue can be taught. I engage a particular iteration of the problematic, namely the apparent contradiction between moral education and moral autonomy, which is referred to in the philosophy of education as the „Paradox of Moral Education”. Specifically, the project explores the paradox as it is expressed as a radical incongruity between Kant’s philosophy of moral education and his moral philosophy, which I call the „Kantian Pedagogic Tension”. My work demonstrates that the tension which arises between the two is a manifestation of the more fundamental problem of the Paradox of Autonomy and, understood as such, can be resolved by rethinking what it means for autonomy to function as the cornerstone of moral agency.
My work puts forward a singular response to all four matters—the Paradox of Autonomy, the Kantian Pedagogic Tension, the Paradox of Moral Education, and the question of the teachability of virtue—which are at play with each other: that the unity of law and freedom characteristic of Kantian moral autonomy provides a sufficient framework to dispel these tensions. That is to say, my approach to resolving the paradoxes is to demonstrate that there are no paradoxes at all. I argue that the centrality of freedom as autonomy to the concept of moral agency neither precludes the possibility nor diminishes the importance of moral education in the formation of moral agents. It is my contention that the Kantian Pedagogic Tension only arises as a result of a commitment to a particular understanding of laws of autonomy, namely the widespread conception of it as characterized by its origin, and that an alternative interpretation of it, specifically as characterized by its form, can undermine the contradiction. Interpreting autonomy in the latter manner makes the concept of moral education not only possible but also redeems its necessity. This way, moral education avoids being an absurd process by which one heteronomously shapes autonomy and instead is a continuous, singular practice of freedom.
My project takes one step towards telling the socio-historical story of the development of Kantian moral autonomy, which the apriority of Kant’s moral philosophy is understood as interdicting. The unity of freedom, self-consciousness, and reason in Kant’s thought, however, requires that we rethink not only the function of moral education and the nature of freedom but also the constitution of self-consciousness and reason. In awarding moral education an integral role in the realization of a moral agent’s autonomy, one necessarily also tells a socio-historically situated developmental story of self-consciousness and reason as these three burgeon in a singular movement.

Zur Person

Das Thema des Promotionsvorhaben beschäftigt sich mit der Analogie von Computer und geistigen Fähigkeiten der Menschen. Die aktuelle Entwicklung der KI-Forschung und deren technische Umsetzung erfordern einen systematischen Blick auf den Begriff der künstlichen Intelligenz und auf die Digitalisierungsprozesse der Lebensbereiche. Das Ziel der Arbeit ist es, die Bedingungen der Möglichkeit künstlicher intelligenter Agenten zu untersuchen und die gesellschaftliche Relevanz zu erläutern.

Im ersten Teil der Arbeit werden der Stand der Computertechnologie, die Forschungsdisziplin der künstlichen Intelligenz, und die durch die semantischen Technologien digitalisierte Vernetzung in den Fokus genommen. Die Verwendungsweise der Computeranalogie wird analysiert, um das Selbstverständnis der menschlichen kognitiven Fähigkeit zu thematisieren. Ein nachvollziehbarer Intelligenzbegriff wird untergesucht, der sich auf eine pragmatische Zusammensetzung von Form und Inhalt des Informationsbegriffs bezieht. Im zweiten Teil wird die Diskussion der Intersubjektivität und der inferenziellen Theorie geführt, die als grundlegende Bedingungen der geteilten Wissensform und der darauf basierenden sozialen Interaktionen betrachtet werden. Die Verfahren des pragmatischen Wissens lassen sich als Rechtfertigungsbeziehungen im sozialen normativen Raum begreifen. Schließlich wird überprüft, wie diese Verfahren für soziotechnische Infrastrukturen zu Verfügung stehen könnten, und wie den darauf bestehende Agenten als Teilnehmer der Sozialpraxis relevante Verpflichtungen einzugehen möglich wird.

Zur Person

Philosophische Analysen zu Konzept und Praxis des Transnationalen

Im Promotionsvorhaben werden die Bedingungen, Formen, Möglichkeiten und Grenzen des Transnationalen untersucht. Zum einen wird damit beabsichtigt, eine ausführliche Analyse des Begriffs des Transnationalen sowie seiner einzelnen Dimensionen Transkulturalität, Translokalität, Transstaatlichkeit, Transnationalismus und Postnationalität vorzulegen. Zum anderen soll mit der Analyse von Konzept und Praxis des Transnationalen das inhaltliche und argumentative Potential des Transnationalitätsbegriffs ausgelotet werden. Für beide Ziele gilt im Promotionsvorhaben die Annahme, dass zu einer Weiterentwicklung des Transnationalitätskonzepts die Frage nach transnationalen Bewusstseinsformen sowie die Frage nach der Handlungsmächtigkeit und/oder Subjektivität der Akteure (agency) dringend gestellt werden müssen. Eine These lautet dabei, dass der Begriff des Bewusstseins sich als Mittelbegriff zwischen transnationaler (individueller) Praxis und Transnationalität als Konzept erweisen könnte. Die zentralen Fragen, die mit der Arbeit beantwortet werden sollen, sind: Wie ist der Zusammenhang zwischen den verschiedenen Dimensionen des Transnationalen? Wie formiert sich und wie wirkt transnationale agency? Welche Rolle(n) spielt transnationales Bewusstsein? Wie ist das transnationale Modell im Globalisierungsdiskurs zu verorten? Lassen sich die Erkenntnisse für eine „translokale Argumentation” fruchtbar machen, und wie gestaltet sich Transnationalität als Argument?

Das Ziel der Arbeit ist es, Schellings Begriff der negativen und positiven Philosophie zu definieren. Anhand der gewonnen Unterscheidung ist der Begriff der negativen Philosophie in seiner Funktion als Kritikfigur an den zentralen philosophischen Positionen der Neuzeit (vor allem an den Philosophien Kants und Hegels) vorzustellen und überdies aufzuzeigen, inwieweit der Begriff auch in den daran anschließenden Diskussionen um Hegel in der neueren Zeit eine aufklärende Rolle spielen kann. Im Gegenzug ist der Begriff der positiven Philosophie als Projekt einer aufhebenden Alternative zur negativen Philosophie vorzustellen und zu bewerten, inwieweit sich dieser in der zeitgenössischen Debatte als fruchtbar erweisen kann.
Mein Dissertationsprojekt ist dem Gebiet der theoretischen Philosophie zuzuordnen und der Tradition der systematisch-analytischen Philosophie verpflichtet. Die Themen der Arbeit lassen sich mit folgenden Stichwörtern charakterisieren: Erkenntnistheorie, Naturphilosophie, Religionsphilosophie und Phänomenologie.
Etwaige historische Bezüge werden im Rahmen der Arbeit lediglich insoweit miteinbezogen, als diese dazu dienen, die Kontinuität bestimmter systematischer Probleme und Denktraditionen zu verdeutlichen. Den systematischen und historischen Rahmen der vorzunehmenden Überlegungen bildet vornehmlich die europäische Philosophie des 17., 18. und 19. Jahrhunderts.

Feindliche Brüder? - Lehren aus einem Vergleich von Adorno und Foucault für eine kritische Theorie zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Dissertation im Bereich Sozialphilosophie, die von Prof. Thomas Kater betreut wird und sich mit zentralen Begriffen in den Werken von Theodor W. Adorno und Michel Foucault befasst. Unter der Zielsetzung der Entwicklung von Aktualisierungspotentialen für eine kritische Gesellschaftstheorie werden drei Kraftfelder untersucht, die durch die Spannung zwischen den Begriffspaaren Macht und Gewalt, Wissen und Ideologie sowie Identität und Subjektivierung entstehen. Dabei wird von der Annahme ausgegangen, dass eine Gemeinsamkeit im Problem besteht, die ein systematisches Inbezugsetzen im Sinne der Kritischen Theorie ermöglicht. Gleichwohl versprechen aber die Differenzen die eigentlich erkenntnisfördernden Ansatzpunkte für die anzustrebenden Aktualisierungen zentraler Konzepte der Sozialtheorie zu sein, die auch in die Breite der sozialen Bewegungen wirken können.

Zur Person

 

Die posthegelianische Debatte über die philosophische Christologie

Das Promotionsvorhaben versteht sich als ein philosophiehistorisches Projekt, das im Umkreis einer signifikanten Lücke in der deutschen Philosophiegeschichtsschreibung intervenieren möchte, auf welche stößt, wer nach den Spuren einer Rezeption jener Debatten sucht, die im Anschluss an die Philosophie von Hegel von Philosophen und Theologen über die Frage des Gottmenschentums, die Personalität Gottes, die Unsterblichkeit der Seele und die religiöse Legitimation der preußischen Staatsform (Stichwort: Christlicher Staat) geführt werden. Die Arbeit lässt sich thematisch an der Schnittstelle von Politischer Philosophie und Theologie bzw. philosophischer Theologiekritik verorten. Sie möchte den Nachweis erbringen, dass die politisch motivierten Religionskritiken der Linkshegelianer ohne eine Rückbindung an die seinerzeit geführten religionsphilosophischen Debatten nicht angemessen begriffen werden können. Dazu sollen die religionskritischen Überlegungen von David Friedrich Strauß, Bruno Bauer, Ludwig Feuerbach und Max Stirner vor dem Hintergrund dieser Debatten interpretativ erschlossen und hinsichtlich ihrer inneren Systematik (Strauß’ mythentheoretische Fundierung, Bauers geschichtsphilosophische Wende, Feuerbachs anthropologische Wende, Stirners sprachkritische Wende) rekonstruiert werden. Darüber hinaus soll nach analogen Denkfiguren in den Theologischen Jugendschriften von Hegel gesucht sowie der Einfluss der linkshegelianischen Religionskritik auf das Werk von Marx diskutiert werden.

Die Arbeit möchte die Debatte über die Folgen von Hegels Philosophie inhaltlich voranbringen, insbesondere im Hinblick auf die Frage nach den Gründen für den von den Linkshegelianern eingeleiteten und von Marx schließlich vollzogenen Übergang von der Theorie zur Praxis..

Zur Person

Erkenntnisformen der Wissenschaft – Zur Eigenständigkeit der Philosophie von Moritz Schlick

Der Physiker und Philosoph Moritz Schlick, wurde im Alter von nur 54 Jahren ermordet. Sein Vorhaben, ein umfangreiches Werk zu verfassen, das seine philosophische Position im Gesamtbild darstellt und sein frühes Hauptwerk, die Allgemeine Erkenntnislehre, ersetzt, konnte er nicht mehr in die Tat umsetzen. Welche Ansätze des frühen Schlicks hätte der späte Schlick weiterhin vertreten? Welche Ideen hätte er weiterentwickelt und welche verworfen? War er lediglich ein „Sprachrohr“ Ludwig Wittgensteins oder hat er einen eigenständigen philosophischen Standpunkt entwickelt, der im Dunstkreis seines großen Idols nur verschwommen wahrgenommen wurde?

All diese Fragen sind Gegenstand einer umfangreichen Debatte um die Kontinuität und Eigenständigkeit der Zentralfigur des sog. Schlick-Zirkels, der heute als „Wiener Kreis“ bekannt ist. Ziel der Arbeit ist es, Schlicks Erkenntnisphilosophie des „Wiederfindens“, der „Struktur“ und des „Genialen Ratens“ als eine Philosophie der „Erkenntnisformen der Wissenschaft“ zu rekonstruieren und konsequent zu Ende zu denken.

Das Projekt wird von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert und von Apl.-Professor Ingolf Max betreut.

Zur Person

Genealogie der modernen Natur. Zu Natur und Politik bei White und Hobbes

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang von Politik und Naturphilosophie bei den zwei frühneuzeitlichen Autoren Thomas White und Thomas Hobbes. Sie bearbeitet dabei bisher unberücksichtigtes Quellenmaterial in der Auseinandersetzung zwischen modernen naturwissenschaftlichen Methoden und Erkenntnissen auf der einen Seite mit klassisch aristotelischen Positionen auf der anderen Seite. Der erkenntnishorizont bei der Interpretation der Quellen stützt sich auf die von Thomas Kuhn festgestellte Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. Die Interpretation über Hobbes' Philosophie der Natur und ihr Zusammenhang mit der politischen Theorie ist stark an Thomas Spragens "Politics of Motion" angelehnt. Es soll der Versuch unternommen werden, die philosophischen Systeme Hobbes' und Whites als zwei alternative Gestalten moderner Naturbegriffe zu lesen und sie auf die Implikationen hin zu untersuchen, die ihre Naturbegriffe auf die Organisation des Staates und der Gesellschaft haben.

Zur Person

Methoden im Philosophie- und Ethikunterricht – eine kritische Untersuchung der Ziele, Inhalte und Verfahren eines wertereflektierenden Unterrichtes

Die Forschungsarbeit ist motiviert durch die Konzeptionen aktueller Lehrwerke für den Ethik- und Philosophieunterricht. Diese beabsichtigen, den Ansatz der Kompetenzorientierung zu realisieren. Fachdidaktisch ist dies insofern problematisch, als es im Wesentlichen zwei unterschiedliche, mehr oder weniger gut begründete Auffassungen zum Verständnis und zur Umsetzung der Kompetenzorientierung gibt. Diese Konzeptionen sollen zunächst rekapituliert und kritisch kommentiert werden. Dabei ist zu klären, welchen Beitrag der Ethik- und Philosophieunterricht für das Bildungs- und Erziehungswesen leisten kann und leisten soll.

Diese bildungsphilosophische Erörterung soll didaktische Prinzipien liefern, welche es erlauben, die bestehenden Verfahren für den Ethikunterricht (phänomenologische, dialektische, hermeneutische, analytische und spekulative Methode) kritisch zu prüfen. Schlussendlich werden aus diesen Ergebnissen die Kriterien entwickelt, welche zur Beurteilung der Qualität der Lehrwerke konsultiert werden können. Der entstehende Kriterienkatalog wird zur Beurteilung der gängigen Lehrwerke verwendet werden. Dabei wird sich herausstellen, ob die Lehrwerke den fachdidaktischen Anforderungen genügen und welche Veränderungen vorgenommen werden müssten, um den didaktischen Prinzipien, den Ansprüchen und Zielen des Ethik- und Philosophieunterrichts zu genügen.

Die Einheit praktischer Rationalität: Recht und Moral bei Kant

Die Dissertation ist ein philosophisches Forschungsprojekt an der Schnittstelle von Moral- und Rechtsphilosophie. Seine Grundlage besteht in einer Spannung im Verhältnis von Moral und Recht: Einerseits handelt es sich um zwei irreduzible normative Ordnungen. Moral lässt sich nicht auf Recht und Recht nicht auf Moral reduzieren. Andererseits aber setzt eine philosophische Theorie praktischer Normativität, insofern sie das Phänomen praktischer Normativität als einheitlichen Forschungsgegenstand betrachtet, einen Zusammenhang von Moral und Recht voraus. Die sich daraus ergebende Frage nach Einheit und Differenz von Moral und Recht ist für uns als Handelnde, die sich an Vorgaben beider gebunden betrachten, fundamental: Sie ist die Frage nach der praktischen Einheit des Subjekts, welches wir sind. Ich möchte diese Frage in Rückgriff auf Immanuel Kant, als paradigmatischem Vertreter einer Theorie praktischer Normativität, welche den Begriff Moral mit dem des Rechts verbindet, klären.
In der Diskussion um Kant ist das Verhältnis von Recht und Moral jedoch notorisch unklar: Die Metaphysik der Sitten artikuliert den Anspruch, Moral und Recht als Elemente einer Theorie praktischer Normativität zu erläutern, aber es ist ungeklärt, wie sie ihn einlöst. Die systematische Frage ist auf diese Weise mit der exegetischen verbunden. In der Klärung der systematischen Frage wird zugleich, weil rechtliche Normen eine Verhältnis von Agent*innen zueinander voraussetzen, die Frage nach der Bedeutung von Intersubjektivität für die praktische Philosophie Kants gestellt. Als Konsequenz der Einheit von Recht und Moral muss auch das moralische Prinzip, der Kategorische Imperativ, in dieser Weise als Bestimmung für Wesen in einem sozialen Zusammenhang, bzw. einen solchen hervorbringend, gedacht werden. In Auseinandersetzung mit Kant-Lesarten, die dies bestreiten, ist das Ziel zu zeigen, dass diese sowohl interpretatorisch als auch systematisch unbefriedigend sind. Ich werde eine alternative Interpretation entwickeln, die einerseits eine gelingende Deutung von Kant zu liefern vermag und andererseits eine überzeugende Antwort auf die Frage nach der Einheit unserer praktischen Rationalität gibt.

Das Promotionsvorhaben wird von Frau Professorin Andrea Kern betreut.

Zur Person

Das Promotionsprojekt trägt den Arbeitstitel „Die Negation gibt es nicht“ und behandelt die uralte Ambition, eine Definition der Negation leisten zu wollen. Es soll gezeigt werden, dass diese Ambition notwendig frustriert werden muss, da in jedem Versuch, die Negation philosophisch zu fassen, die Negation vorgestellt werden muss, wodurch sie (wenn auch in der abstraktest möglichen Weise) vergegenständlicht wird. Aus dieser Vergegenständlichung ergeben sich die klassischen Rätsel rund um die Negation, die Falschheit und das Nicht-Sein. Diese Rätsel lösen sich erst auf, wenn man versteht, dass die Negation nichts ist, das verstanden oder erklärt werden kann, wenn man also versteht, dass es die Negation in einem ganz grundlegenden Sinne nicht gibt.

Zur Person

Über die Grundlagen graphischen Schließens – Ein Beitrag zu intuitiven Lehrformen im Bereich der Mathematik

Charles Sanders Peirce (1839 - 1914) kritisierte die Zeichensprache der Logik dahingehend, dass den Zeichen, die wir verwenden, ihre Bedeutung lediglich durch Konvention bzw. Definition zukomme. Dieser Idee folgend entwickelte er eine Vielzahl an graphischen Kalkülen, allen voran die Existential Graphs. Diese Graphen beinhalten: die Alpha Graphs (für die klassische Aussagenlogik), die Beta Graphs (für die Prädikatenlogik erster Stufe) und die Gamma Graphs (für eine aussagenlogische Modallogik). Obgleich diese Logiken verglichen mit anderen Formen (u.a. Hilbert-Kalküle, Systeme des natürlichen Schließens), wesentliche Unterschiede in der Funktionsweise aufweisen, sind Vollständigkeit und Korrektheit auch für die drei graphischen Kalküle relativ zu ihrer jeweilige Semantik beweisbar. Darüber hinaus liegt ihnen eine sprachphilosophisch motivierte Theorie, die Semiotik, zugrunde. Drei Annahmen sind für meine Arbeit basal: 1) Graphen sind wesentlich schlichter, d. h. es werden weniger Formelzeichen benötigt. 2) Die Formelzeichen und die Regeln der Graphen sind intuitiv zugänglicher. 3) Somit ergibt sich ein enormer didaktischer Nutzen, denn graphische Kalküle lassen sich wesentlich leichter in der Lehre vermitteln. Meine Arbeit umfasst dementsprechend folgende dreifache Fragestellung: Lassen sich im Stile der Peirceschen Graphen auch Kalküle für die intuitionistische Aussagenlogik entwickeln, die (a) adäquat sind, denen (b) eine Semiotik zugrunde liegt und die (c) folglich leichter in der Lehre vermittelbar sind?

Zur Person

What could it mean for knowledge to result from acts of intellectual virtue? The goal here is to analyze this central tenet of virtue epistemology, and to reflect on it in light of recent challenges. Both “feminist standpoint epistemology” and the debate about “relational autonomy” have lately reminded us of concerns with the very constitution of epistemic subjects: There is no equal access to the knowledge that is virtue. Given these concerns with epistemic injustices, one central issue the project will then address is the appropriate level of analysis for epistemic virtues: We may not be able to hold a subject accountable for her beliefs, if either subpersonal or structural factors are operative in bringing them about. With Kvanvig I will thus argue in favor of an analysis on the level of the epistemic community. I will close with a discussion of the question of how intellectual virtues could be inculcated within a community.

Zur Person

Artikulierte Einheit. Kants Wende zum Selbstbewusstsein als Methode kritischer Metaphysik

Die Arbeit widmet sich der Frage, worin die primäre Methode der Philosophie bestehen sollte. Philosophie in ihrem grundlegenden Anliegen ist hier als Metaphysik zu verstehen: als Versuch, herauszufinden, wie es auf allgemeinste Weise mit den Dingen steht und wie sie mit unserem Denken zusammenhängen. In der gegenwärtigen Debatte gibt es zwei methodologische Grundausrichtungen hinsichtlich dieser Aufgabe – den Ansatz der Systematizität und den der Explikation. Für Vertreter:innen eines systematischen Verständnisses ist es Aufgabe der Philosophie als wissenschaftlicher Disziplin, eine explanatorisch überzeugende Theorie vorzulegen, um unser Wissen über ihren Gegenstand zu erweitern – in diesem Fall über den allgemeinsten und grundlegendsten Zusammenhang der Dinge mit unserem Denken. Vertreter:innen des explikativen Ansatzes hingegen sehen hierin eine Verwirrung: Die Philosophie hat ihnen zufolge keinen eigenen Gegenstand, über den es Wissen zu erwerben oder zu erweitern gäbe. Vielmehr muss das Verständnis, nach dem die Philosophie sucht, in einer übersichtlichen und luziden Darstellung dessen liegen, was wir alle bereits wissen, sofern wir Denker:innen sind – es geht allein darum, explizit zu machen, was implizit bereits vorliegt.

Diese methodologische Diskussion prägt neuerdings auch die Debatte darüber, wie Kant richtig zu deuten ist: Entgegen der klassischen Sichtweise auf ihn als mustergültigen Systemdenker wird jüngst wiederholt die Auffassung stark gemacht, das Anliegen seiner Kritik der reinen Vernunft sei eine Diagnose und Explikation unseres Denkens. Diese soll den Verlockungen der klassischen Metaphysik gerade eine Alternative entgegensetzen. Die Hauptthese der Arbeit lautet, dass Kant die derzeitige Streitkonstellation nicht nur antizipiert, sondern bereits eine ingeniöse Auflösung für sie bietet: In seinem Ausgang von der Einheit des Selbstbewusstseins fallen beide Pole zusammen. Metaphysische Systematizität und diagnostische Explikation sind nur als dialektische Wechselmomente eines einzigen philosophischen Unterfangens zu verstehen und zu erreichen: der artikulierten Einheit des menschlichen Denkens.

Zur Person

Die Ausrichtung der Kognitionswissenschaften. An der Schwelle zu einer Erneuerung aristotelischer Methodik zur interdisziplinären Erforschung der menschlichen Kognition in Folge der Frage ‚Warum wir kooperieren’

Die Erforschung der menschlichen Kognition hat sich als interdisziplinäres Forschungsfeld etabliert und auch gerade hier in Leipzig tragen viele Forschungszentren zum Erkenntnisgewinn der kognitiven Anthropologie bei. Die Philosophie beschäftigt sich dabei zumeist analytisch mit konkreten begrifflichen oder methodischen Fragen und als Philosophische Anthropologie betont sie, dass es eine holistische, nicht reduktive Sicht auf den Menschen benötigt, um ihn als solchen verstehen zu können. In meiner Arbeit unternehme ich unterdessen den Versuch, eine differentielle Anthropologie zu entwerfen, die einen interdisziplinären Dialog im Feld der Kognitionswissenschaften ermöglicht. Dabei berücksichtige ich den methodisch gerechtfertigten Reduktionismus der Einzelwissenschaften und erarbeite ein Konzept, das es trotz dieser Reduktionismen ermöglicht, produktiv an einem gemeinsamen Anliegen innerhalb der Kognitionsforschung interdisziplinär zu arbeiten. Konkret bringe ich dabei die Thesen Michael Tomasellos in einen Dialog mit zentralen psychologischen Thesen des Aristoteles. Ziel dabei ist es, die Frage Tomasellos ‚Warum wir kooperieren’ – in einer aristotelischen Leseweise – als Leitfrage in der kognitiven Anthropologie zu untermauern.

Zur Person

Kinder im Alter von ca. drei Jahren sind neugierig und stellen häufig Warum-Fragen. In meiner Arbeit gehe ich der Frage nach, wie sich die wissenschaftliche Neugier und das menschliche Erklärungsdenken allgemein und präzise beschreiben lassen. An den spontanen Warum-Fragen von Kindern in Alltagssituationen und den daraus sich entspinnenden Dialogen mit erwachsenen Bezugspersonen lässt sich zeigen, dass Kinder beim Aufwerfen ihrer Warum-Fragen jeweils immer einen bestimmten logisch-semantischen Typ von Erklärung antizipieren. Die Unterscheidung von logisch-semantischen Typen bei Warum-Fragen erweist sich dann als hilfreich, um in der Wissenschaftstheorie den Erklärungbegriff genauer zu bestimmen. Verschiedene Theorieansätze, wie etwa der deduktiv-nomologische Ansatz oder die kausalen Theorien der Erklärung, lassen sich durch die Typenunterscheidung vereinheitlichen. In meiner Arbeit argumentiere ich für die These, dass nicht nur die propositionale Struktur unserer Urteile, sondern vor allem der epistemische Zustand, der beim Stellen und Beantworten einer Warum-Frage (mit-)geteilt wird, für das tiefere Verständnis der höheren kognitiven Fähigkeiten des Menschen zentral ist.

Zur Person

Die verschiedenen Bewegungen des Realismus schreiben sich bereits in ihrem Titel einen besonderen Zugang zu einer Realität oder Wirklichkeit zu. Gerade die Begriffe ‚Realität’ und ‚Wirklichkeit’ sind in diesem Zusammenhang jedoch unterbestimmt und dienen vielmehr als Titelwörter in einem Streit zwischen Ismen. In Auseinandersetzung mit dem vermeintlichen Gegner einer realistischen Philosophie – dem Idealismus – bleibt unberücksichtigt, dass wir mit ‚der Wirklichkeit’ schon einen Horizont möglichen Verstehens der präsentischen Realität in Form begrifflich-allgemeiner Sätze voraussetzen.

Es geht in der Auseinandersetzung mit exemplarischen Realismen darum, den Status der jeweiligen Rede über Reales und Wirkliches zu analysieren und das Verhältnis beider Begriffe zu klären. Ein unvermittelter Zugang zum Realen ist dabei ebenso zu kritisieren wie eine vermeintliche Gottesperspektive bzw. der nicht vorhandene Blick von der Seite (sideways on). Eine Zweiwertigkeit, die nur ein klares Bekenntnis zum Realismus oder zum Antirealismus kennt, scheitert bereits an der fehlenden Trennschärfe der Begriffe. Ein realistischer Blick auf Wissenschaft ist vielmehr jenseits der üblichen Realismen sowie jenseits der empiristischer Bewusstseinsphilosophie zu verorten.

Zur Person

This thesis is an attempt of reaching an understanding of human action, via exploring the interconnection between Kant and Anscombe. The aspect of human action that Anscombe is concerned with is intentional action, and although Kant is not explicit in this, his practical philosophy no doubt concerns the same aspect of human action. But intentional action, for both Kant and Anscombe, results from a type of knowledge, and how exactly knowledge produces action is the focus of the present thesis.

This knowledge, for Anscombe, is practical knowledge, i.e. ‘the cause of what it understands’. Crudely, what ‘it understands’ is the teleological order of intentional action, a calculation from means to end. And it is ‘the cause’ because practical knowledge accommodates two types of causality, i.e. efficient and final causality, so that the calculation in question is possible. Thus viewed, Anscombe’s scheme for intentional action does not seem too far away from Kant’s. Not only can the teleological order be found in Kant, but also the two types of causality, notably Kant sets humanity, or freedom, as the final end of the teleological order. Therefore, Kant and Anscombe are not really in disagreement here. In effect, I shall argue that their disagreement, whilst significant, does not affect how they view intentional action as such. However, the defining problem here, I think, is ‘efficient causality’. The thought is that, given that prior actions are connected with later actions teleologically, prior actions are therefore efficient causes of the latter. It is questionable, however, what efficient causes are for Kant and Anscombe, and I suggest, at present stage, that the investigation of efficient causality in Kant and Anscombe will lead to a version of the ‘I do what has not yet happened’ account of action.

My doctoral project will be conducted under the supervision of Prof. Dr. Sebastian Rödl.

Zur Person

Lebendiges Selbstbewusstsein. Hegel über die selbstbewusste Form menschlichen Lebens (Arbeitstitel)

Der Mensch ist ein vernünftiges und ein natürliches Wesen. Vernunft und Natur unterliegen scheinbar ihren jeweils eigenen Gesetzmäßigkeiten, weshalb ihr Verhältnis nicht frei von Spannungen ist. In meiner Dissertation frage ich danach, ob und wie die menschliche Natur selbst als vernünftig begriffen werden kann. Den systematischen Ausgangspunkt der Frage bilden die Transformative Theorie der Rationalität sowie Neo-aristotelische Positionen. Laut dieser Theorien kann Vernunft nicht einfach als eine zusätzliche Eigenschaft verstanden werden, die zu unserer sinnlichen Natur hinzuaddiert wird, vielmehr transformiert sie unsere Natur fundamental. Wie ich jedoch zeigen werde, sehen sich Vertreter*innen dieser Positionen vor ein Dilemma gestellt, welches dem Umstand geschuldet ist, dass sie die Genese der vernünftigen Lebensform als abgeschlossen, bzw. vollkommen betrachten, entweder auf der Ebene der ersten Natur oder auf der Ebene der zweiten Natur des Individuums. In Hegels Philosophie des subjektiven Geistes findet sich meines Erachtens nicht nur bereits eine Antizipation dieser Problematik, sondern auch eine bisher nicht diskutierte Alternative, welche dieses Problem zu lösen vermag. Indem Hegel die Genese des Geistes als eine logische denkt – der Geist entwickelt durch die Hervorbringung seiner eigenen Stufen seinen eigenen Begriff –, ist die spezifische Form menschlichen Lebens auf zweifache Weise vermittelt. Vernünftiges Leben weist eine spezifische logische Form auf, die sich jedoch in unterschiedlichen Lebensformen manifestiert, da die logische Form selbst durch unzählige Transformationen, d.i. Form-Übergänge, vermittelt ist. Es ist in diesem Sinne durchaus richtig, dass das menschliche Leben seine distinkte Form bereits von Anfang an besitzt, es hat sie aber nur als die Form seiner eigenen Transformativität, die durch einen Prozess seiner eigenen Bildung Realisierung erfahren muss.
In meinem Dissertationsprojekt möchte ich in einem ersten Schritt negativ die Antizipation und Kritik der gegenwärtig geführten Debatte in Hegels Philosophie nachzeichnen, um dann in einem zweiten Schritt dessen Alternative positiv zu entwickeln. Hierbei werde ich sowohl eine Kritik am gegenwärtigen Verständnis des Formbegriffs herausarbeiten, als auch zeigen, dass wir die Frage nach der Wirklichkeit und der Einheit geistigen Lebens nur dann vorantreiben können, wenn wir sie auf fundamentalere Weise stellen.

Das Promotionsvorhaben wird von Frau Professorin Andrea Kern betreut.

Zur Person

Minimal Agency – Erforschung früher Körperwahrnehmung und Kontrolle

Wann können Kinder kontrollierte Körperbewegungen ausführen? Das Ziel meines Promotionsprojektes ist es diese Frage mit Verhaltensstudien zu untersuchen und die Ergebnisse mit theoretischen Debatten zu verknüpfen.

Die Fähigkeit den eigenen Körper wahrzunehmen und zu kontrollieren wird von Erwachsenen oft als selbstverständlich erachtet. Wir werden mit unserer fundamentalen Abhängigkeit von diesen Fähigkeiten nur konfrontiert, wenn diese gestört werden, zum Beispiel im Falle eines Schlaganfalls. Im Gegensatz dazu, wenn wir die ersten Entwicklungsschritte von Babys betrachten, schätzen wir deren Fähigkeit zu Körperwahrnehmung und Kontrolle als eher gering ein. In diesem Projekt untersuche ich die Entwicklung von Körperwahrnehmung und Kontrolle im ersten Lebensjahr. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen verknüpfe ich mit aktuellen Debatten in der Handlungstheorie. Von diesem minimalen Ansatz verspreche ich mir neue Impulse für die zunehmend intellektualisierten philosophischen Debatten.

Mein Promotionsprojekt verfolgt eine interdisziplinäre Strategie. Deshalb kooperiere ich mit dem Leipziger Forschungszentrum für frühkindliche Entwicklung, sowie dem Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften. Gefördert wird meine Promotion durch ein Landesgraduiertenstipendium des Landes Sachsen.

Zur Person

Kants endlicher Denker. Eine systematische Analyse rationalistischer Einflüsse in Kants theoretischer und praktischer Philosophie

Wie ist endliches Denken möglich? Die Brisanz, die in dieser Formulierung steckt, wird in Debatten der angloamerikanischen analytischen Philosophie gerne verschleiert. Auch zeitgenössische Beiträge, die explizit den Einsichten Kants Raum geben wollen, für dessen Projekt diese Frage zentral ist, deklinieren lediglich die Transzendentale Analytik durch, um nüchtern eine Objektbezogenheit zu attestieren. Dabei bestimmt Kants Verhältnis zu dieser Frage seine ganze Philosophie und die Form seines Transzendentalen Idealismus. Es ist das Ziel meines Dissertationsprojekts herauszuarbeiten, welche Bedeutung endliches Denken für Kants theoretische Philosophie und praktische Moralphilosophie hat. Meine These ist, dass Kants Formulierung dieses Begriffs zu Spannungen in seiner Philosophie führt, die innerhalb des kantischen Rahmens nicht aufzulösen sind.
Eine Analyse von zentralen Begriffen der Rationalisten erlaubt die Offenlegung desjenigen Gegenbegriffs, der auch implizit in Kants endlichem diskursiven Denker enthalten ist: der unendliche Intellekt. Dieser systematische Vergleich mit einem privativ endlichen Denkvermögen erhellt somit die Problematik, in der Kant sich befindet, und eröffnet zudem den Ausblick auf ein Grundanliegen des Deutschen Idealismus.

Zur Person

Die Negation der Zeit. Eine Untersuchung der objektiven Form des Denkens

Thema der Arbeit ist das Verhältnis des Denkvollzugs zur Zeit. Es soll gezeigt werden, dass objektives Denken, das mit einem Anspruch auf wahre Aussagen verbunden ist, wesentlich ein negatives Verhältnis zur Zeit impliziert. Damit ist zum einen gemeint, dass bereits der inhaltliche Anspruch auf Gültigkeit im Vollzug eines Gedankens die Negation von zeitlicher Gebundenheit voraussetzt. Zum anderen zeichnet sich Denken dadurch aus, dass es in seinem Vollzug selbst nicht zeitlich bestimmbar ist, sondern vielmehr umgekehrt die Zeit als Form des Gegenstandsbezugs ermöglicht. Gleichzeitig ist aber nicht zu leugnen, dass menschliches Denken an unsere sinnliche Natur als konkrete Lebewesen gebunden bleibt, insofern es nur in der Verbindung mit unserer raumzeitlichen Existenz ausgeübt werden kann.

Dieses grundlegende Paradox – dass Denken zum einen auf seine Verkörperung in Raum und Zeit angewiesen ist, zum anderen aber wesentlich in einem negativen Verhältnis zur Zeit besteht – soll anhand der drei Autoren Frege, Kant und Hegel behandelt und einem Lösungsversuch angenähert werden. Während Frege in erster Linie die überzeitliche Gültigkeit von wahren Gedanken im Blick hat, legt Kant dar, inwiefern transzendentales Selbstbewusstsein selbst nicht mehr zeitlich begriffen werden kann, sondern vielmehr als der zeitlose Grund der Einheit jedes Denkakts verstanden werden muss. Hegel ist schließlich darum bemüht, die Schwierigkeit dadurch aufzulösen, dass er dem geistigen Vollzug des Denkens eine gewisse dynamische „Eigenzeit“ zuschreibt, die allerdings nicht mit der empirischen Bestimmung zeitlicher Abläufe zusammenfällt. Das Projekt soll über die Verbindung der zentralen Einsichten dieser Autoren zu einem erweiterten Verständnis unserer selbst als sinnlich-vernünftigen Lebewesen beitragen.

Zur Person

Ziel des Projekts ist es, die rechtspositivistische Lehre von Kelsen und Hart anhand der neueren Entwicklungen der Sozialontologie zu kritisieren. Aus der Kritik zeigt sich, dass die von den Rechtspositivisten geachtete Trennung von Normativität und gesellschaftlicher Tatsache aufgehoben wird. Wird diese Trennung aufgehoben, ist der Rechtsbegriff nicht mehr notwendig durch ein souveränes Wollen und die daraus abgeleitete Normenhierarchie zu definieren: Die institutionelle Abhängigkeit des Rechts muss neu bewertet werden. Die Konsequenz dieses theoretischen Schrittes ist aber nicht ein von Institutionen  befreiter Rechtsbegriff,  vielmehr muss die Stellung der Institution als wesentlicher Bestandteil gesellschaftlicher Kohäsion und somit des Rechts neu affirmiert werden.

Menschen haben Bedürfnisse, wie andere Lebewesen auch. Doch was eigentlich sind Bedürfnisse? Die Frage, was Bedürfnisse sind, entscheidet, ob und wie Bedürfnisse in die Moralphilosophie und politische Philosophie Eingang finden können. Beantwortet werden muss, ob der Begriff des Bedürfnisses in einem gerechtigkeitsrelevanten Sinn verwendet werden kann. Folgt man klassischen Traditionen des Liberalismus, dann haben Bedürfnisse keinen gerechtigkeitsrelevanten Sinn. Folgt man dagegen neo-aristotelischen Theorien des guten Lebens, dann ist die Bezugnahme auf Bedürfnisse für den Gerechtigkeitsbegriff grundlegend. Meine Forschungsfrage wird sein: Wie müssen wir Bedürfnisse und deren Rolle im menschlichen Leben verstehen, damit die Bezugnahme auf Bedürfnisse einen gerechtigkeitsrelevanten Sinn haben kann?

Das Projekt ist dabei von der doppelten Annahme geleitet, dass weder diejenigen Positionen, die dem Begriff der Bedürfnisse jede Gerechtigkeitsrelevanz absprechen, noch diejenigen Positionen, die sie bejahen, dies bisher auf überzeugende Weise tun können. Der Grund, so möchte ich zeigen, liegt darin, dass beide Theorietraditionen - auf je unterschiedliche Weise - mit einem impliziten Begriff von Bedürfnissen arbeiten, von dem ich zeigen möchte, dass er unzureichend ist. Sie begreifen Bedürfnisse als etwas "Gegebenes", sei es natürlich oder kulturell. Dieses Verständnis werde ich kritisieren, indem ich in grundlegender Weise frage, was Bedürfnisse sind und in welchem Verhältnis sie zum menschlichen Leben stehen. Menschliche Bedürfnisse, so werde ich argumentieren, haben ihren Ort im Rahmen einer Lebensform, die als solche selbstbewusst ist. Dies, so möchte ich zeigen, schließt es aus, das Verhältnis zwischen dem menschlichen Subjekt und seinen Bedürfnissen als ein empirisches Verhältnis zu verstehen. Es ist vielmehr ein Verhältnis praktischen Wissens. Ein solch genuin selbstbewusster und praktischer Begriff von Bedürfnissen wird es uns ermöglichen, zu verstehen, wie Bedürfnisse in unserem praktischen und politischen Denken einen gerechtigkeitsrelevanten Sinn haben können. Die Arbeit wird sich drei Verwendungen des Bedürfnisbegriffs annehmen. Während im ersten Teil zwei geläufige Verwendungen innerhalb der zeitgenössischen politischen Philosophie - zum einen die Rawls‘/ Dworkins, zum anderen die Nussbaums - einer immanenten Kritik unterzogen werden, wird im zweiten Teil der Marxsche Bedürfnisbegriff untersucht. Letzter soll im Rückgriff auf Ansätze zeitgenössischer Theorien genuin selbstbewusster Lebensformen weiterentwickelt werden.

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